Bastei Lübbe: Aufsichtsrat tritt geschlossen zurück

Bastei Lübbe: Aufsichtsrat tritt geschlossen zurück

, aktualisiert 02. August 2016, 13:25 Uhr
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Bücher des Verlages Bastei Lübbe

von Georg Buschmann

Das dreiköpfige Kontrollgremium des börsennotierten Verlags Bastei Lübbe wird seine Ämter im kommenden Monat niederlegen. Ins Rollen gebracht hat die Personalrochade eine Geschichte der WirtschaftsWoche.

Alle Aufsichtsratsmitglieder des Kölner Medienunternehmens Bastei Lübbe werden bei der Hauptversammlung im September nicht mehr zur Wahl antreten. Das gab das Unternehmen am Freitag bekannt.

Zwei Wochen zuvor hatte die WirtschaftsWoche aufgedeckt, wie Bastei Lübbe seine Gewinne mit fragwürdigen Geschäften aufpoliert und Aufsichtsrat Michael Nelles mit seiner Firma Conpair an der Börsengeschichte von Bastei Lübbe verdient. Ursprünglich hätten die drei Aufsichtsräte ihre Ämter noch bis 2018 ausüben sollen.

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Aufhorchen lässt dabei die Erklärung des scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich Wehrle: „In den vergangenen Wochen hat der Aufsichtsrat den Eindruck gewonnen, dass die Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Wahrnehmung des Mandats nicht mehr gegeben ist.“ Die Mitglieder sähen es daher „im Sinne einer guten Corporate Governance“ als ihre Pflicht, ihr Mandat niederzulegen.

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Romanhefte des Verlages Bastei Lübbe Quelle: dpa

Bastei-Aufsichtsrat Michael Nelles leitet eine Kapitalmarktberatung, die mehrere Geschäfte mit dem Verlag abgeschlossen hat. Unter anderem begleitete sie den Börsengang von Bastei Lübbe im Jahr 2013 und kassierte dafür eine Provision. Die WirtschaftsWoche hatte diese Doppelrolle wegen des möglichen Interessenkonflikts von Nelles kritisiert und die unabhängige Überwachung des Unternehmens durch den Aufsichtsrat infrage gestellt.

Wehrles Erklärung deutet nun darauf hin, dass der Aufsichtsrat tatsächlich nicht dazu in der Lage ist, das Unternehmen neutral zu überwachen.

Als Nachfolger der drei Aufsichtsratsmitglieder hat Bastei Lübbe bereits Kandidaten benannt. Die neue Aufstellung erinnert sehr an die alte: Der Kandidat Robert Stein etwa (soll den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen) arbeitet wie der scheidende Michael Nelles bei einer Kapitalmarktberatung. Der Kölner Rechtsanwalt Friedrich Ekey soll den Kölner Rechtsanwalt Gordian Hasselblatt ersetzen.

Einzig der Dritte im Bunde kommt weder aus Köln, noch arbeitet er im selben Beruf wie ein aktuelles Aufsichtsratsmitglied: Mirko Caspar leitet den Berliner Online-Optiker Mister Spex. Er hat in Münster Betriebswirtschaftslehre studiert. Auch Friedrich Wehrle hatte hier seinen Studienabschluss in Wirtschaftswissenschaften gemacht. Die neuen Aufsichtsräte sollen von der Hauptversammlung am 15. September für zwei Jahre gewählt werden.

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Bücher des Verlags Bastei Lübbe. Quelle: dpa

Anleger reagierten auf den Komplettrückzug des Aufsichtsrats entsetzt: Am Freitag verlor die Aktie in der Spitze mehr als sieben Prozent. Auch am Montag notierte das Papier leicht im Minus. Seit der ersten Veröffentlichung zu Bastei Lübbe in der WirtschaftsWoche büßte der Anteilsschein knapp 13 Prozent seines Werts ein.

Schlechte Nachrichten gibt es für Bastei-Anleger auch von einer anderen Front. Der Kölner Verlag hatte im März 2015 eine 55-prozentige Beteiligung an der E-Book-Plattform Beam (heute: Oolipo) an einen britischen Investor verkauft. Doch den Kaufpreis in Höhe von 3,85 Millionen Euro konnte der Käufer nicht wie ursprünglich vereinbart bis zum 31. Dezember 2015 aufbringen. Die Zahlungsfrist wurde daher bis Ende Juli verlängert. Zwei Wochen vor dem Zahlungstermin stand weiterhin ein Großteil der Forderung aus.

Am Sonntag ist die Frist abgelaufen. Auf die Frage der WirtschaftsWoche, ob das Geld inzwischen in voller Höhe eingegangen sei, antwortete Bastei Lübbe am Dienstag nur: „Wir geben dazu auf unserer Hauptversammlung Auskunft.“ Danach, dass das Geld nun da ist, klingt das nicht.

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