Berliner Flughafen-Chef an: Mehdorn will spätestens 2015 zurücktreten

Berliner Flughafen-Chef an: Mehdorn will spätestens 2015 zurücktreten

, aktualisiert 15. Dezember 2014, 14:31 Uhr

Der Chef der Berliner Flughafengesellschaft, Hartmut   Mehdorn, hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sein Amt spätestens zum 30. Juni 2015 niederlegen.

Überraschender Rücktritt am neuen Hauptstadtflughafen: Geschäftsführer Hartmut Mehdorn will sein Amt abgeben. Er biete an, die Aufgabe noch auszuüben, bis ein Nachfolger gefunden ist, längstens bis zum 30. Juni 2015, teilte das Unternehmen am Montag mit. Mehdorn begründete die Entscheidung mit Spekulationen um seine Person im Umfeld des Aufsichtsrats, die das vertretbare Maß überstiegen. „Ich bedauere meinen Rücktritt persönlich sehr, da er weder meinem Pflichtbewusstsein noch meinen persönlichen Zielen entspricht.“ Der Schritt sei in Abwägung der Gesamtlage notwendig geworden. Zudem schließe sich mit der Festlegung auf eine Eröffnung des Flughafens im zweiten Halbjahr 2017 für ihn ein Kreis. Die Baustelle, die er im März 2013 im Chaos übernommen habe sei nun geordnet.

So stiegen die Kosten des neuen Hauptstadtflughafens

  • Mehrkosten und kein Ende in Sicht

    Schon in der 15-jährigen Planungsphase stiegen die Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Nach Baubeginn war es nicht anders. Ein Überblick über die Entwicklung:

  • September 2006

    Erster Spatenstich für den Airport mit einer Jahreskapazität von 22 Millionen Passagieren. Der Betreiber gibt die Kosten mit 2 Milliarden Euro an, die Bruttogeschossfläche des Terminals mit 220.000 Quadratmetern.

  • Juli 2007

    Die Kapazität steigt auf 25 Millionen Passagiere, die Investitionssumme erreicht 2,2 Milliarden Euro. Die Fläche wächst auf 300.000 Quadratmeter.

  • Juni 2009

    Der Flughafen wird erneut größer – und teurer: 27 Millionen Passagiere, 2,5 Milliarden Euro Investitionskosten. Für die Kredite von 2,4 Milliarden Euro bürgen Berlin, Brandenburg und der Bund.

  • Mai 2012

    Nach der Absage der für Juni geplanten Eröffnung sickert durch, dass der Bau in Wirklichkeit mindestens 3 Milliarden Euro kostet. Dazu tragen Umbauten nach geänderten Sicherheitsbestimmungen bei, aber auch Beschleunigungsversuche auf der Baustelle. Die Terminalfläche erreicht 340.000 Quadratmeter.

  • September 2012

    Erste Finanzspritze: Bund und Länder wollen 1,2 Milliarden Euro nachlegen, so für Baukosten, Betriebskosten des leeren Terminals und den falsch veranschlagten Schallschutz. Neuer Finanzrahmen: 4,3 Milliarden Euro.

  • Juni 2014

    Die zweite Finanzspritze steht bevor: Der Flughafen benötigt nach eigenen Angaben weitere 1,1 Milliarden Euro, um den Bau und den Schallschutz für die Anwohner fertigzustellen. Geben die Gesellschafter das Geld frei, dehnen sie den Finanzrahmen damit auf über 5,4 Milliarden Euro aus.

Erst am Freitag hatte der Aufsichtsrat Mehdorn in seiner Absicht unterstützt, den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in der zweiten Jahreshälfte 2017 zu eröffnen. Zuvor hatte es aber erhebliche Differenzen zwischen Mehdorn und Teilen des Aufsichtsrats gegeben. Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider hatte gesagt, der Bau solle möglichst schnell, aber auch havariefrei in Betrieb gehen.

Erst am vorigen Freitag hatte Mehdorn überraschend den neuen Zeitplan für den BER genannt. Demnach soll der neue Hauptstadtflughafen in Schönefeld erst mit rund sechs Jahren Verspätung eröffnet werden. Mehdorn nannte in seiner Stellungnahme für die Eröffnung auch den präziseren Zeitraum „Juni bis September 2017“. Nach dem vorgestellten Zeitplan sollen alle notwendigen Pläne für den Umbau im Terminal Mitte 2015 vorliegen. Zwischen März und Juni 2016 soll der Flughafen dann baulich fertig sein. Ursprünglich sollte der BER im Oktober 2011 an den Start gehen. Bisher sind seit dem ersten Spatenstich 2006 vier Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen geplatzt. Zu den Ursachen zählen Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme. Zentrales Problemfeld ist die Brandschutzanlage. Seit knapp zwei Jahren war unklar, wann der drittgrößte deutsche Flughafen in Betrieb gehen kann.

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Ein Problem wird auch eine mögliche Erweiterung des Flughafens sein, der für 27 Millionen Passagiere ausgelegt ist. „Bereits bei der Eröffnung ist der Flughafen überlastet, weshalb eine sichere Inbetriebnahme stark gefährdet ist“, hatte Mehdorn in seiner Präsentation für das Kontrollgremium gewarnt. Er will erreichen, dass die Aufseher unter anderem ein zweites, kleineres Terminal genehmigen. In diesem Jahr werden es in Schönefeld und Tegel insgesamt schon 28 Millionen sein. Die Betreiber gehen davon aus, dass das Wachstum anhält. Schon 2016 würde Platz für gut 37 Millionen Passagiere gebraucht, meint Mehdorn.

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