Bettina Röhl direkt: Die Zwei-Klassen-Gesellschaft beim "Spiegel"

kolumneBettina Röhl direkt: Die Zwei-Klassen-Gesellschaft beim "Spiegel"

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Erst vergangenes Jahr hat der Spiegel-Verlag die beiden Chefredakteure des Nachrichtenmagazins, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron, abberufen.

Kolumne von Bettina Röhl

Die Mitarbeiter KG-könnte beim "Spiegel" durchregieren, doch sie blockiert sich selbst. Ist das sozialistische Modell ein Konstruktionsfehler?

In den ersten 20 Jahren seines Bestehens und besonders in den Sechzigerjahren hatte sich der 1947 gegründete Spiegel zu einer wahren Gelddruckmaschine entwickelt - und das hatte einen Grund.

Gründer Rudolf Augstein hatte sehr schnell erkannt, dass sich "links" glänzend verkauft. Sein bekannter Wahlspruch lautete bald: Im Zweifel links. In den recht unhistorisch, aber flächendeckend als dumpf und verkrustet beschriebenen Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren schöpfte der Spiegel ab, was das deutsche Wirtschaftswunder hergab.

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Augstein selber war gewiss kein Linker. Aber dieser eckige und kantige Mann gab sich gern als geschmeidiger politischer Konvertit. Sein Ausflug in die FDP war wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass er sich als mediengewaltiger Quereinsteiger mit Einfluss im linken Lager den einfachsten Durchmarsch an die Spitze einer Partei erhofft hatte. Doch er scheiterte kläglich.

Autokratisch handeln, kapitalistisch denken

Der "Spiegel"-Gründer war kein eloquenter politischer Redner. Dafür war er ein autokratisch handelnder, autoritär führender und kapitalistisch denkener Unternehmer.

Augstein hatte es geschafft, seine Kompagnons aus Gründungstagen schnell los zu werden. Ende der Sechzigerjahre gelang es ihm, dem Verleger John Jahr dessen 50-Prozent-Anteil am "Spiegel" abzukaufen. Augstein war fortan Alleinherrscher, sein Wort war Gesetz. Allerdings wurde er die linken Geister, die er selber gerufen und gefördert hatte, nicht wieder los. Erst recht nicht im eigenen Hause.

Damals war die Zeit der außerparlamentarischen Opposition. Die 68er-Bewegung formierte sich, die Westlinke etablierte sich - und Augstein zündelte politisch. Er diskutierte öffentlich mit dem damals angesagten Revolutionsführer Rudi Dutschke im Hamburger Audimax, den er gleichzeitig kritisierte und hofierte - ohne zu irgendeinem Zeitpunkt eine souveräne Figur gemacht zu haben.

Und Augstein unterstützte gemeinsam mit dem Verleger Gerd Bucerius - ein lange Jahre aktives CDU-Mitglied -, auch finanziell die Anti-Springer-Kampagnen. Es störte ihn nicht, dass der linksradikale Millionenerbe Giangiacomo Feltrinelli untergründig mit von der Partie war, Axel Springer auch persönlich zu attackieren. Und es störte Augstein auch nicht, dass die DDR-Führung in Ostberlin das ihre tat, um Springer - der als medialer Stabilisierungsfaktor der konservativen Bundesrepublik angesehen wurde -, mit unlauteren Kampagnen zu traktieren.

Augstein selber räumte später ein, dass ein Motiv seines persönlichen, aber damals verheimlichten Anti-Springer-Engagements kein linkes, sondern ein erzkapitalistisches gewesen ist. Nämlich: den großen Konkurrenten Springer auf dem Markt zu beschädigen, was ja durchaus auch in Grenzen gelang.


Die Revolte im Spiegel

In dieser Zeit hatten sich in der "Spiegel"-Redaktion neben etablierten Journalisten auch junge wilde, vom großen Geld faszinierte, kommunistisch-revolutionäre Köpfe eingerichtet. Sie sannen auf Umsturz der Verhältnisse in Staat, Gesellschaft - und eben auch in dem als politisch wirkmächtig erkannten "Spiegel". Auf den Straßen wurde heftig demonstriert. Gegen alles und nichts und vor allem gegen die sogenannten Verhältnisse und das sogenannte Establishment - zu dem der "Spiegel"-Macher selber gehörte.

Der Interessenkonflikt zwischen Kapital und Arbeit hatte die Wirtschaft erreicht. Die politischen Auseinandersetzungen der großen Lager, der im Bundestag vertretenen Parteien und der damals mächtigen Gewerkschaften kreisten vor allem um zwei Themen: die paritätische Mitbestimmung in den Aufsichtsgremien der größeren Unternehmen und die Mitbestimmung in der Wirtschaft auf allen Ebenen.

Im Prinzip ging es um die Machtübernahme der arbeitenden Bevölkerung, die die Unternehmer und die Kapitalisten vom Hof jagen sollten. Die Transformation des Arbeitsrecht war ein Betätigungsfeld der teils sehr fanatischen Protestbewegung der Zeit.

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