Bilfinger: Ein Jahr Agonie - oder noch mehr?

KommentarBilfinger: Ein Jahr Agonie - oder noch mehr?

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"Unbefriedigendes Geschäftsjahr" überschrieb Bilfinger die heute präsentierten Zahlen.

von Harald Schumacher

Für Bilfinger läuft es nicht gut. Die Zahlen für 2014 waren schlecht und darüber hinaus herrscht weiterhin Chaos im Vorstand. Unklar ist jetzt, wie es weitergeht und wann Bilfinger wieder auf die Beine kommt.

Die schlechten Zahlen für 2014 und trüben Aussichten für 2015, die Bilfinger heute präsentierte, überraschen nicht mehr. Extrem ungut aber ist die neue Situation, dass derzeit immer noch unklar ist, wann der Vorstand des Krisen-Konzerns wieder handlungsfähig sein wird. Der neue Finanzvorstand Axel Salzmann tritt zwar wohl sicher im April an. Der zuvor für die schlecht laufende Energiedienstleitungssparte zuständige Joachim Enenkel aber ist Vorstand auf Abruf. Und ausgerechnet der entscheidende Chefposten bleibt vorerst eine Hängepartie.

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Anfang August vergangenen Jahres musste der frühere Vorstandschef Roland Koch gehen. Frühestens im Mai dieses Jahres, vielleicht auch erst im Juni oder Juli, kommt sein Nachfolger. Das soll der kaum bekannte Norweger Per Utnegaard werden. Der steht aber noch unter Vertrag beim Schweizer Flughafendienstleister Swissport. Seinen Namen darf der Bilfinger-Aufsichtsrat deshalb noch gar nicht nennen. Und Swissport-Eigner PAI, die größte französische Private-Equity-Gesellschaft, hat eigentlich kein Interesse, Utnegaard nach sieben recht erfolgreichen Jahren Knall auf Fall gehen zu lassen.

Der worst case für Bilfinger und seine Aktionäre wäre nun, dass Utnegaard gar nicht raus kommt aus seinem Vertrag – oder mit so viel Frist, dass er für Bilfinger zu spät käme. Bilfinger-Aufsichtsratschef Eckhard Cordes müsste dann noch einmal von vorne beginnen mit der Kandidatensuche – und wäre selber beschädigt.

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Rote Zahlen haben zuletzt die Geschäfte bei Bilfinger bestimmt. Jetzt will der Aufsichtsrat den Neuanfang an der Spitze, kann zunächst aber nur einen neuen Finanzchef präsentieren.

Seit der Gewinnwarnung im August ist der Kurs der Bilfinger-Aktie eingebrochen. Quelle: dpa/Montage

Im besseren Fall bezieht Utnegaard Mitte des Jahres das Chefbüro in Mannheim. Dann übernähme der 55-jährige Norweger das Steuer eines Unternehmens, in dessen schwierige Geschäftsfelder und prekäre Lage er sich erst einmal einarbeiten muss. Frühestens im Sommer könnte der Neue zusammen mit dem Großaktionär Cevian, für den Cordes arbeitet, eine zukünftige Strategie konzipieren und präsentieren, die der gut 70.000 Köpfe zählenden Bilfinger-Mannschaft wieder Orientierung gäbe. Keiner weiß heute: Wer gehört Ende des Jahres mit seinem Arbeitsplatz noch zum Kerngeschäft? Welche Bereiche oder Unternehmen werden verkauft? Welche Unternehmen und Sparten werden saniert mit welchen Einschnitten?

Mindestens ein Jahr Agonie seit Kochs Abgang! Das ist entschieden zu viel. Und was, wenn es noch mehr wird? Die Interimszeit unter Koch-Vorgänger Herbert Bodner endet vertragsgemäß am 31. Mai. Über eine theoretisch mögliche Verlängerung wollte Bodner heute „nicht spekulieren“.

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Das ist verständlich. Bodner hält bis Ende Mai die Stellung – mehr nicht. Cevian hat verhindert, dass er Aufsichtsratschef wurde. Er hat das Vertrauen des 25-Prozent-Aktionärs nicht wirklich. Warum sollte der Bilfinger-Stratege von gestern noch länger durchhalten, Haltung bewahren und ab 1. Juni weiter machen, bis Cordes Wunsch-Kandidat endlich antritt?

„Unbefriedigendes Geschäftsjahr“ überschrieb Bilfinger die heutigen Zahlen. „Unbefriedigende Führung“ wäre mindestens ebenso richtig.

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