KommentarBau: Koch hält Bilfinger auf Kurs

von Harald Schumacher

Der frühere CDU-Politiker legt die erste Jahresbilanz als Chef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger vor: Gute Zahlen – aber echte Bewährungsproben stehen Koch erst 2012 bevor

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Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch hat bei Bilfinger Berger gute Zahlen verkündet

Roland Koch, seit einem halben Jahr Chef des Bau- und Dienstleistungskonzerns  Bilfinger Berger, weiß ganz genau, dass die erfreuliche Entwicklung des Unternehmens noch nicht „sein Aufschwung“ ist. Heute Mittag hat Koch – genau eine Stunde lang – die vorläufigen Ergebnisse in einer Telefonkonferenz vorgestellt und erläutert.

Mit der angemessenen Bescheidenheit. Die besonderen Entwicklungen, die die gute Bilfinger-Bilanz 2011 prägen, hat noch Kochs Vorgänger Herbert Bodner angestoßen: den erfolgreichen Verkauf der australischen Tochter Valemus, die Reduzierung der Anteile an der korruptionsbelasteten nigerianischen Tochter Julius Berger, die Gewinnung von Investoren, die Bilfinger Anteile an PPP-Projekten abkaufen und so Kapital für weitere strategische Zukäufe liefern. Auch die Akquise einer Reihe mittelständischer Dienstleistungs-Unternehmen und die Entscheidung für den indischen Markt sind Akzente noch aus der Ära Bodner.

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An der Strategie seines Vorgängers festzuhalten ist Kochs beste Option. Selbstironisch relativiert er die eigene Rolle, indem er sagt: „Man kann ein Unternehmen sehr schnell ruinieren – aber man kann es nicht schnell in eine völlig andere Dimension bringen.“

Keine Präsenz, keine Empathie

2012 allerdings wird Koch nun eine eigene Handschrift beweisen müssen. Zum einen, weil die Aktivitäten von Unternehmen heute stärker hinterfragt werden. Da lag Bodners Schwäche. Bei schwierigen Themen wie dem Unglück beim Kölner U-Bahn-Bau stellten sich der Konzern und sein oberster Chef negativ dar: verschanzten sich hinter Worthülsen, zeigten keine Präsenz am Unglücksort und dadurch keine Empathie.

Einem Konsumgüterkonzern hätte eine solche Strategie das Genick brechen können. Aber auch Bilfinger entzog das Sympathien. Diesen Fehler darf Koch nicht wiederholen, wenn in Köln die Staatsanwälte demnächst – drei Jahre nach dem Unglück mit zwei Toten –die tatsächlichen Ursachen für den Stadtarchiv-Einsturz vor Ort untersuchen und benennen.

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