Brasilien Inhotim: Disneyland der Kunst

Brasilien Inhotim: Disneyland der Kunst

Der brasilianische Milliardär Bernardo Paz wollte er seine Träume realisieren und baute eine der spannendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Sie zeigt, wie sich in der Kunstwelt die globalen Gewichte neu verteilen.

Der brasilianische Bergbaumilliardär Bernardo Paz gründete vor achtzehn Jahren inmitten der subtroischen Berglandes Brasiliens Inhotim. Es ist eine heute eine der spannendste Ausstellungen zeitgenössischer Kunst weltweit. Sie zeigt, wie sich in der Kunstwelt die globalen Gewichte neu verteilen. Nicht mehr nur in London, Miami oder Venedig werden die Wegmarken des weltweiten Kunstbetriebs gesetzt. Immer öfter geschieht das an Orten wie in Inhotim – hundert Kilometer von der nächsten Großstadt entfernt in der brasilianischen Provinz.

Wie denn Inhotim in einer derart abgelegenen Weltregion möglich sein könnte, fragte ihn kürzlich ein Journalist aua der Schweiz. Bernardo Paz´ Antwort war kurz: „Verzeihen Sie, aber ich finde, dass die Schweiz ziemlich weit abgelegen ist.“

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Die Museumsgeheimtipps der Wiwo-Korrespondenten

  • London: Yvonne Esterhazy

    Der Geheimtipp: Wer dem englischen Humor näher kommen will, sollte das Londoner Cartoon Museum besuchen, das in drei Räumen rund 230  historische und moderne Karikaturen und Comic Strips zeigt. Jedes Jahr prämiert das Museum die besten Karikaturisten unter 18 und 30 Jahre. Es befindet sich in der Nachbarschaft des British Museums, erhält keine öffentlichen Mittel und kostet Eintritt.

    The Cartoon Museum, 35 Little Russell Street, London WC1A 2HH

  • New York: Martin Seiwert

    Beim Museum Neue Galerie, das auf New Yorks Museums-Meile in der Fifth Avenue liegt, ist der Name Programm. Hier geht es deutsch zu, in der Kunst wie beim Kuchen. Besucher finden eine eindrucksvolle Sammlung deutscher und österreichischer Kunst des 20. Jahrhunderts. Nicht minder eindrucksvoll ist – zumindest für amerikanische Verhältnisse – die Auswahl an deutschen und österreichischen Kuchen in den beiden Museumscafés. Wer in New York Sachertorte in edler Wiener Kaffeehausatmosphäre speisen will, geht in die Neue Galerie. Nicht selten scheint die Anziehungskraft des Kuchens höher als die der Kunst. Dann herrscht Leere vor den Klimts, Klees und Kirchners, während die Schlange der Café-Gäste bis auf die Straße reicht.

    Neue Galerie, 1048 5th Avenue, New York, NY 10028

  • Paris: Karin Finkenzeller

    Auf einen Tee mit George Sand.
    Das Musée de la vie romantique liegt versteckt am Ende einer kleinen Seitenstraße unweit der lauten Place Pigalle. Eben noch von schreiender Leuchtreklame für sehr viel unromantisch bloß gelegte Haut umgeben, trifft der Besucher beim Betreten des Gartens mit nur wenig gebändigten Rosenbüschen und Fliederbäumen auf das Paris des 19. Jahrhunderts. In dem Pavillon im italienischen Stil, der heute das Museum beherbergt, traf sich das künstlerische "Who is who" der Epoche bei dem damaligen Mieter, dem Maler Ary Scheffer. Rossini, Dickens, Delacroix, Chopin und auch George Sand. Der Schriftstellerin, die eigentlich Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil hieß und unter dem Männernamen George Sand Romane und gesellschaftspolitische Beiträge verfasste, ist das gesamte Erdgeschoss des Museums gewidmet. An sonnigen Tagen sollte man unbedingt noch auf einen Tee im Garten verweilen. 

