Beteiligung: Air Berlin - EU leitet formelles Verfahren gegen Etihad ein

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Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin

von Rüdiger Kiani-Kreß

Auf Drängen von sechs europäischen Fluglinien hat die EU eine formelle Untersuchung der Etihad-Beteiligungen an Air Berlin und anderen Fluggesellschaften in Europa eingeleitet.

Damit geht die EU jetzt dem Verdacht nach, dass sich die arabische Gesellschaft über Strohleute die Mehrheit an einzelnen Gesellschaften sichert. In der EU dürfen außereuropäische Anteilseigner höchsten 49 Prozent an europäischen Fluggesellschaften halten. Nach Informationen der WirtschaftsWoche haben unter anderem Lufthansa und Condor sowie Easyjet bei der EU auf die Einleitung des Verfahrens gedrängt. Die Fluglinien argumentieren, dass Air Berlin seine Geschäftspolitik zugunsten von Etihad verändert habe und damit der beherrschende Eindruck von Etihad sichtbar ist. Derzeit hält Etihad direkt 29 Prozent an Air Berlin.

Die EU hatte bereits zu Wochenbeginn gewarnt, dass sie eine Übernahme auch dann untersagen werde, wenn ein Minderheitseigentümer im Alltagsgeschäft faktisch die Kontrolle ausübe. Das ist laut EU-Verordnung 1008 etwa dann der Fall, wenn dieser Anteilseigner das Unternehmen spürbar mitfinanziere und darüber hinaus eine Änderung der Strategie zu seinen Gunsten herbeiführt. Dafür gibt es aus Sicht der Air-Berlin-Wettbewerber bereits jetzt Anzeichen. So habe Etihad Ende 2011 knapp 30 Prozent der Aktien gekauft und die angespannten Finanzen von Deutschlands zweitgrößter Linie entlastet über Kredite zu günstigeren Bedingungen als sie das Unternehmen etwa bei ihren Anleihen bekam. Kurz darauf hatte Air Berlin fast alle Flüge in Richtung Ostasien nach Thailand oder Kenia in Ostafrika aufgegeben, obwohl diese Routen laut Branchenkennern zu den profitabelsten der Linie zählten. Stattdessen vermarktet Air Berlin diese Ziele nun als Umsteigeverbindungen von Etihad über Abu Dhabi.

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Neben Ex-Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sollen auch Hans-Joachim Knieps, Severin Schulte vom Hausgerätehersteller Severin und der Reisekonzern TUI zugunsten von Etihad agieren. Bislang halten Knieps, Severin und TUI zusammen zwölf Prozent an Air Berlin. Hunold kommt aktuell auf 1,95 Prozent. Gerüchte besagen, dass insbesondere Hunold seine Anteile mit Hilfe von Etihad erhöhen will. Das wäre aus Sicht der Gegner einer Etihad-Kontrolle über Air Berlin ein offener Bruch der EU-Richtlinien. Weil diese Investoren offenbar persönlich nicht über die nötigen gut 100 Millionen für eine Übernahme verfügten, würden laut Insidern Finanziers aus dem Umfeld von Abu Dhabis Herrscherfamilie Al-Nahyan den Anteilseignern einen Kredit geben. „Wir haben nicht jahrelang gegen Subventionen von EU-Ländern für marode Airlines wie Alitalia gekämpft, um nun Staatshilfen aus der anderen Teilen der Welt hinzunehmen“, erklärt ein führender Manager von einem der Gegner des Etihad-Engagements.

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