Bilanzkonferenz: Bertelsmann muss endlich kreativer werden

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KommentarBilanzkonferenz: Bertelsmann muss endlich kreativer werden

von Peter Steinkirchner

Europas größter Medienkonzern wächst ein wenig, macht viel mehr und investiert Millionen in Bildungsunternehmen – dennoch bleibt der Konzern seltsam farblos. Im Vorstand mangelt es an Kreativen.

Bertelsmann hat dann doch noch mit einer kleinen Überraschung aufgewartet bei der Bilanzpressekonferenz an diesem Mittwochmorgen in seiner feudalen Repräsentanz zu Berlin. Die Gütersloher engagieren jetzt Film-Mogul James Cameron. Der renommierte Mega-Regisseur, der mit seinem Schiff-rammt-Eisberg-Melodram „Titanic“ einst weltweit Millionen zu Tränen rührte und seinem Filmstudio reichlich Bares bescherte, dreht im Auftrag der Bertelsmänner die Fortsetzung seines Science-Fiction-Öko-Reißers „Avatar“. Einen Namen für den Streifen gibt es auch schon: „Arvato – Aufbruch nach Oer-Erkenschwick“ lautet der Arbeitstitel.

OK, OK, das war jetzt vielleicht ein wenig plump. Bertelsmann tut so was natürlich nicht. Niemand dort steigt nun groß ins Hollywood-Blockbuster-Geschäft ein, und James Cameron war wahrscheinlich in seinem Leben noch nie im Westfälischen. Das Filmgeschäft ist zudem ziemlich riskant, Flops trotz Millioneninvestitionen niemals auszuschließen. Unterm Strich also: Kein Thema für das Familienunternehmen, nebenbei noch immer Europas größter Medienkonzern.

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Dennoch erfüllt der Gedanke einen Zweck: Sich einmal vorzustellen, was sein könnte. Um dann ernüchtert festzustellen, was tatsächlich ist. Denn wenn die Vorstellung, jemand wie Cameron könnte für Bertelsmann drehen, absurd erscheint, dann zeigt das zugleich das Problem, das die Gütersloher haben: Unterm Strich wirken sie oft langweilig; es fehlt ihnen im Vergleich zu einstigen Konkurrenten im Reigen der großen Medienkonzerne wie News Corp oder Disney, aber auch zu Größen wie Google oder Apple an spannenden Geschichten.

Medienunternehmen Bertelsmann und Pearson gründen weltgrößten Buchverlag

Penguin Random House – so lautet der fusionierte Name des neuen Buchverlags von Bertelsmann und Pearson. Alle behördlichen Genehmigungen zum Großdeal sind erteilt. Die Gründung ist eine Kampfansage an Amazon und Apple.

Penguin und Random House, zwei traditionsreiche Verlage, werden nun eins. Quelle: dpa

Sicher fusioniert der Konzern gerade seine ohnehin schon große Buchsparte Random House mit Penguin zum noch weltgrößeren Giganten. Sicher ist Bertelsmann mit BMG wieder erfolgreich ins Musikgeschäft zurückgekehrt. Und sicher sind Google, Microsoft, Apple und Co. alles Partner und Kunden der diversen Dienstleistungsgeschäfte von Bertelsmann. Das bringt sicher ordentliche Umsätze und Gewinne. Doch wenn die wichtigste Zukaufs-Botschaft des Tages darin besteht, dass Bertelsmann sich mit mehr als 200 Millionen Dollar an einem weiteren, noch höher ausgestatteten Bildungsfonds beteiligt, dann ist das wahrscheinlich total vernünftig. Aber eben auch etwas langweilig für ein Medienhaus.

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