Bezahlte Extras: First Class für alle

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Bezahlte Extras: First Class für alle

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Start in eine neue Service-Ära. Fluglinien wollen künftig Mehrwert bieten, der Extragebühren auch wirklich rechtfertigt.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Eine Exklusivstudie zeigt: Bei der Einführung neuer Gebühren kennt die Fantasie der Luftverkehrsgesellschaften keine Grenzen. Kassiert wird für Koffer, Snacks und Platzreservierungen, weil fast alle Airlines sonst rote Zahlen schreiben würden. Doch der Widerstand von Kunden und Politik wächst. Darum tüfteln die Linien jetzt an Bezahlangeboten, die den Passagieren echten Mehrwert bieten.

In seinen bald fünf Jahren im Lufthansa-Vorstand ist Christoph Franz spürbar klüger geworden. Bevor er 2009 in die Top-Riege der größten europäischen Fluglinie aufrückte, hatte er zusätzlichen Gebühren neben dem Ticketpreis – etwa für die Aufgabe von Koffern oder die Reservierung spezieller Sitzplätze – noch eine klare Absage erteilt: „Wir sind eine Qualitätslinie, und dazu gehört aus unserer Sicht ein All-inclusive, also Service inbegriffen“, so versprach Franz damals gegenüber der WirtschaftsWoche.

Jetzt, kurz bevor der 53-Jährige seine Lufthansa-Karriere an den Nagel hängt, um Verwaltungsratschef beim Schweizer Pharmakonzern Roche zu werden, hat er schnell noch die All-inclusive-Ära beendet. Nachdem die konzerneigene Billigtochter Germanwings bereits seit Jahren für Extras kassiert, müssen künftig auch Kunden der Lufthansa-Economyclass bis zu 40 Euro für eine Platzreservierung zahlen – und noch mal bis zu 60 Euro, wenn der Wunschplatz in einer Notausgangsreihe mit mehr Beinfreiheit liegt.

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Wie zuvor schon etwa bei der Einführung neuer Betten in der Businessclass ist die Lufthansa auch mit ihrer Extragebühren-Offensive ein wenig spät dran: Der Obolus für die früher kostenlosen Extras ist inzwischen Branchenstandard. „Nicht nur Billigflieger wie Ryanair, fast jede Airline hält da inzwischen die Hand auf“, sagt Jay Sorensen, Chef der US-Beratung Idea Works, die sich auf die im Fachjargon Ancillary Revenues genannten Nebenverdienste spezialisiert hat.

Passagiere mögen die Aufschläge als Abzocke empfinden – für die Fluglinien sind sie finanzielle Notwehr nach Jahren steigender Kosten bei sinkenden durchschnittlichen Ticketpreisen. „Ohne Extras würde wohl keine Airline mehr Gewinne schreiben“, sagt Bruce Buchanan, bis vor gut einem Jahr Chef des Billigfliegers Jetstar, der zur australischen Qantas gehört.

Gesamte Nebeneinnahmen der Airlines abseits des Ticketverkaufs in 2012

RangAirlineLandEinnahmen gesamt (in Mrd. €)
1United Airlines USA4,1
2DeltaUSA2
3American AirlinesUSA1,5
4SouthwestUSA1,3
5QantasAustralien1,2
6RyanairIrland1,1
7Air France-KLMFrankreich0,9
8EasyjetGroßbritannien0,9
9US AirwaysUSA0,8
10Korean AirKorea0,6
Quelle: Idea Works

Sogar Europas profitabelste Airline Ryanair wäre ohne das Gebühren-Zubrot seit 2008 in den roten Zahlen unterwegs (siehe Tabelle). Die Fluggesellschaften können einen Großteil ihrer Kosten, etwa für Treibstoff oder auf den Flughäfen, kaum beeinflussen. Daher empfehlen die Airline-Experten der Strategieberatung A.T. Kearney in einer Exklusivstudie für die WirtschaftsWoche, Extras mit Mehrwert für den Kunden anzubieten – wie etwa eine schnellere Abfertigung – und solche Leistungen in Paketen zu bündeln.

Die Extraeinnahmen steigen rasant. In seinem ersten Ancillary Report 2007 fand Berater Sorensen in den Geschäftsberichten aller Fluglinien noch ein Aufkommen von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar. 2012 waren es schon 27,1 Milliarden, in diesem Jahr dürften es deutlich mehr als 30 Milliarden Dollar werden. Und das ist erst der Anfang. Selbst der US-Billigflieger Southwest hat angedeutet, dass er sein mit dem Werbespruch „Bei uns ist alles frei bis zu den schlechten Witzen der Flugbegleiter“ umrissenes Konzept kippen und für Serviceextras kassieren will.

Dabei werden die Gebühren nicht nur immer höher, es gibt auch immer mehr davon, seit Imperial Airways, eine der British-Airways-Vorgängergesellschaften, 1927 das „Luxus-Sandwich“ für einen Shilling und drei Pence als ersten kostenpflichtigen Extraservice der Luftverkehrsgeschichte verkaufte. Dann war jahrelang Schluss mit mit den Extras – Flugreisen waren so exklusiv und teuer, dass alles inklusive war.

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