Bilfinger-Hauptversammlung: „Ich habe den Schritt keine Sekunde bereut“

Bilfinger-Hauptversammlung: „Ich habe den Schritt keine Sekunde bereut“

, aktualisiert 24. Mai 2017, 15:28 Uhr
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Der neue Chef der Mannheimer soll den Industriedienstleister wieder auf Erfolg trimmen: Tom Blades.

von Maike FreundQuelle:Handelsblatt Online

Es ist das erste Mal, dass Tom Blades auf die Bilfinger-Aktionäre trifft. Doch der neue Chef des Industriedienstleisters kommt bei den Anteilseignern auf der Hauptversammlung gut an. Nur eine Sache bringt sie Rage.

MannheimWas haben die deutsche Stimme von Robert Redford mit Tom Blades gemeinsam? Beide machen Werbung. Der eine leiht dem neuen Imagefilm des Konzerns seine Stimme, der andere steht auf dem Podium bei der Hauptversammlung von Bilfinger. Der Bilfinger-Chef stellt sich selber und seine Strategie den Aktionären vor. Und letztgenannte haben viele Fragen. 

So sorgen sich die Aktionäre etwa, ob Bilfinger die Talfahrt tatsächlich stoppen kann. Noch immer besteht Entsetzen darüber, was aus dem einstigen Vorzeigeunternehmen geworden ist. Wie soll die neue Strategie aussehen? Taugt sie, um den Konzern neu auszurichten. Und warum wurde die „Facility“-Sparte verkauft? Und sind die hohen Vergütungen des Vorstandes gerechtfertigt? Rund 700 Aktionäre sind gekommen, um sich diese Fragen beantworten zu lassen.

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Zu Beginn der Hauptversammlung erzählt Blades, woher er kommt, was er vorhat und wohin er das Unternehmen steuern will. Er wirbt für seine Person und die neue Strategie. Dann dankt er den Mitarbeitern, die den Umbau mittragen. Da gibt es dann das erste Mal Applaus für den neuen Chef. Blades sagt: „Ich habe den Schritt keine Sekunde bereut.” Dabei hat der neue Bilfinger-Boss noch viel Arbeit vor sich.

2016 verkaufte Bilfinger die Bau- und Immobiliensparte, die 538 Millionen Euro in die Kassen spülte. Doch in den Sparten „Industriedienstleistungen“ und „Kraftwerksgeschäft“ machten die Mannheimer acht Millionen Euro Verlust. Der Umsatz brach um 16 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro ein.

Die neue Strategie 2-4-6, die „Zauberformel“, wie sie ein Aktionär nennt, formt aus dem einstigen Bauriesen einen Technologiekonzern: Bilfinger konzentriert sich auf zwei Geschäftsfelder, „Engineering & Technologies“ (E&T) und „Maintenance“, „Modifications & Operations“ (MMO). Vier Regionen bilden für das Unternehmen den Kernmarkt: Kontinentaleuropa, Nordwesteuropa, Nordamerika und Nahost. Und: Sechs Sparten sind in Zukunft die Zielindustrien. Darunter sind Chemie und Petrochemie, Energie und Versorgung, Öl und Gas, Pharma und Biopharma, und Metallurgie sowie jetzt auch Zement. 

Doch das ist noch nicht bei allen Aktionären angekommen. „Was hat die Entwicklung der Strategie gekostet?“, will ein Aktionär wissen. Bei der Frage wirkt Blades das erste Mal entspannt: „Die Frage beantworte ich Ihnen sehr gerne“, sagt er. 600.000 Euro habe man für eine Marktstrategie ausgegeben. Doch die Strategie sei im Haus entstanden. „Erst im kleinen Managementkreis, dann haben wir die Strategie durch das Haus gereicht und Vorschläge entgegengenommen.” 

Offenbar regt vor allem eine Kleinigkeit die Aktionäre auf: Zu Beginn der Veranstaltung erklären Chef Blades und Aufsichtsratsvorsitzender Eckhard Cordes, dass es den Geschäftsbericht für die Aktionäre nicht mehr in Papierform gibt, sondern nur noch online zugänglich ist. Das bringt viele in Rage. Man würde „bei den Aktionären sparen“. Das sei eine „Zumutung“. Ein Aktionär übt Kritik: „Bitte nehmen Sie Rücksicht auf das Alter vieler Aktionäre, die mit der digitalen Welt nicht immer vertraut sind. Sie werden von uns bezahlt.“ Auch das bringt Blades nicht aus der Ruhe: Die Maßnahme habe ausschließlich Kostengründe und sei nicht dazu da, „Aktionäre zu benachteiligen“.

Trotz mancher hitziger Fragen: Blades kommt bei vielen Aktionären gut an. „Ich habe einen sehr guten Eindruck, ich hoffe, dass er Eindruck nachhaltig ist”, sagt eine Aktionärin. Dafür gibt es Applaus. Eine Frau sagt: „Ich glaube, Blades ist da ein guter Mann”, sagt ein anderer. „Bilfinger braucht Ruhe. Hoffentlich bringt Blades die auch.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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