Berühmte letzte Worte: Das Fernsehen muss sich endlich neu erfinden

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Das Fernsehen ist nicht interaktiv genug, findet Ralf Schwartz.

Kolumne von Ralf Schwartz

Die Rückständigkeit des Fernsehens ist beängstigend, Kühlschränke und Toaster sind bald intelligenter. Das Marketing schaut tatenlos zu. Was ist bei den Fernsehsendern schief gelaufen?

Die Älteren erinnern sich: Die Erde als vermeintliche Scheibe, im Mittelpunkt des Universums, alles drehte sich um sie. Alle waren glücklich - bis auf jene, die es besser wussten. Heute sind wir schon weiter, bloß: Das Fernsehen ist immer noch eine Scheibe - und die werbetreibende Industrie tanzt ignorant-fröhlich weiter um das siechende Kalb.

Das Problem ist: Das Markenartikel-Marketing achtet vor allem auf Quoten und Rabatte, da ist ihnen jede prekäre Produktion recht. Und die Sender profitieren von dieser Verblendung.

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Viele Menschen haben heute andere Fernsehgewohnheiten: Sie sitzen auf dem Sofa, surfen mit dem iPad im Internet, während im Hintergrund unscharf das Fernsehprogramm läuft. Während der Übergang von Unterhaltung und Werbung fließend bleibt, oszilliert der Nutzen zwischen Fototapete und Radio mit hohem Wortanteil. Das war nicht immer so.

Der ideale Sitzabstand zum Fernseher

  • 32 Zoll

    Bei einer Bilddiagonalen von 81 Zentimetern sollte der Fernseher etwa zwei Meter von der Sitzgelegenheit entfernt stehen.

  • 40 Zoll

    Bei einer Bilddiagonalen von 102 Zentimetern sollte der Fernseher etwa 2,50 Meter von der Sitzgelegenheit entfernt stehen.

  • 46 Zoll

    Bei einer Bilddiagonalen von 118 Zentimetern sollte der Fernseher etwa 2,90 Meter von der Sitzgelegenheit entfernt stehen.

  • 50 Zoll

    Bei einer Bilddiagonalen von 127 Zentimetern sollte der Fernseher etwa 3,10 Meter von der Sitzgelegenheit entfernt stehen.

  • 55 Zoll

    Bei einer Bilddiagonalen von 140 Zentimetern sollte der Fernseher etwa 3,40 Meter von der Sitzgelegenheit entfernt stehen.

  • 60 Zoll

    Bei einer Bilddiagonalen von 152 Zentimetern sollte der Fernseher etwa 3,80 Meter von der Sitzgelegenheit entfernt stehen.

In seinen Anfängen war das Fernsehen Mittelpunkt meines kleinen Universums. Im holländischen TV lernte ich en passant Englisch, denn die Holländer übernahmen die Originalserien aus den USA, Australien, UK und untertitelten diese (preiswert und schnell) in ihrer eigenen Sprache. Dort verschlang ich auch die verfilmten Klassiker der Weltliteratur im Original.

Ebenso gebannt verfolgte ich die frühen, schwarz-weißen Telekollegs unserer Dritten Programme. Mathe, Physik, was man so brauchte. Diesen Qualitäten (und der daraus erwachsenen Faszination) verdankte ich gar meinen ersten Job: Die Agentur Grey suchte Trainees, die sich für die TV- und Medienwelt begeisterten.

Das Fernsehen hört nicht zu

Heute klebt das rahmenlose und inhaltsleere Bild namens TV mit dem Rücken an der Wand. Stattdessen bündelt das Internet mein Medienuniversum. Mit iPad, Tablet-PC, Smartphone oder Rechner stehen mir Wissen und Diskursmöglichkeiten mit wenigen Clicks zur Verfügung.

Das Fernsehen dagegen hört mir nicht zu, reagiert und antwortet nicht. Es lässt mich nicht individuell die Rezeptionszeit bestimmen, erlaubt keinerlei sozialen Austausch mit meinen Freunden. Von wegen Lagerfeuer oder gar Leitmedium. Ich kann es nicht mal in die Hosentasche stecken und jederzeit bei mir haben. Was ist da nur falsch gelaufen bei Sendern und Geräteproduzenten?

Die Gerätehersteller agieren ähnlich anachronistisch wie der Saurier Autoindustrie. Beide Produkte sollten lieber intelligenter und handlicher werden, statt immer klobiger.

So wie die Autoindustrie sich gegen den E-Motor wehrt, so wehrt sich die Fernsehgeräte-Industrie gegen den Computerchip. Dabei gehen selbst mein Kühlschrank, meine Heizung und mein Auto bald autark ins Netz.

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