Berliner Flughafen: Mehdorns angekündigter Rücktritt

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Berliner Flughafen: Mehdorns angekündigter Rücktritt

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Schild am Platz von Hartmut Mehdorn

von Christian Schlesiger

Der Rückzug von Hartmut Mehdorn als Chef des Hauptstadtflughafens BER dürfte viele Kritiker erfreuen. Doch in Wahrheit sagt er mehr aus über mangelhafte Arbeit des Aufsichtsrates.

Zumindest ein Zeitpunkt steht fest: Spätestens zum 30. Juni 2015 will BER-Chef Hartmut Mehdorn sein Amt als Chef des Hauptstadtflughafens BER abgeben. Mehdorn begründete die Entscheidung mit Spekulationen um seine Person im Umfeld des Aufsichtsrats, die das vertretbare Maß überstiegen. „Ich bedauere meinen Rücktritt persönlich sehr, da er weder meinem Pflichtbewusstsein noch meinen persönlichen Zielen entspricht“, ließ Mehdorn mitteilen. Der Schritt sei in Abwägung der Gesamtlage notwendig geworden.

Der Rückzug Mehdorns ist nur in Teilen eine persönliche Niederlage. In Wahrheit sagt er mehr aus über den Einfluss und die unzureichende Arbeit der Politik beim BER. Der Aufsichtsrat, in dem Vertreter der drei Hauptgesellschafter, sprich: Bund, Stadt Berlin und Land Brandenburg sitzen, ließ jahrelang eine effektive Kontrolle des BER vermissen. Und plötzlich, wo der BER Fortschritte machte, konnte die Politik gar nicht mehr genug anordnen, um die Zügel anzuziehen.

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So stiegen die Kosten des neuen Hauptstadtflughafens

  • Mehrkosten und kein Ende in Sicht

    Schon in der 15-jährigen Planungsphase stiegen die Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Nach Baubeginn war es nicht anders. Ein Überblick über die Entwicklung:

  • September 2006

    Erster Spatenstich für den Airport mit einer Jahreskapazität von 22 Millionen Passagieren. Der Betreiber gibt die Kosten mit 2 Milliarden Euro an, die Bruttogeschossfläche des Terminals mit 220.000 Quadratmetern.

  • Juli 2007

    Die Kapazität steigt auf 25 Millionen Passagiere, die Investitionssumme erreicht 2,2 Milliarden Euro. Die Fläche wächst auf 300.000 Quadratmeter.

  • Juni 2009

    Der Flughafen wird erneut größer – und teurer: 27 Millionen Passagiere, 2,5 Milliarden Euro Investitionskosten. Für die Kredite von 2,4 Milliarden Euro bürgen Berlin, Brandenburg und der Bund.

  • Mai 2012

    Nach der Absage der für Juni geplanten Eröffnung sickert durch, dass der Bau in Wirklichkeit mindestens 3 Milliarden Euro kostet. Dazu tragen Umbauten nach geänderten Sicherheitsbestimmungen bei, aber auch Beschleunigungsversuche auf der Baustelle. Die Terminalfläche erreicht 340.000 Quadratmeter.

  • September 2012

    Erste Finanzspritze: Bund und Länder wollen 1,2 Milliarden Euro nachlegen, so für Baukosten, Betriebskosten des leeren Terminals und den falsch veranschlagten Schallschutz. Neuer Finanzrahmen: 4,3 Milliarden Euro.

  • Juni 2014

    Die zweite Finanzspritze steht bevor: Der Flughafen benötigt nach eigenen Angaben weitere 1,1 Milliarden Euro, um den Bau und den Schallschutz für die Anwohner fertigzustellen. Geben die Gesellschafter das Geld frei, dehnen sie den Finanzrahmen damit auf über 5,4 Milliarden Euro aus.

Streit zwischen Aufsichtsrat und BER-Geschäftsführung

Zuletzt war es der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der ein symbolisches Zeichen setzen wollte und für Streit zwischen Aufsichtsrat und BER-Geschäftsführung sorgte. Um sich von Beginn an als Meister der Kontrolle zu profilieren, sorgte Müller dafür, dass der Aufsichtsrat vergangene Woche eine Vorlage der Geschäftsführung stoppte, die vorsah, die Beratung Roland Berger für mehrere Hunderttausend Euro pro Monat zu beauftragen. Das mag man gutheißen, aber am Ende kommt es auf ein paar Millionen Euro mehr oder weniger auch nicht an.

Stattdessen vergiftet so ein Verhalten das Verhältnis zwischen Mehdorn und der Politik auf unnötige Art und Weise. Mehdorn wehrte sich auch heftig gegen eine externe Kontrolle seiner Arbeit, die der Aufsichtsrat veranlasst hatte. Der 72-Jährige sprach von „Inquisition“ und „Misstrauenskultur rund um den BER“. Mehdorns Schwäche ist ganz sicher, dass er inhaltliche Kritik gleich als Angriff auf seine Person interpretiert. Die Schwäche des Aufsichtsrates wiegt dagegen schwerer: Das Kontrollgremium entzog dem Manager das Vertrauen, obwohl es dafür keinen wirklichen Grund gab.

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