Boston Consulting Group: Wie bei der Piratenpartei

Boston Consulting Group: Wie bei der Piratenpartei

von Julia Leendertse

Rich Lesser, künftiger Chef der zweitgrößten Unternehmensberatung der Welt, steht für einen Neuanfang. Er will integrieren und an alte liberale Traditionen anknüpfen.

Nach neun Jahren unter dem Deutschen Hans-Paul Bürkner steht von 2013 an mit Rich Lesser wieder ein Amerikaner an der Spitze der Boston Consulting Group (BCG). Kein zweites Beratungshaus leistet sich so viel Basisdemokratie: „Bei uns ist es fast wie bei der Piratenpartei“, sagt ein Partner über das wochenlange Auswahlverfahren für den künftigen Chef. „Jede Partner-Stimme wiegt gleich schwer, und die intensiven Diskussionen über den zukünftigen Kurs hatten eine große selbstreinigende Wirkung.“

Der 49 Jahre alte Wahl-New-Yorker, bisher Leiter des Amerika-Geschäfts, ist in den Top-Etagen der US-Konzerne bestens verdrahtet. Lesser gilt als integrativ und teamorientiert. Und er bringt mit, was BCG nach Bürkner braucht. Der hatte es zwar geschafft, den Umsatz von 1,5 auf 3,5 Milliarden Dollar mehr als zu verdoppeln. Die BCG-Kultur der liberalen Vielfalt und Partnerschaft nahm dabei aber Schaden. Lesser steht für einen Neuanfang. Er will an die alte BCG-Tradition der intellektuell brillanten Strategieberatung mit sozialem Gewissen anknüpfen.

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Stärken und Schwächen

„New York, New York – if I can make it there, I’ll make it anywhere.“ Der Sinatra-Song könnte fürs Erste zu Lessers Lebensmotto werden. Zwar leitet er schon seit 2009 das Nord- und Südamerika-Geschäft von BCG, viel Erfahrung im Umgang mit Europäern und Asiaten kann er aber nicht vorweisen. Der smarte Ostküstenliberale dürfte aber weltoffen genug sein, um auch das internationale Parkett zu erobern. Zumal er dem gängigen Berater-Klischee des gegelten, hosenträgertragenden und nassforschen Besserwissers so gar nicht entspricht. Lesser ist eher der Gegenentwurf, der mehr bringt als erwartet: „Der Mann ist kein Charismatiker, er schafft es aber, die Menschen für die Sache zu begeistern“, lobt ein Kollege.

Ziele und Visionen

Rich Lesser glaubt fest an neue Wachstumschancen für Amerika und Europa. „Die Lohnkosten in China steigen, die Fabriken kehren zu uns zurück“, sagt er. Der steigende Lebensstandard in den Schwellenländern würde innovativen Unternehmen neue Wachstumschancen bescheren. Diese für seine Kunden herauszuarbeiten und damit für mehr Wohlstand rund um den Globus zu sorgen sieht Lesser als Hauptziel von BCG.

Wachstum um des Wachstums willen – wie Kritiker es seinem Amtsvorgänger Bürkner vorwarfen – ist von Lesser nicht zu erwarten. Bürkner-Schelte betreibt er aber auch nicht. Der habe „eine wunderbare Plattform hinterlassen, auf der wir jetzt aufbauen können“. Der 49-Jährige will die Expertise seiner weltweit 8400 Berater verbreitern und „die einzigartige Unternehmenskultur von BCG und das Erbe des innovativen Vordenkertums bewahren“, schwärmt er. Für die Bürkner-Gegner in den eigenen Reihen dürfte das Balsam für die Seele sein.

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