Bilfinger: Ist Roland Koch Antreiber oder Getriebener?

Bilfinger: Ist Roland Koch Antreiber oder Getriebener?

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Zerreißprobe hinter den Kulissen bei Bilfinger. Vorstandschef Koch befindet sich in einer kritischen Phase

von Harald Schumacher

Roland Koch steckt in der kritischsten Phase seiner inzwischen zweijährigen Managerkarriere. Warum der Bilfinger-Chef seinen wichtigsten Vorstandskollegen Thomas Töpfer schasst und 1250 Stellen abbaut.

Einen besseren Zeitpunkt für die schlechte Nachricht hätte Roland Koch nicht finden können. Der frühere CDU-Star will im von ihm geführten Bilfinger-Konzern 1250 Stellen abbauen – offiziell „international“, tatsächlich aber weitgehend in Deutschland. Gleichzeitig schasst Koch Knall auf Fall seinen wichtigsten Vorstandskollegen Thomas Töpfer: wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die Umsetzung der Geschäftspolitik“.

Kündigungen und Zoff im Koch-Studio, beides Nachrichten mit Aufregerpotenzial. In den turbulenten Tagen vor der Bundestagswahl aber gingen sie weitgehend unter. Sogar dafür, dass Koch den Aufruhr bei dem MDax-Glanzlicht zeitnah den wichtigsten Wirtschaftsmedien erläutern konnte, war gesorgt – sei es Fügung oder professionelles Timing: Vergangenen Mittwoch nämlich startete der Kommunikationsprofi und Ex-Ministerpräsident von Hessen zu einer lange geplanten zweitägigen Norddeutschlandreise mit Journalistentross.

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Aktien-Info Bilfinger Quelle: Bloomberg, Unternehmen

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Bild: Bloomberg, Unternehmen

Der Seitenwechsler Koch, einst Konkurrent von Kanzlerin Angela Merkel, steckt in der kritischsten Phase seiner inzwischen zweijährigen Managerkarriere. Der langwierige Umbau Bilfingers vom Bau- zum Dienstleistungskonzern, die Integration der 500 über Jahre zugekauften Einzelfirmen zu einer kooperierenden Einheit, der Versuch, den Gewinneinbruch im ersten Halbjahr 2013 zu korrigieren und die prognostizierten Zahlen für das Gesamtjahr doch noch zu erreichen – dieses Potpourri von Herkulesaufgaben entwickelt sich hinter den friedlich erscheinenden Kulissen für die Mannheimer zur Zerreißprobe. „Sehr komplex“, sagt ein Insider, seien die Gründe für Vorstand Töpfers Abgang.

Die von dem 52-Jährigen geführte Industrieservicesparte BIS (Bilfinger Industrial Services) – entstanden aus dem 2002 gekauften Industriedienstleister Rheinhold & Mahla – beschreiben Bilfinger-Insider als Konzern im Konzern. Die Sonderrolle ist historisch gewachsen. Bei der Übernahme brachten die Münchner 732 Millionen Euro Umsatz und 8500 Mitarbeiter mit. Heute erwirtschaftet BIS dank weiterer Zukäufe mit 3,6 Milliarden Euro zwei Fünftel des Konzernumsatzes und stellt die Hälfte der Bilfinger-Belegschaft.

BIS-Chef Thomas Töpfer, ein Rheinhold & Mahla-Mann seit 1995, galt 2011 als fast sicherer Kandidat für die Nachfolge des scheidenden langjährigen Bilfinger-Vorstandschefs Herbert Bodner. Aber den Job bekam Quereinsteiger Koch. Das Verhältnis Koch/Töpfer zählte damit von Anfang an zu den Sollbruchstellen im neuen Bilfinger-Reich.

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