Bestechungsvorwurf: Bernie Ecclestone geht aufs Ganze

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Bestechungsvorwurf: Bernie Ecclestone geht aufs Ganze

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Formel-1-Chef Bernie Ecclestone muss sich heute in München vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Briten Ecclestone vor, dass er dem ehemaligen Vorstand der BayernLB, Gribkowsky, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt und sich einen Großteil davon in Form einer Beraterprovision von der BayernLB zurückgeholt haben soll.

von Matthias Kamp

Der Mann, ohne den die Formel 1 nicht denkbar wäre, macht es wie immer: Er pokert extrem hoch. Der Auftritt des 83-jährigen Bernie Ecclestone vor dem Münchner Landgericht.

Inklusive Anlagen ist die Erklärung von Bernie Ecclestone fast drei Zentimeter dick. Die Verlesung dauert mehrere Stunden. Und es ist nicht nur eine Erwiderung auf die gegen ihn erhobenen Bestechungsvorwürfe. Es ist auch ein Abriss über sein bewegtes Leben.

"Als Kind in England habe ich während des Kriegs fast täglich deutsche Bomber gesehen", erklärt er dem Gericht und der Staatsanwaltschaft. Ein Murmeln geht durch die Reihen. Es seien harte Zeiten gewesen, erzählt der Brite, oft habe es am Nötigsten gefehlt. "Papa hat als Fischer gearbeitet, später als Kranführer", sagt Ecclestone.

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Den entscheidenden Punkt hatte der Brite da schon gesetzt. Nicht er habe 2006 den damaligen Vorstandschef der Bayern LB, Gerhard Gribkowsky, mit fast 44 Millionen US-Dollar bestochen. Vielmehr habe Gribkowsky ihn erpresst, behauptet der Formel-1-Manager. Der Chef der Bayern LB habe damit gedroht, Ecclestones Firmenkonstrukt offenzulegen, was diesem steuerliche Probleme bereitet hätte. Die Vorwürfe der Anklage seien haltlos, Gribkowsky ein Lügner, erklärt Ecclestone dem staunenden Publikum.

Die Staatsanwaltschaft ist anderer Meinung: Sie glaubt herausgefunden zu haben, dass Ecclestone Gribkowsky mit dem Geld dazu bewegen wollte, die Anteile der Bayern LB an der Formel 1 an die Gesellschaft CVC zu verkaufen. Die nämlich hätte dafür gesorgt, dass Ecclestone seine damals bedrohte Position als CEO der Formel 1 langfristig habe behalten können.

Wer den 83-jährigen Briten vor Gericht beobachtet, erlebt einen Manager wie man ihn seit Jahrzehnten kennt: frech, skrupellos, immer aufs Ganze gehend. "Sie haben versucht, mich bei den Eiern zu kriegen, aber ihre Hände waren zu klein", sagte Ecclestone mal nach einer Vernehmung vor einigen Jahren. Vielleicht wird man bei derart prägenden Kindheitserlebnissen so. "Ich wurde mit einem schweren Sehfehler geboren", erklärt Ecclestone dem Münchner Landgericht. Eine ordentliche Schulbildung habe er nie genossen. Der junge Ecclestone trug Zeitungen aus. "Von dem Geld habe ich mir dann Kekse und Brötchen gekauft."

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Ecclestone ist immer noch hellwach. Im Gerichtssaal, eingerahmt von seinem Verteidiger Sven Thomas und einer Übersetzerin, sitzt der Formel-1-Manager nur wenige Meter von der Richterbank entfernt. Das Blitzlichtgewitter und die vielen Fernsehkameras am Anfang nerven ihn sichtlich. Gut 45 Minuten brauchen die beiden Staatsanwälte, um die Anklageschrift zu verlesen. Ecclestone, in dunkelblauem Dreiteiler und ebenso dunkelblauer Krawatte, beugt sich weit über seinen Tisch. Sein rechter Zeigefinger wandert durch die Zeilen. Hoch konzentriert liest er die Anklage mit. Erst gegen Ende lehnt er sich hin und wieder zurück, bespricht sich ein paar Mal mit seinem Anwalt.

Ein wenig verwirrt wirkt Ecclestone nur, als der Richter am Anfang die Personalien feststellt. "Geschieden, verheiratet", will der Richter wissen. Der Brite beugt sich zu seinem Anwalt hinab, murmelt etwas, blickt dann zur Richterbank und sagt: "Beides." Nur der derzeitige Familienstand sei entscheidend, belehrt ihn daraufhin das Gericht. Ecclestone: "Na dann verheiratet."

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