Billigflieger: Der Sinkflug des einstigen Börsenlieblings Easyjet

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Billigflieger: Der Sinkflug des einstigen Börsenlieblings Easyjet

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Easyjet im Sinkflug: Der drohende Brexit macht dem Billigflieger zu schaffen.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Easyjet wird am Dienstag als erster Billigflieger schwächere Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 präsentieren. Dabei galten Billigflieger lange als Wachstumsmaschine. Das zeigt, wie sehr die Branche unter Druck steht.

Wer in Europa eine moderne und halbwegs coole Billiglinie suchte, suchte bisher selten weiter als bis zu Easyjet. Denn Europas umsatzstärkster Flugdiscounter hatte lange Jahre nicht nur stetig steigende Aktienkurse. Auch wenn sie mit ihrem schrillen Orange die schrillste Firmenfarbe der Branche hatte, war Easyjet meist innovativer als der Rest der Branche.

Dafür sorgten Programme mit mobiler Technik, Wearables genannter schlauen Uniformen oder engen Kontakten zu Start-up und Startup-Förderung. Dazu näherte sich Easyjet clever den etablierten Linien wie Lufthansa an. Dafür sorgten Angebote beim Service zum Zukaufen und die Strategie der aktuellen Chefin Carolyn McCall, die lieber auf Wachstum verzichtete als den Gewinn zu gefährden.

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Das Image wird spätestens am Dienstag ein paar kräftige Schrammen und Dellen bekommen. Denn wenn die zur Dame geadelte Firmenchefin McCall eine eher unschöne Bilanz vorstellt, deutet alles auf einen derben Sinkflug des Börsenlieblings. Analysten großer Investmentbanken wie HSBC oder Credit Suisse erwarten, dass der Vorsteuergewinn um fast ein Drittel fällt, während Ryanair, Wizz Air und sogar Lufthansa zuletzt auf Rekordkurs flogen.

Europas größte Billigflieger

  • Sun Express

    Stammland: Türkei

    Größe der Flotte: 64 Flugzeuge

    Umsatz: 1,1 Milliarden Euro

    Stand (Größe der Flotte): Mai 2016

    Quelle: CAPA, Unternehmensangaben

  • Transavia

    Stammland: Niederlande

    Größe der Flotte: 66 Flugzeuge

    Umsatz: 1,1 Milliarden Euro

  • Pegasus

    Stammland: Türkei

    Größe der Flotte: 67 Flugzeuge

    Umsatz: 1,1 Milliarden Euro

  • Wizz Air

    Stammland: Ungarn

    Größe der Flotte: 67 Flugzeuge

    Umsatz: 1,4 Milliarden Euro

  • Eurowings

    Stammland: Deutschland

    Größe der Flotte: 89 Flugzeuge

    Umsatz: 1,9 Milliarden Euro

  • Norwegian

    Stammland: Norwegen

    Größe der Flotte: 98 Flugzeuge

    Umsatz: 2,4 Milliarden Euro

  • Vueling

    Stammland: Spanien

    Größe der Flotte: 105 Flugzeuge

    Umsatz: 2,0 Milliarden Euro

  • TUI Group

    Stammland: Deutschland/Großbritannien

    Größe der Flotte: 108 Flugzeuge

    Umsatz: k. A.

  • Easyjet

    Stammland: Großbritannien

    Größe der Flotte: 249 Flugzeuge

    Umsatz: 6,3 Milliarden Euro

  • Ryanair

    Stammland: Irland

    Größe der Flotte: 351 Flugzeuge

    Umsatz: 6,5 Milliarden Euro

Das liegt weniger an den vorweggenommenen Folgen, wenn Großbritannien wie angekündigt in 2017 den Austritt aus der EU lostritt. Es rührt eher daher, dass die Linie von Lufthansa & Co nach den Stärken auch mehr oder weniger unfreiwillig ein paar der Unarten übernommen.

Droht eine Übernahme durch den Hauptinvestor?

So gehörte die in einem Hangar am Flughafen Luton im Nordwesten Londons ansässige Linie in den vergangenen zwei Jahren nicht nur zu den unpünktlichsten Linien in Europa. Sie erschreckte ihre Kunden als einziger Billigflieger durch eine heftige Auseinandersetzung mit ihren Piloten, bei dem die Linie zwischendurch immer wieder an den Rand von Streiks rückte.

