Bilfinger verkauft Energiegeschäft: Utnegaard zieht die Notbremse

Bilfinger verkauft Energiegeschäft: Utnegaard zieht die Notbremse

Das Energiegeschäft gilt schon länger als Problemzone von Bilfinger. Im ersten Halbjahr haben sich die Probleme massiv verschärft – der neue Chef Utnegaard zieht nun die Notbremse und stellt die Sparte zum Verkauf.

Gerade zwei Wochen nach seinem Antritt bei Bilfinger zieht der neue Chef Per Utnegaard schon die Notbremse: Der kriselnde Baukonzern hat den Verkauf seiner Sorgensparte Power beschlossen. Binnen eines Jahres soll das unter der Energiewende und dem sinkendem Ölpreis leidende Kraftwerksgeschäft mit seinen rund 11.000 Mitarbeitern veräußert werden, teilte Bilfinger am Mittwoch in Mannheim mit.

Die Verluste der Sparte sind offenbar noch größer als bisher angenommen, zudem drohen weitere Abschreibungen. "Da die Belastungen bei Power weiter zugenommen haben, wollten wir jetzt auch rasch ohne weitere Verzögerung handeln und den Verkaufsprozess starten", sagte Utnegaard im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

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Neuer Bilfinger-Chef Per Utnegaard Welche Probleme Kochs Nachfolger lösen muss

Per Utnegaard ist als neuer Bilfinger-Chef eine Überraschung. Der Norweger muss substanzielle Fragen klären, wenn er Bilfinger aus der Krise führen will.

Die Suche nach einem Nachfolger für Roland Koch an der Bilfinger-Spitze hat offenbar ein Ende Quelle: dpa

Die verbleibenden Geschäftszweige Industrie- und Baugeschäft liefen dagegen besser. Die erhofften Synergien mit dem Bereich Power hätten sich leider nicht ergeben, sagte der Norweger, der zuletzt Chef des Schweizer Flughafendienstleisters Swissport war. "Insofern erwarten wir auch keine Auswirkungen auf das sonstige operative Geschäft von Bilfinger." Bilfinger wird nach dem Verkauf des Kraftwerksgeschäfts noch 60.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von voraussichtlich sechs Milliarden Euro erwirtschaften.

Power wird Bilfinger den Angaben zufolge vor allem im ersten Halbjahr einen operativen Verlust von 100 Millionen Euro einbrocken. Zusammen mit außerplanmäßigen Abschreibungen und Kosten schon begonnener Restrukturierungen werde das zu einem deutlichen Konzernverlust im ersten Halbjahr führen. Der Verkauf sei beschlossen worden, weil sich das Geschäft mit Kraftwerken oder Ölplattformen nur mit mehr Projektgeschäft im Ausland erholen könne, sagte Utnegaard. Doch das ist Bilfinger inzwischen zu risikoreich. Schon ab dem 30. Juni wird die Sparte als nicht fortzuführende Aktivität erfasst.

Bau- und Dienstleistungskonzern Die schlimmsten Fehler bei Bilfinger

Als neuer Vorstandschef soll Per Utnegaard die Probleme bei Bilfinger in den Griff bekommen. Das wird nicht leicht. Denn bei dem Konzern wurden in der Vergangenheit viele und gravierende Fehler gemacht.

Der Schatten des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch, liegt noch immer auf dem Konzern. Quelle: dpa

Für das verbleibende Industrie-, Bau- und Immobiliengeschäft erwartet der führende deutsche Gebäudedienstleister im ersten Halbjahr einen operativen Gewinn im mittleren zweistelligen Millionenbereich nach 87 Millionen Euro im Vorjahr. Bis zum Herbst will Utnegaard alle Geschäftsbereiche überprüfen. Bilfinger habe auch im Industriegeschäft Probleme im Öl- und Gassektor. Diese seienn jedoch nicht vergleichbar mit der Lage im Kraftwerksgeschäft, wo Bilfinger Anlagen konzipiert und wartet.

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Um Verluste zu begrenzen, verkauft Bilfinger gleichzeitig seine restlichen Anteile am Baukonzern Julius Berger in Nigeria und Deutschland. "Insgesamt erwartet Bilfinger aus diesen Transaktionen einen Nettoverkaufserlös in Höhe von rund 100 Millionen Euro", hieß es. Dies werde zu etwa gleichen Teilen im zweiten und dritten Quartal anfallen.

Die Bilfinger-Aktien rauschten im späten Frankfurter Handel in den Keller. Sie verloren vier Prozent auf 35,98 Euro und notieren so niedrig wie zuletzt im August 2009.

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