Besuch im Kreml: Tönnies fehlt eine gehörige Portion Instinkt

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KommentarBesuch im Kreml: Tönnies fehlt eine gehörige Portion Instinkt

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Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies will mit den Schalker Profis mal den Kreml von innen sehen. Sich dumm zu stellen und zu behaupten Sport ist Sport und Politik ist Politik – das funktioniert so nicht.

von Peter Steinkirchner

Schalke-Boss und Gazprom-Freund Tönnies macht es sich zu leicht, wenn er die Weltpolitik schlicht ignoriert.

Erfolgreichen Fußball-Stürmern sagt man gern mal nach, sie verfügten über einen unfehlbaren Instinkt. Scheinbar ohne groß darüber nachzudenken, rennen sie dorthin, wo der Ball als nächstes landen könnte, um ihn ins Netz zu befördern. Läuft es richtig gut für sie, bekommt ihr Spiel etwas fast schwerloses. Alles dank Instinkt.

Clemens Tönnies hat jeden Tag mehr mit Fußballern zu tun als die meisten anderen Chefs großer deutscher Unternehmen. Deutschlands größter Fleisch-Fabrikant ist Aufsichtsratsboss des FC Schalke 04, auch dank seiner Hilfe und Kontakte ist der Verein zwar finanziell längst nicht auf Rosen gebettet, doch er steht wirtschaftlich um einiges besser da als noch vor einigen Jahren. Klar ist: Vom Geschäft versteht der gelernte Metzger Tönnies eine ganze Menge. Vom Fußball vermutlich mittlerweile auch. Doch am Instinkt hapert es gewaltig.

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Ganz schön frech

Das zeigt sich dieser Tage wieder, da erneut die Debatte um Schalkes Großsponsor Gazprom aufbrandet. Sich in einer Situation, in der praktisch stündlich neue Nachrichten über die Lage in der Ukraine laufen und die ganze Welt sorgenvoll auf die Entwicklung dort schaut, einfach nur dumm zu stellen und - wie jetzt wieder in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ – zu erzählen, die Schalker Profi-Kicker wollten im Stile einer lustigen Touristen-Truppe halt gern mal den Kreml von innen anschauen, ist mindestens frech. Und auf jeden Fall instinktlos.

Klar ist: Schalke ist dringend angewiesen auf die geschätzten 15 Millionen Euro, die der russische Staatskonzern Gazprom jedes Jahr gen Ruhrgebiet pumpt. Mit dem Geld bezahlen die Gelsenkirchener einige ihrer Stars; die Mannschaft steht auf Rang 3 der Bundesligatabelle und macht sich Hoffnungen darauf, im kommenden Jahr wieder in der Champions League dabei zu sein. Das will im Verein niemand gefährden. Und tatsächlich wäre es naiv zu glauben, Schalkes Zeugwarte könnten jetzt mal eben die Schere rausholen und das Gazprom-Logo vom Trikot schnippeln. Das Geld muss fließen.

Sport und Politik verschmelzen

Doch sich einfach nur dumm zu stellen und zu behaupten Sport ist Sport und Politik ist Politik – das funktioniert so nicht. Wie sehr Sport und Politik verschmelzen, haben zuletzt die Olympischen Winterspiele von Sotschi vorgeführt. Und in der Geschichte gibt es genügend weitere Beispiele. Natürlich war es vor allem Staatschef Putin, der erkannt hat, wie sehr sich das Sportereignis dazu nutzen lässt, der Welt ein möglichst positives Bild eines modernen Russland vorzuführen. Dazu machte er Milliarden locker.

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