Behandlungsfehler: Die Mängelliste deutscher Krankenhäuser

Behandlungsfehler: Die Mängelliste deutscher Krankenhäuser

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Der Schnitt sitzt - Bei einer Herzoperation muss jeder im Team jederzeit wissen, was er tun oder lassen soll.

von Anke Henrich

In deutschen Kliniken passieren täglich lebensgefährliche Fehler. Liegt es am fehlenden Geld?

Es ist so alltäglich wie entsetzlich. Ein junger Mensch stirbt. Was alles noch schlimmer macht: Das Mädchen verliert ihr Leben wegen der Nachlässigkeit der Ärzte. Die 16-Jährige aus Norddeutschland fühlt sich müde, erschöpft, unruhig und ungewohnt aggressiv. Die Eltern fahren sie ins Krankenhaus der Kleinstadt. Die Ärzte diagnostizieren eine Hyperaktivitätsstörung und stellen das Mädchen medikamentös ruhig. Wird schon.

Doch in der Nacht ist der Teenager kaum noch ansprechbar. Am nächsten Morgen ordnet ein anderer Arzt eine Schichtaufnahme ihres Kopfes an und erkennt darauf lebensbedrohlich hohen Hirndruck. Er ruft die Uniklinik der nächsten Großstadt an. Deren Neurochirurgen fordern ihn auf, das Mädchen sofort in die Uniklinik zu verlegen. Dort könnten sie mit einem relativ einfachen Eingriff ihr Leben retten. Doch die Kleinstadt-Ärzte lassen sich mit dem Transport bis zum Nachmittag Zeit. Zu viel Zeit: Das Mädchen stirbt im Notarztwagen auf dem Weg zur Uniklinik. Die Autopsie ergibt, dass sie unentdeckt zuckerkrank war. Weil ihre Ärzte die Symptome verkannten, fiel sie ins diabetische Koma. So geschehen im vergangenen Februar.

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Alltägliche Behandlungsfehler

Das war keine Verkettung unglücklicher Umstände. Das waren schwerwiegende Arztfehler. Ein Melderegister gibt es nicht, aber seriöse Schätzungen gehen von jährlich 340.000 bis 680.000 Behandlungsfehlern in Deutschland aus, die mindestens 17.500 Menschen das Leben kosten.

Wie kann das sein, in einem der teuersten und besten Gesundheitssysteme weltweit? Damit beschäftigte sich die WirtschaftsWoche im vorigen Monat und analysierte die vielen Fehler im System. Kommunikationsmängel, falsche Medikamente, Chaos bei der IT, Krankenhausinfekte, keine Mindestfallzahlen, fehlende gesetzliche Vorgaben – die Liste ist noch viel länger.

Die Suche nach den Ursachen

Viele Ärzte reagierten mit Briefen auf den Bericht – vor allem zustimmend, aber in einem Punkt mit Widerspruch: Die meisten Fehler passierten eben doch, weil es im System am nötigen Geld mangele. Doch dem widersprechen viele andere Experten: Auch ohne mehr Geld ließe sich das Risikomanagement der Kliniken allein schon durch bessere Organisation der Abläufe entscheidend verbessern.

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