    Musée de la vie romantique, 16 rue de Chaptal, 75009 Paris

Der Bergbaumilliardär zog sich vor 15 Jahren zur Suche nach dem Sinn des Lebens auf seine Fazenda zurück. Er begann sich intensiv mit tropischen Gartenbau und seiner Sammlung moderner Kunst zu beschäftigen. Doch er spürte, wie ihn zeitgenössische Kunst viel stärker berührte. Tunga, einer der führenden zeitgenössischen Künstler Brasiliens, längst sein Freund, sagte: „Moderne Kunst ist Wandschmuck. Zeitgenössische Kunst ist politisch. Sie hat Einfluss.“ Paz verkaufte seine 250 Werke moderner Kunst und erwarb dafür zeitgenössische Objekte. Das sind oft große, aufwändige Installationen, die sich schwer in Museen ausstellen lassen. Auf seiner Farm begann er sie zu montieren, baute erste Pavillons für Künstler. Heute sind es 24 Ausstellungsgebäude, die in der Landschaft, den Wäldern, auf Bergkuppen und Hügeln verteilt, selbst Kunstwerke sind. 

Die Museen mit den meisten Besuchern weltweit (in Millionen)

  • 9,3

    Louvre (Paris)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 8,0

    National Museum of Natural History (Washington)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 7,5

    National Museum of China (Peking)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 7,0

    National Air and Space Museum (Washington)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 6,7

    British Museum (London)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 6,3

    Metropolitan Museum of Art (New York)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 6,0

    National Gallery (London)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 5,5

    Vatikan Museen (Rom)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 5,3

    Natural History Museum (London)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 1,4

    Deutsches Museum (München)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

  • 1,3

    Pergamon Museum (Berlin)

    Quelle: AECOM, The Art Newspaper; Zahlen für 2013

Bahnbrechende Kunstwerke der welt-weiten Kunst-Avantgarde entstehen so in der tiefen Provinz Brasiliens: Die Liste der Künstler liest sich wie das Who`s Who der zeitgenössischen Kunst-Avantgarde: Doug Aitken, Matthew Barney, Janet Cardiff, Doris Salcedo, Olafur Elissaon. Aber auch die weg-weisenden brasilianischen Künstler sind in eigenen Pavillons vertreten, wie Cildo Meirelles, Miguel Rio Branco, Hélio Oiticicas oder Adriana Varejão. „Mit etwas Glück haben selbst führende Kunstkenner einzelne Arbeiten der in Inhotim versammelten Künstler irgendwo auf der Welt schon Mal sehen können“, schreibt der Kritiker der New York Times. „Von den meisten dieser legendären Kunstwerke haben sie nur gehört – in Inhotim sind sie permanent zu sehen.“

Paz ist dabei das Kunststück gelungen, auf einer Fläche von 90 Hektar all das zu kombinieren, was Brasilien an Schönem zu bieten hat – und es mit einer Perfektion zu präsentieren, die wiederum in Brasilien rar ist.

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Noch ist Inhotim abhängig von seiner Unterstützung. Rund 70 Millionen Dollar investiert er jährlich in den Aufbau des Museums. Um Inhotim künftig selbsttragend zu machen, will er zehn neue Hotels für die Besucher zu bauen, ein Amphitheater für 15.000 Menschen, auch einen Komplex von Loftappartements für diejenigen, die mitten in der Sammlung leben wollen. Bereits jetzt bieten die drei Design-Restaurants in Inhotim hervorragende Küche – zu akzeptablen Preisen. Die New York Times nennt Inhotim „ein Disneyland zeitgenössischer Kunst“.  Und das ist nicht mal negativ gemeint. Denn wie die weltweite Kette von Vergnügungsparks zielt Inhotim auch auf Kinder und Jugendliche, die zweimal die Woche mit vielen Bussen aus der Umgebung herangekarrt werden.

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