Börsengang von Takeaway.com: "Wir wollen in drei Jahren profitabel sein"

InterviewBörsengang von Takeaway.com: "Wir wollen in drei Jahren profitabel sein"

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Jörg Gerbig ist Mitgründer von Lieferando und war Geschäftsführer. Seit der Übernahme durch Takeaway 2014 ist er COO von Takeaway.  

von Niklas Dummer

Takeaway.com, die Muttergesellschaft des Essens-Bestelldienstes Lieferando, hat den Sprung an die Amsterdamer Börse geschafft. Jörg Gerbig, Lieferando-Gründer und Takeaway-COO spricht über Expansionspläne.

Herr Gerbig, 350 Millionen Euro sollte der Gang aufs Parkett einspielen, der Lieferando-Eigner Takeaway.com sollte mit einer Milliarde bewertet werden. Letztlich haben Sie 328 Millionen Euro eingenommen. Sind Sie enttäuscht?
Jörg Gerbig: Wir sind sehr zufrieden mit dem Börsengang. Wir haben heute einen wichtigen Schritt gemacht, um die Firma auf die nächste Wachstumsstufe zu bringen. Uns fließen 175 Millionen Euro zu, davon werden wir etwa 40 Millionen ins operative Geschäft investieren, um das Wachstum in unseren Kernmärkten zu stärken und voranzutreiben und die Gewinnzone zu erreichen – vor allem in Deutschland.  

Sie werden mit knapp einer Milliarde Euro bewertet – bei einem Umsatz von zuletzt 77 Millionen Euro Umsatz eine ziemlich sportliche Bewertung. Sie müssen viel wachsen in einem hartumkämpften Markt. In Deutschland etwa ringen Sie mit der Rocket-Tochter Delivery Hero. Wo sehen Sie noch Wachstumschancen?
Im operativen Geschäft sehen wir große Wachstumschancen – selbst in unserem sehr profitablen Heimatmarkt Holland. Das erkennt man an den Wachstumsraten. In Holland zum Beispiel sind wir in den vergangenen 12 Monaten sehr profitabel um 30 Prozent gewachsen, in Deutschland sogar um 50 Prozent. Wir schätzen den Gesamtmarkt in Holland auf ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro. Online-Anbieter wie wir machen dabei derzeit nur rund 25 Prozent davon aus. In Deutschland schätzen wir den Markt auf das dreifache. Dennoch übermitteln wir in Holland immer noch mehr Bestellungen als in Deutschland. In den letzten zwölf Monaten haben nur fünf Prozent der Deutschen bei uns bestellt. Dies wollen wir ändern. Wir wollen die Leute vom Telefon zu uns bewegen, damit sie demnächst ihr Essen über unsere App bestellen. 

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Acht Superfoods - und was sie können

  • Quinoa

    Das ist es: Die Quinoa-Pflanze gedeiht im Hochland der Anden. Dort sind die Körner des Fuchsschwanzgewäches eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Menschen. Der Gehalt an Eiweiß und einigen Mineralien übertrifft den gängiger Getreidearten. Dafür enthalten Quinoa-Körner kein Vitamin A oder C.

    Superfood-Faktor: Das gerne als "Reis der Inkas" bezeichnete Pseudogetreide ist vielfältig. Die mineralstoffreichen Blätter kommen in den Anden als Gemüse oder Salat auf den Tisch, die senfkorngroßen Nussfrüchte werden gekocht. Besonders wertvoll sind das hochwertige Eiweiß und die ungesättigten Fettsäuren. Quinoa ist vor allem für Menschen mit Glutenunverträglichkeit eine gute Alternative zu anderen Getreidesorten.

    Quellen: aid infodienst e.V., eigene Recherchen

  • Weizengras-Pulver

    Das ist es: Weizengras ist nichts anderes als die jungen Weizensprossen, die einige Tage nach der Aussaat geerntet werden. Es enthält vor allem Vitamin C, E, K, einige Mineralstoffe und ist reich an Eiweiß und Chlorophyll. Weizengras wird meistens als Pulver verkauft und dann mit Wasser vermischt. Es schmeckt: speziell.

    Superfood-Faktor: Oft ist über Weizengras zu lesen, dass es 60-mal mehr Vitamin C als Orangen, 50-mal mehr Vitamin E als Spinat und 30-mal mehr Vitamin B1 als Kuhmilch enthalte. Das ist nicht falsch, aber vor allem ein cleverer Werbetrick. Denn die Angaben beziehen sich auf 100 Gramm Weizengras - von dem ausgepresst nur ein Bruchteil als Saft übrig bleibt. Um die Nährwerte zu erreichen müsste man also 100 Gramm Saft trinken. Doch wer den einmal pur probiert hat, weiß: 100 Gramm bekommt keiner herunter.

  • Açai-Beeren

    Das ist es: Açai-Beeren sind die Früchte der Kohlpalme aus dem Amazonasgebiet. In voller Reife sind die blaubeergroßen Beeren tiefschwarz. Sie sind reich an pflanzlichen Proteinen, Antioxidantien, Kalzium und Vitaminen.

