"Baur au Lac"-Chef: "Grenzen auf dem Weg in die Zukunft sind nicht wirklich hilfreich"

Interview"Baur au Lac"-Chef: "Grenzen auf dem Weg in die Zukunft sind nicht wirklich hilfreich"

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Hoteliers leben wie kein zweiter von einer offenen Welt. Selten beeinflusst die Politik das Geschäft so wie derzeit.

von Sven Prange

Selten beeinflusste Politik das Geschäft so wie derzeit. Was macht das mit einem Hotelier, der wie kein Zweiter von einer offenen Welt lebt? Antworten von Wilhelm Luxem vom 5-Sterne-Hotel "Baur au Lac" in Zürich.

Herr Luxem, der Franken-Schock, die Einwanderungsdebatte, nun Streit um Freihandel und eine abgehobene Elite, über allem die Digitalisierung und am Wochenende auch noch das Nein der Schweizer zu einer verlässlichen Konzernbesteuerung – durch wenige Geschäftsmodelle laufen so viele politische Konflikte wie durch Ihres. Wie geht es Ihnen?

Politische Ereignisse erzeugen Unsicherheiten und da spüren wir schon, dass viele Menschen in einer Abwarte-Haltung sind. Wenn Sie aber wie wir eine Familie, die seit 1844 dieses Geschäft betreibt, im Hintergrund haben, sehen Sie manche Dinge etwas anders. Sie sehen dann die langen Linien. Sie wissen, dass dieses Haus zwei Weltkriege überlebt hat; hören, dass während des zweiten Weltkrieges hier im Innenhof Kartoffeln angebaut wurden. Ich denke, da sind wir derzeit noch nicht. So gesehen rücken die langen Linien hier manches ins rechte Lot. 

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Sie möchten bestreiten, dass das Geschäft politischer geworden ist?

Ich möchte bestreiten, dass es Grund für Angst gibt. Vorsicht und aufmerksamer Blick auf das Weltgeschehen sind unser tägliches Geschäft, seit 173 Jahren. Heute geht alles etwas schneller, hat jedes Ereignis das früher vielleicht lokal begrenzt war globale Sichtbarkeit, oft auch Auswirkung. Dem kann man sich nicht entziehen, aber durch angemessenes Handeln stellen, um auch Chancen nicht zu verpassen. 

Zur Person

  • Wilhelm Luxem

    Wilhelm Luxem ist Chef des Hotels Baur au Lac in Zürich. Das Haus gehört der Kölner Familie Kracht und zählt zu den internationalsten und traditionsreichsten Hotels Europas.

Die Schweiz dem „Trend“, sich vor Einwanderung abzuschotten, vorweg. Sie haben Mitarbeiter aus 60 und Gäste aus vermutlich noch mehr Nationen. Wie wirtschaftet es sich da, wenn eine Gesellschaft die Grenzen dicht machen möchte?

Dass die Schweiz die Grenzen schließt, ist ein falsches Bild von außen. Die Schweiz ist ein sehr offenes Land. Und die Politik hier ist sehr pragmatisch. Die Menschen übrigens auch. 

Sie haben keine Sorge vor einer Rückkehr in eine vor-globale Gesellschaft?

Das Land braucht ausländische Arbeitskräfte. Was jetzt hier und da aufkommt, sind politische Momentaufnahmen, die aus einer Verunsicherung über die Kurzfristigkeit des Seins entstehen. Die Menschen werden erkennen, dass Grenzen auf dem Weg in die Zukunft nicht wirklich hilfreich sind. Hotels waren schon immer Brückenbauer in der international verknüpften Welt. Sowohl auf Gäste- wie auf Mitarbeiterseite. 

1844gegründet und ist bis heute in Familienbesitz: Das 5-Sterne-Luxushotel Baur au Lac in Zürich. Quelle: REUTERS

1844gegründet und ist bis heute in Familienbesitz: Das 5-Sterne-Luxushotel Baur au Lac in Zürich.

Bild: REUTERS

Die zweite Herausforderung war die aufgewertete Währung. Wie geht man damit um, wenn einem die Geldpolitik über Nacht einen Strich durch die Kalkulation macht?

Als der Frankenschock die Schweiz überrollt hat, haben natürlich viele Gäste nach Rabatten gefragt. Wir haben dann zurückgefragt: was soll von den Dienstleistungen wegbleiben? Unsere Gäste haben das verstanden. Und das ist gut: Wenn das Fass einmal auf ist, kriegen Sie es nie mehr zu.  Zimmer-Preise gehen in Franken runter und in Rappen hoch. 

Dennoch sind die Preise in Ihrer gesamten Branche unter Druck.

Das ist eine kurzfristige Politik, die vielleicht gut gehen kann, wenn ich kurzfristige operative Ergebnisse suche. Langfristig ist sie für ein Unternehmen, das anders als viele in der Branche Immobilien- und Betreibergesellschaft gleichzeitig ist, tödlich. Ich entziehe mir damit ja die Investitionskraft für die kommenden Jahre. Sie müssen als jemand, der unternehmerisch Verantwortung trägt, starkes Rückgrat gegenüber dem Zeitgeist zeigen, wenn Sie langfristig bestehen möchten. 

Sie haben ein Gast-Mitarbeiter-Verhältnis von 290 zu 130. Wie rechnet und wie rechtfertigt sich das?

Rechnen muss es sich. Das kann es nur, wenn die entsprechenden Preise bezahlt werden. Aber das ist zu rechtfertigen. Es ist nämlich unabdingbar, wenn ich auf dem Niveau Leistung erbringen will. 

Ist der Preis nicht viel mehr ein Distinktionsmerkmal, der einer globalen Elite erlaubt, sich hier abzuschotten?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel, das dagegen spricht: Wir betreiben einen Zeitungskiosk. Wenn ich einen Controller im Nacken hätte, wäre der Kiosk längt geschlossen, weil er sich durch den Zeitungsverkauf natürlich nicht trägt. Aber die erste Funktion ist gar nicht, den Gästen Zeitungen zu verkaufen sondern Ihnen ein Zuhause auf Zeit zu geben. Die langjährigen Mitarbeiter dort erkennen die Gäste sofort und können sie ansprechen. Kompetent und auf Augenhöhe. Andere Hotels nennen diese Abteilung Guest Relations. Dann kommen Gespräche zustande und es entsteht eine Emotionalität und Vertrautheit die so ein Haus wie das Baur au Lac prägt. 

Das ist letztlich aber vor allem Ihr Bauchgefühl, das so etwas entscheidet, oder?

Der Wert erschließt sich Ihnen sofort, wenn Sie dort einmal zuschauen: Die Damen dort, die machen das seit vielen Jahren. Sie kennen die Gästewünsche. Ein anderes Beispiel ist unsere Telefonzentrale. Andere Häuser lagern so etwas aus. Wir nicht. Wenn Sie hier drei, vier Mal waren, erkennen die  Mitarbeiter Sie am Telefon namentlich und sind in vielen Dingen und Abläufen mit dem Haus vertraut; können Auskunft geben. Wenn Sie das alles an Dienstleister auslagern, verliert das Hotel seine Seele. 

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