Baukonzern: Wie Roland Koch Bilfinger umwälzt

Baukonzern: Wie Roland Koch Bilfinger umwälzt

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Rob der Baumeister -Vorstandschef Koch und Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit besuchen eine Bilfinger-Baustelle in Berlin.

von Harald Schumacher

Nach gelungenem Start braucht Roland Koch in seinem zweiten Jahr an der Spitze des expandierenden Dienstleistungs- und Baukonzerns Fingerspitzengefühl und Durchsetzungskraft. Der Ex-Ministerpräsident muss jetzt strategische Weichen stellen und den lockeren Konzernverbund zu mehr Kooperation animieren.

Es gibt ein Leben nach der Politik, und in dem genießt es Roland Koch als Vorstandschef des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger Berger auch mal, Wohltaten zu verteilen – wenn auch nicht so großzügig wie in der Autoindustrie. 340 Euro pro Kopf als Bonus für 2011 genehmigte er gerade dem deutschen Teil seiner fast 60.000-köpfigen Belegschaft.

So lief das erste Quartal 2012

  • Leistung

    Bilfinger Berger hat im ersten Quartal 2012 Leistung und operatives Ergebnis erhöht. Die Leistung stieg um sechs Prozent auf knapp 1,95 Milliarden Euro.

  • Operatives Ergebnis

    Das operative Ergebnis (Ebita) verdoppelte sich nahezu auf 133 Millionen Euro. Dem Zuwachs von 65 Millionen Euro entsprachen dabei Erlöse in gleicher Höhe aus einem Teilverkauf des Nigeria-Geschäfts und dem Verkauf von 16 Betreibergesellschaften an einen Fonds.

  • Gewinn

    Der Gewinn des Konzerns ging deutlich von 207 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 100 Millionen Euro zurück. Im ersten Quartal 2011 hatte allerdings nicht fortgeführte Aktivitäten noch mit 174 Millionen Euro zum Ergebnis beigetragen. Die Summe ging vor allem auf die Veräußerung der Tochtergesellschaft Valemus Australia zurück.

  • Ausblick für 2012

    Für das gesamte Jahr 2012 rechnet der Konzern durch steigende Margen und weitere Veräußerungsgewinne mit einem Ergebnis, das deutlich über den 220 Millionen Euro des Vorjahres liegt.

250 Euro davon waren gesetzt, weil die Bilfinger-Aktionäre 2,50 Euro Ausschüttung pro Aktie bekommen sollen. Der Mitarbeiter-Bonus bei Bilfinger liegt traditionell beim 100-Fachen der Dividende. Doch Koch gab sein Okay, zusätzlich 90 Cent Sonderdividende zu berücksichtigen, die die Aktionäre dank des Verkaufs der australischen Tochter Valemus bekommen. Den erhöhten Bonus segnet die Hauptversammlung am 10. Mai ab.

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Gehalts-Check für Roland Koch

  • Das bekam Koch als Politiker

    160.000 Euro Jahresgehalt hatte Roland Koch zuletzt als hessischer Ministerpräsident.

  • Soviel verdient Koch als Manager

    2,1 Millionen Euro bekommt Bilfinger-Chef Koch voraussichtlich für 2012.

Zuhören und lernen

Koch steht seit zehn Monaten an der Spitze des MDax-Konzerns aus Mannheim. Viel Skepsis schlug dem einstigen hessischen Ministerpräsidenten und Merkel-Konkurrenten entgegen. Einen solchen Sprung aus dem politischen Olymp an die Spitze eines Konzerns hatte vor ihm nur Lothar Späth gewagt. Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg wurde 1991 Jenoptik-Chef in Jena.

Kochs Zwischenbilanz für sein erstes Jahr im Top-Management unter Beobachtung der Politik- und Wirtschaftselite ist aber positiv. Er hat der Versuchung widerstanden, sich auf Teufel komm raus profilieren zu wollen. Stattdessen lernte er den Konzern erst intensiv kennen, hörte zu und führte die Strategie seines Vorgängers Herbert Bodner fort.

Doch nun stehen Probleme an, an deren Bewältigung Koch gemessen wird. Er muss den losen Verbund von weltweit 500 Bilfinger-Töchtern zu einem kooperierenden Netzwerk umformen und zugleich für eine Milliarde Euro um neue Firmen erweitern, die integriert sein wollen. Schützen muss er sich vor Einmischungen seines renditehungrigen neuen Großaktionärs, des schwedischen Finanzinvestors Cevian. Krisenmanagement ist gefragt, wenn sich Bilfinger – wohl erst 2013 – für den katastrophalen Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 juristisch verantworten muss.

"Koch macht das gut"

Immerhin: Beobachter unterschiedlichster Lager zollen dem Bilfinger-Chef Respekt. „Koch macht das gut“, sagt ein Manager-Kollege aus der Branche. IG-Metall-Vorstandsmitglied und Bilfinger-Aufsichtsrat Holger Timmer lobt, dass Koch „gegenüber Vorständen und Arbeitern gleichermaßen kommunikativ und zugänglich auftritt. Er nimmt die Leute mit.“

Einmal im Monat lädt Koch zum Kantinengespräch. Dann isst er mit einem halben Dutzend Mitarbeitern – anmelden kann sich jeder – im elften Geschoss der Bilfinger-Zentrale zu Mittag. Der Promi, den alle nur aus dem Fernsehen kannten und mit CDU-Parteispendenaffäre und „brutalstmöglicher Aufklärung“ verbinden, kommt im persönlichen Gespräch gut an. Ein Teilnehmer der Kantinenrunde nimmt den Eindruck mit: „Das ist ein ganz anderer Typ als Bodner.“ Der sei „mehr von oben herab“ gewesen. Und scheute die Kantine.

Koch ist auch Arbeitsdirektor des Konzerns. Bei seiner Kennenlerntour durch das Bilfinger-Reich traf der Neue stets die Betriebsräte und zog sie auf seine Seite – auch durch den gut zwei Millionen Euro teuren Extra-Zuschlag für die Mitarbeiter. Dass Koch dabei vom „Brückner-Bonus“ spricht, schmeichelt Konzernbetriebsratschef Stephan Brückner: „Wir fühlen uns fair behandelt. Es gibt nicht viele Reibungspunkte im Unternehmen.“

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