Während Rivalen wie Ryanair, Wizz Air oder Norwegian trotz Problemen in einigen Ländern am Ende trotzdem europaweit weiter zulegten, litt Easyjet unter der Schwäche ihrer beiden wichtigsten Märkte Großbritannien und Frankreich, sowie den Reisewarnungen ins östliche Mittelmeer. Und als ob nicht reichte, gab es im Sommer noch erneuten Zwist mit dem Gründer und Haupteigentümer Stelios Haji-Ioannou sowie Gerüchte, dass er mit Hilfe von Finanzinvestoren eine unfreundliche bis feindliche Übernahme anzetteln könne. Das Projekt ist offenbar noch nicht endgültig vom Tisch und könnte die durch die Krise ohnehin schon stark beanspruchte Aufmerksamkeit des Easy-Managements wohl endgültig überfordert.

Billigflieger Angriff des Angstgegners

Für die Deutsche Lufthansa ist der heute verkündete Start des Erzrivalen Ryanair an ihrem Hauptflughafen Frankfurt ein Schock– im besten Fall aber ein heilsamer.

Flugzeuge von Ryanair (vorne) und Lufthansa (hinten) am Flughafen Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Und die Probleme sind aus Sicht von HSBC-Analyst Andrew Lobbenberg noch nicht vorbei. Denn auch wenn sich der Aktienkurs nach einem Verlust von fast 50 Prozent zuletzt wieder einigermaßen fing: In einer aktuellen Studie sieht er für Easyjet „mehrere dunkle Winter voraus“ und dass die Linie den Gewinn 2015 frühestens in drei Jahren übertreffen wird. Auch der Aktienkurs könnte aus seiner Sicht nochmal um ein weiteres Fünftel nach unten sacken.

Denn neben den vielen spezifischen Problemen setzen die der Linie die aktuellen Herausforderungen der Flugbranche in Europa kräftig zu. Die größte davon sind die wachsenden Überkapazitäten im Markt. Die Billigflieger haben zusammen genommen mehrere Hundert neue Jets bestellt. Das machte vor fünf Jahren auch noch Sinn, um mit den niedrigeren Betriebskosten der neuen effizienten Maschinen, den etablierten Linien mit ihren alten Fliegern mehr Geschäft abzujagen.

Die Personalkosten der Fluggesellschaften

  • Lufthansa

    Bei der deutschen Lufthansa machten die Personalkosten im Geschäftsjahr 2014 23 Prozent der Ausgaben aus: Sage und schreibe 7335 Millionen Euro investierte die Fluglinie in ihre Mitarbeiter.

    Quelle: Handelsblatt

    Stand: September 2015

  • Air France-KLM

    Prozentual gibt Air France-KLM mehr Geld fürs Personal aus als Lufthansa: 29 Prozent der Gesamtausgaben fließen in die Bezahlung der Angestellten. In absoluten Zahlen sieht das etwas anders aus: Die Personalkosten betrugen im Geschäftsjahr 2014 7136 Millionen Euro.

  • IAG

    IAG, zu der British Airways und Iberia gehören, gab 2014 rund 4325 Millionen Euro für Piloten, Servicepersonal und weitere Mitarbeiter aus. Anteilig an den Gesamtausgaben des Geschäftsjahrs genauso viel wie die Lufthansa: 23 Prozent.

  • Emirates

    Ohne die Service-Tochter Dnata gab die arabische Fluggesellschaft 2431 Millionen Euro für ihre Angestellten aus. Damit machten Lohnkosten u. ä. lediglich 14 Prozent der Gesamtausgaben des Geschäftsjahrs 2014 aus.

  • Turkish Airlines

    16 Prozent der Gesamtausgaben von Turkish Airlines waren im Geschäftsjahr 2014 Personalkosten. In absoluten Zahlen: 1275 Millionen Euro.

  • Air Berlin

    Air Berlin gab 2014 524 Millionen Euro fürs Personal aus - 12 Prozent der Gesamtausgaben.

  • Ryanair

    Ryanair hat günstiges Personal: lediglich 11 Prozent der Gesamtausgaben wurden 2014 in die Mitarbeiter investiert. 502 Millionen Euro waren es aber immerhin.

  • Easyjet

    Auch Easyjet hält die Personalkosten relativ gering: 594 Millionen Euro (12 Prozent der Gesamtausgaben) wurden 2014 in die Mitarbeiter investiert.

Doch inzwischen verschoben sich die Gewichte. Die Etablierten konterten nun ihrerseits die Billigattacken mit eigenen Low-Cost-Töchtern sowie mehr Flügen. Denn deren alte abgeschriebene Jets flogen dank des billigen Sprits unterm Strich oft spürbar günstiger als die durch vergleichsweise teure Finanzierungen belasteten neuen Jets der Discounter.

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