Berliner Flughafen-Chef: Rainer Schwarz – Ein Mann auf Abflug

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Berliner Flughafen-Chef: Rainer Schwarz – Ein Mann auf Abflug

von Max Haerder und Rüdiger Kiani-Kreß

Er geht, er geht nicht: Das Hin und her von Gerüchten und Dementis um den Chef des Berliner Pannen-Airports zeigt, dass er intern jedes Standing verloren hat. Höchst unwahrscheinlich, dass Rainer Schwarz die Eröffnung des BER noch im Amt erlebt.

Auch das noch, als wäre die Lage nicht schon unangenehm genug: Vor einigen Tagen musste Rainer Schwarz eine Schallattacke auf seinen Wohnsitz am Rande Berlins erdulden. Fluglärmopfer simulierten mit Lautsprechern vor der Villa des Flughafen-Chefs unüberhörbar, was ihnen in Zukunft alltäglich droht, wenn der neue Airport südöstlich der Hauptstadt seinen Betrieb aufnimmt.

Wenn. Genau dieses Wenn ist Schwarz‘ Problem. Nach der peinlichen Kurzfrist-Absage der Eröffnung wird mit jedem Tag deutlicher, dass das Milliarden-Projekt Planer und Flughafen-Gesellschaft in einem fast schon abenteuerlichen Ausmaß überfordert hat. Mittlerweile wagt niemand mehr eine Prognose, wann der BER wirklich eröffnen kann. März 2013? Sommer? Herbst? Doch erst 2014? Alles ist auf einmal im Bereich des Möglichen, weil bei der komplexen Brandschutz-Konstruktion nichts mehr unmöglich erscheint.

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Die ersten Opfer des Debakels waren Technikchef Manfred Körtgen und die Planungsgemeinschaft namens PG BBI. Rainer Schwarz verwies vor und nach deren Abgang stets darauf, als Nicht‑Techniker auf die Expertise der Ingenieure, Architekten und Bauplaner angewiesen gewesen zu sein. Heute ist klar: Entweder hat Schwarz sich als oberster Verantwortlicher der Flughafengesellschaft von seinen Untergebenen Luftschlösser zeigen lassen – oder er hat mit Absicht die Wahrheit verschleiert, als er noch wenige Tage vor der Absage unverdrossen dem 3. Juni als Start-Termin bestätigte.

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Rainer Schwarz Quelle: dpa

Dementsprechend schlecht sind die Gesellschafter – Bund, Berlin und Brandenburg – auf Schwarz zu sprechen. Der eine mehr, der andere weniger. Der Ex-Chef des Düsseldorfer Flughafens ist kein Mann des Bundes, sondern gilt insbesondere als Kandidat Berlins. Hinter vorgehaltener Hand wird der BER-Chef aber von allen Seiten massiv kritisiert. Mehr als einmal zeigte sich Schwarz im Krisenmanagement der letzten Wochen indisponiert. Die Einstellung von Horst Amann als neuem Chefplaner, der endlich aufräumen und Tacheles sprechen soll, ist ein Misstrauensvotum. Dass Rainer Schwarz also die Eröffnung des neuen Flughafens als Chef erleben wird, ist höchst unwahrscheinlich. Doch seine Ablösung, wie heute gemeldet und umgehend dementiert, steht nicht unmittelbar bevor.

Horst Amann ist zwar der dringend benötigte Fachmann für die Fertigstellung des Terminals. Doch für die Zeit nach der Eröffnung ist er garantiert nicht der richtige. Denn auch wenn in den Terminals auf Jahre ständig irgendwo gebaut werden wird: Flughäfen sind inzwischen vor allem Einkaufspassagen - mit angeschlossener Landebahn und einer besonderen Sicherheitsstufe.  Doch die Kunst, den Umsatz der Läden durch neue Shoppingkonzepte zu heben, beherrscht der bullige Bauingenieur eben nicht.

Ein erfahrener Centermanager hingegen, noch dazu einer, der im undurchsichtigen Hauptstadt-Klüngel klarkommt, wird sich den Posten als Airport-Chef derzeit nicht antun wollen. Denn das Berliner-Bau-Chaos mit seinen vielen Unwägbarkeiten könnte ihm ein rasches Karriereende bescheren. Schließlich galt auch Schwarz bis zu seinem Wechsel vom Düsseldorfer Flughafen nach Berlin als makelloser Macher, dem Fachleute auch größere Aufgaben als den Berliner Flughafen zugetraut haben.

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Mittlerweile aber schützt Schwarz nicht mehr seine Kompetenz, sondern schlicht die Tatsache, dass er die letzte Schutzbastion vor dem Aufsichtsrat ist. Wenn auch er geht, stehen die Aufsichtsräte um Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Verkehrsstaatsekretär Rainer Bomba als letzte Verantwortliche in der Schusslinie. Dann spätestens würden auch an sie die ganz unangenehmen Fragen gestellt. Angesichts der unübersichtlichen Lage werden sie das nicht wollen. Noch nicht.

Schwarz dürfte noch eine Weile ein Chef oder besser ein Sündenbock auf Abruf bleiben.

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