Brandindex: Musikstreaming-Dienste: Kein Selbstläufer für Spotify

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Brandindex: Musikstreaming-Dienste: Kein Selbstläufer für Spotify

von Holger Geißler

Der BrandIndex zeigt: Das schwedische Unternehmen Spotify mit Sitz in Berlin ist in Deutschland beliebter als die Konkurrenz. Das muss allerdings nicht so bleiben.

Im Musikmarkt waren CDs mal die Zukunft, vielleicht glaubte sogar mal jemand an die Musik-Kassetten. Jetzt haben wir eine neue Zukunft – die des Musik-Streamings. In den USA ist sie eigentlich schon Gegenwart. Dort wurde 2015 mit gestreamter Musik mehr Umsatz generiert als mit Downloads.

In Deutschland sind die CDs zwar noch die Top-Seller, doch auch hier ist ein eindeutiger Trend zum Streaming zu erkennen. Laut Bundesverband Musikindustrie hat sich das Streaming-Aufkommen von 2014 zu 2015 fast verdoppelt.

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Für den Bundesverband Musikindustrie ist anscheinend der Deutschland-Start eines Unternehmens von so großer Bedeutung, dass er ihn in seinem Chart zur Umsatzentwicklung der deutschen Musikindustrie extra vermerkt hat.

Der deutsche Musikmarkt im Wandel

  • Musikverkauf insgesamt (physisch u. digital)

    2005: 1,748 Milliarden Euro
    2009: 1,575 Milliarden Euro
    2013: 1,452 Milliarden Euro
    2014: 1,479 Milliarden Euro
    Veränderung 2013/14: +1,8 Prozent


    * Gesamtumsatz aus Musikverkauf, Synchronisation und Leistungsschutzrechten

    Quelle: Jahrbuch der Musikindustrie

  • Davon physisch

    2005: 1,717 Milliarden Euro
    2009: 1,402 Milliarden Euro
    2013: 1,124 Milliarden Euro
    2014: 1,107 Milliarden Euro
    Veränderung 2013/14: -1,5 Prozent

    * Cds, Schallplatten etc.

  • Davon digital

    2005: 30 Millionen Euro
    2009: 173 Millionen Euro
    2013: 328 Millionen Euro
    2014: 371 Millionen Euro
    Veränderung 2013/14: +13,1 Prozent

    * Downloads und Streaming

Denn der Streaming-Dienstleister Spotify ist seit 2012 auch in Deutschland verfügbar. Und seitdem gehen die Streaming-Zahlen steil bergauf.

Aldi kann auch Digital-Angebote

Tatsächlich ist Spotify die Nummer eins in Deutschland. Im YouGov-Markenmonitor BrandIndex ziehen die Verbraucher mit großem Abstand Spotify in die engere Wahl, wenn es um die Auswahl eines Streaming-Dienstleisters geht - nämlich 16 Prozent aller, die angeben, die Marke Spotify zu kennen. Apple Music, das Streaming-Angebot von Apple, nennen immerhin schon acht Prozent. Vor dem Hintergrund, dass es den Dienst erst seit vergangenem Jahr gibt, ist das ein guter Wert. Deezer, ein Unternehmen aus Frankreich und weltweit aktiv, verliert seit fast einem Jahr stetig an Interesse bei den Verbrauchern. Zumindest in Deutschland dürfte Deezer auf kurz oder lang eine untergeordnete Rolle spielen.

Da gibt es nämlich noch zusätzliche Konkurrenz: Aldi life Musik. Das Streaming-Angebot von Aldi in Zusammenarbeit mit Napster erzeugt zumindest unter denen, die die Marke kennen, mehr Interesse als Apple Music und Deezer. Und dass Aldi mit Angeboten aus dem Unterhaltungs- und Kommunikationsbereich punkten kann, zeigt Aldi Talk. Der Mobilfunkanbieter ist die beliebteste von 30 Marken im Sektor „Telekommunikation und Hosting“. Die Bewertungen des Preis-Leistungs-Verhältnisses zeigen: Von Aldi life Musik glauben die Verbraucher am ehesten, dass sie viel Leistung für wenig Geld bekommen. Jetzt muss sich der Aldi-Ableger aber noch dringend bekannt machen: Nur elf Prozent der Deutschen kennen ihn. Apple Music und Spotify kennt hingegen mindestens jeder Zweite.

Apple und Spotify im Streit

Spannend ist die Frage, welche Kriterien die entscheidenden sein werden, nach denen die Verbraucher ihren Streaming-Dienst auswählen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sicher ein Merkmal unter vielen. Neben Aldi life Musik steht in Deutschland in dieser Kategorie derzeit Spotify gut da. Bei der Bewertung der Qualität liegen die Anbieter noch recht nah beieinander. Die Spannweite reicht von Deezer mit +9 bis Spotify mit +16 Punkten auf einer Skala von -100 bis +100. Der allgemeine Eindruck unterscheidet sich da schon deutlicher (Apple Music:+2. Spotify: +15). Und gerade bei dessen Bewertung dürften Faktoren eine Rolle spielen, die nur schwer zu bestimmen sind.

Umsatzentwicklung digitaler Musikverkäufe

  • Download Singles

    2008: 47 Millionen Euro
    2013: 108 Millionen Euro
    2014: 100 Millionen Euro
    Veränderung 2013/14: -7,4 Prozent

    Quelle: Jahrbuch der Musikindustrie 2014

  • Download Album

    2008: 41 Millionen Euro
    2013: 147 Millionen Euro
    2014: 145 Millionen Euro
    Veränderung 2013/14: -1,2 Prozent

  • Streaming

    2008: 12 Millionen Euro
    2013: 61 Millionen Euro
    2014: 108 Millionen Euro
    Veränderung 2013/14: 78,6 Prozent

So verhindert derzeit Apple, dass die User die neuste Version der Spotify-App auf ihr Smartphone laden können, weil Spotify die Bezahl-Möglichkeit innerhalb der App deaktiviert hat und damit gegen die App-Store-Regeln von Apple verstößt. Spotify will damit verhindern, 30 Prozent des Umsatzes durch In-App-Käufe an Apple überweisen zu müssen. Das Pikante an dem Streit: Apple betreibt mit Apple Music einen direkten Konkurrenten zu Spotify. Finden die Unternehmen keine Lösung, wird wohl ein Gericht oder eine Kartellbehörde entscheiden. Aus Sicht von Spotify bedeutet die Abgabe von 30 Prozent der Umsätze an Apple einen Wettbewerbsnachteil, den Apple nicht hat.

Der könnte dann auch das gute Image gefährden, das Spotify derzeit in den USA hat. Das kann sich Spotify eigentlich nicht leisten, denn schon heute ist Konkurrent Pandora (ein Internet-Radio mit etwas anderer Ausrichtung als Spotify) deutlich beliebter als der Streaming-Dienst. In Deutschland ist die Situation für Spotify etwas komfortabler. Hier hat bislang kein Konkurrent ein höheres Ansehen.

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