    Superfood-Faktor: Die Açai-Beere ist ein hochwertiges Lebensmittel. Ihre verjüngende und entschlackende Wirkung dagegen ist ein Gerücht - hierfür fehlt der wissenschaftliche Beweis. Wer im Sommer in den Garten geht und Heidelbeeren, Sauerkirschen oder schwarze Johannisbeeren nascht, verspeist die gleichen Inhaltsstoffe.

  • Chia-Samen

    Das ist es: Chia-Samen sind schwarze oder graue Körner der Salbeipflanze. Sie machten angeblich schon die Inka satt. Die Samen enthalten fünfmal so viel Kalzium wie Milch, liefern Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren und reichlich pflanzliche Proteine.

    Superfood-Faktor: Oft wird behauptet, die mittelamerikanischen Samen machten schlank. Der wissenschaftliche Beweis dafür aber fehlt. Trotzdem sind die Inhaltsstoffe interessant. Wegen des hohen Gehalts an Ballaststoffen gelten die Samen als Sattmacher. Heimische Leinsamen haben dieselbe Wirkung, sind aber deutlich günstiger.

  • Chlorella

    Das ist es: Chlorella ist die Bezeichnung für Mikroalgen, die auch in Süßwasser wachsen. Sie liefern Vitamin B12, mehrere Mineralstoffe und viel Eiweiß.

    Superfood-Faktor: Für Veganer können die Algen ein wichtiger Vitamin B12-Lieferant sein. Der Gehalt der Mikronährstoffe hängt allerdings stark von der Wasserqualität ab, in dem die Algen gezüchtet werden. Zudem gibt es Chlorella fast ausschließlich in Tabletten- oder Pulverform zu kaufen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft als bedenklich ein, dass die Algen unerwünschte Stoffe wie Pestizide, Fungizide und Schwermetalle im Körper an sich binden.

  • Kakao-Nibs

    Das ist es: Als Kakao-Nibs werden die getrockneten Stücke der Kakaobohne verkauft. Sie enthalten 54 Prozent Fett, Eiweiß, Mineralstoffe und 300 weitere Inhaltsstoffe. Dazu jede Menge aromagebende Substanzen.

    Superfood-Faktor: Kakao liefert viel Polyphenole, die unter anderem Entzündungen und Krebs vorbeugen. Ein anderes Verkaufsargument ist, dass der Kalziumgehalt der Bohnen höher sei als der von Milch. Das stimmt. Allerdings ist ein Glas Milch schneller getrunken als ein Haufen Kakaobohnen gegessen. Auch eine Banane hätte einen ähnlichen Effekt.

  • Goji-Beeren

    Das ist es: Goji Beeren sind nichts anderes als die Früchte des Gemeinen Bocksdorns. Den gibt es schon ziemlich lange - aber Goji-Beeren klingt eben spannender. Die Früchte enthalten einige Vitamine, vor allem Vitamin C. Sie werden frisch, als Saft oder Trockenfrucht angeboten.

    Superfood-Faktor: Getrocknete Goji-Beeren werden oft als Anti-Aging-Sensation verkauft. Laut der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA gibt es dafür aber kaum Belege. Auch der vermeintlich hohe Vitamin C-Gehalt relativiert sich bei näherer Hinsicht: Schwarze Johannisbeeren oder ein Apfel sind genauso gesund.

  • Grünkohl

    Das ist es: Vor allem im Norden Deutschlands ist Grünkohl beliebt. Er ist kalorienarm und liefert viele Vitamine und Mineralstoffe. Schon mit einer Portion lässt sich etwa der Tagesbedarf an Vitamin C decken. Auch Folsäure, Calcium, Kalium und Magnesium liefert Grünkohl reichlich.

    Superfood-Faktor: Der Grünkohl ist, wie jeder andere Kohl auch, ein wahres Supergemüse. Neben den genannten Inhaltsstoffen liefert er sekundäre Pflanzenstoffe. Die entzündungshemmenden und krebsrisikosenkenden Effekte des Grünkohls sind wissenschaftlich belegt.

Die Wachstumsraten sind teuer erkauft. Lieferando investierte 2015 alleine in Deutschland 37 Millionen Euro  für das Marketing. 
Wir betreiben sehr intensives Onlinemarketing über Google AdWords, fahren TV-Kampagnen und viel Außenwerbung. Unsere Marketing-Ausgaben verwenden wir aber in erster Linie für die Neukunden-Akquise. Wir schauen uns genau an, was wir für die Akquise eines Kunden zahlen und was er uns über die nächsten Jahre hinweg einbringen kann. 

Sie kaufen quasi Kunden ein und Geld bringen sie ein, wenn sie mehrfach bei Ihnen bestellen.
Genau. In Deutschland haben wir uns bewusst entschieden, noch nicht profitabel zu sein. Der Markt hier ist drei Mal so groß wie in Holland, da ist noch viel Potenzial. Wir gewinnen um ein Vielfaches mehr Kunden in Deutschland als in Holland – das hat seinen Preis. Wenn das Verhältnis zwischen Neukunden und Stammkunden in Deutschland irgendwann ähnlich ist wie in Holland, wo wir bereits eine EBITDA Marge von 63 Prozent erzielen, fahren wir auch hier Gewinne ein.  

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