Bau-Konjunktur: Widersprüchliche Signale aus der Bauwirtschaft

KommentarBau-Konjunktur: Widersprüchliche Signale aus der Bauwirtschaft

von Harald Schumacher

Die Spitzenverbände der Baubranche sind sich nicht einig: während der Hauptverband, der die großen Unternehmen vertritt, Anzeichen einer Konjunkturkrise dementiert, ist der Zentralverband, der Mittelstand und kleinere Betriebe organisiert, pessimistisch. Wer liegt richtig?

"Bei uns ist dank der Zuwanderung von Kapital derzeit keine Krise angesagt", gibt Heiko Stiepelmann in der aktuellen WirtschaftsWoche konjunkturell Entwarnung. Der Mann muss es wissen – er ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Hans-Hartwig Loewenstein hingegen sieht über der Baubranche das "Damoklesschwert der Eurokrise. Einzelne Berichte über auf Eis gelegte Projekte haben uns bereits erreicht". Auch Loewenstein muss es wissen – er ist Präsident beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

Was ist nun richtig?

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Die kakaphonen Mitteilungen werden verständlicher, wenn man eine von Montag stammende andere Meldung des Bau-Hauptverbandes hinzu nimmt. Stiepelmanns Verband teilte zum Wochenanfang mit, er ergänze jetzt sein Logo um den Zusatz "Bauen und Services".

Neue Dienstleistungen sind weniger konjunkturanfällig

Bilfinger Berger, Hochtief, Strabag, aber auch manche großen Mittelständler bieten stetig wachsende Paletten von Dienstleistungen rund um zu bauende und bestehende Gebäude an. Besonders Bilfinger drängte unter dem neuen Vorstandschef Roland Koch darauf, der Hauptverband solle das auch nach außen zeigen.

Konjunktur Welche Branchen dem Abschwung trotzen

Der Abschwung trifft nicht alle gleich. Trotz trüber Aussichten prosperieren einige Wirtschaftszweige und Unternehmen ungebremst weiter. Warum?

Erfolgreiche deutsche Branchen: Maschinenbau, Chemie, Bauwirtschaft Quelle: dpa/Montage

Selbst die Wartung von Kraftwerken und Industrieanlagen gehört dazu. Diese Dienstleistungen sind durch langfristige Verträge weniger konjunkturanfällig als das eigentliche Baugeschäft. Auf Basis der verbreiterten Geschäftsgrundlage tut sich der Hauptverband leichter, optimistisch zu bleiben bei der Konjunkturprognose.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Das Baugewerbe hingegen verweist darauf, es erbringe 70 Prozent der eigentlichen Bauleistung in Deutschland und beschäftige 75 Prozent der Bau-Mitarbeiter. Schließlich ist die Baubranche in Deutschland mittelständisch geprägt. Aber auch diesem Bereich der Bauwirtschaft geht es noch gut. Von Loewensteins Konjunktur-Skepsis relativiert sich, wenn man die Zahlen anschaut.

Weitere Artikel

Sein Verband storniert zwar die frühere Prognose für 2012, nach der der Umsatz im Bauhauptgewerbe 2012 um 3,8 steigen sollte. Doch nun geht der Zentralverband von  2,3 Prozent Umsatzsteigerung für das Gesamtjahr aus - immer noch ansehnlich und alles andere als ein Krisensignal. Die Branche stellt sogar noch ein: auch nach den gedämpfteren Erwartungen geht der Zentralverband von einem Beschäftigungszuwachs um immerhin 1,5 Prozent aus. Das wären dann 745.000 Mitarbeiter - so viele hatte die Branche seit acht Jahren nicht!

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