Bilanz des Erzbistums Köln: Wie sich die Kirche arm rechnet

ThemaKirche

Bilanz des Erzbistums Köln: Wie sich die Kirche arm rechnet

Bild vergrößern

Kölner Dom

von Mark Fehr

Finanz- und Missbrauchsskandale zwingen den Klerus zu mehr Transparenz. Das Erzbistum Köln will Vorreiter sein und zieht erstmals öffentlich Bilanz. Dabei setzt es auf Understatement.

Wie reich die Kirche ist, haben wir jetzt schriftlich: Knapp 3,4 Milliarden Euro Vermögen besitzt allein das Erzbistum Köln laut seines am Mittwoch veröffentlichten Jahresabschlusses für 2013. Die Kölner sind mit gut zwei Millionen Kirchenmitgliedern das größte von den knapp 30 Bistümern der katholischen Kirche in Deutschland – und nicht zuletzt wegen der damit verbundenen hohen Steuereinnahmen wohl auch das reichste. Je Mitglied wurden im Berichtsjahr 278 Euro Kirchensteuer eingenommen, insgesamt rund 573 Millionen Euro und etwa fünf Prozent mehr als 2012.

Dabei ist Reichtum für die Kirche ein schwieriger Begriff, soll sie doch in der öffentlichen Wahrnehmung auf der Seite der Armen stehen und anders als Wirtschaftsunternehmen keine Gewinn- oder Vermögensmaximierung betreiben. Die Angst der Geistlichkeit vor einem reichen Image ist nachvollziehbar, denn je reicher die Gläubigen ihre Kirche wähnen, desto niedriger fällt die Spendenbereitschaft aus. Warum hat dann ausgerechnet das finanziell bestens dastehende Erzbistum Köln nun seine Bilanz offen gelegt?

Anzeige

„Mit unserer Bilanzvorlage lösen wir das Versprechen umfassender Transparenz der Finanzen ein“, sagt Generalvikar Stefan Heße. Nach Missbrauchs- und Finanzskandalen der Vergangenheit müssen die Kirchen sich öffnen, um das Vertrauen der Gläubigen und der Öffentlichkeit wieder zu gewinnen.

Das Erzbistum Köln kann wegen seiner modernisierten Rechnungslegung dabei eine Vorreiterrolle spielen. Besonders in Deutschland gilt ein nachvollziehbarer Umgang mit dem Geld als Maßstab für Vertrauen in einflussreiche Institutionen, was die breite Empörung über die explodierten Baukosten der Residenz des anschließend zurückgetretenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst gezeigt hat.

Kein Wunder, dass die Kirchenfunktionäre bemüht sind, ihren Reichtum zu relativieren. So weisen die Kölner angesichts ihrer fetten Eigenkapitaldecke von rund 74 Prozent eindringlich darauf hin, dass große Teile des Kapitals für künftige Belastungen reserviert seien – etwa für Renovierungskosten und Pensionsverpflichtungen – und daher nicht frei zur Verfügung stünden. So hat Finanzdirektor Herrmann J. Schon allein für die Instandhaltung meist denkmalgeschützter Kirchengebäude 596 Millionen Euro zurückgelegt.

Und obwohl bereits gesetzliche Rückstellungen für Pensionen in Höhe von 470 Millionen Euro für 4.000 anspruchsberechtigte Beschäftigte gebildet wurden, hat das Erzbistum nochmal zusätzlich knapp 405 Millionen Euro Pensionsverpflichtungen in die zum Eigenkapital zählenden Rücklagen gepackt. Pro Person steht damit der üppige Betrag von durchschnittlich rund 218.000 Euro Anspruch an Altersvorsorge in der Bilanz.

weitere Artikel

Die Bistumsbilanz demonstriert eindrucksvoll die üppigen Finanzreserven kirchlicher Organisationen. Das Kölner Vermögen steckt größtenteils in leicht liquidierbaren Wertpapieren im Volumen von 2,3 Milliarden Euro wie Anleihen, Aktien- oder Immobilienfonds. An dieses Geld kommen die Finanzmanager der Geistlichkeit bei Bedarf jederzeit heran. Kirchliche Immobilien, oft in Bestlagen, stehen dagegen mit einem Ansatz von nur 612 Millionen Euro in der Bilanz. Sie sind aber nicht weniger wert, sondern nur schwer zu bewerten. Dass im deutschen Handelsrecht das Vorsichtsprinzip gilt, wonach im Zweifel eher ein niedrigerer Vermögenswert anzusetzen ist, dürfte die Kirche bei ihrem Bemühen unterstützen, sich nicht als übermäßig reich darzustellen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%