Burkhard Schwenker: "Europa wird gestärkt aus dieser Krise hervorgehen"

Burkhard Schwenker: "Europa wird gestärkt aus dieser Krise hervorgehen"

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Roland-Berger-Aufsichtsratschef Burkhard Schwenker im Interview mit der WirtschaftsWoche

von Hans-Jürgen Klesse

Burkhard Schwenker, Aufsichtsratschef von Roland Berger, bleibt Optimist: Er hat keine Angst vor einer Rezession und die Schuldenkrise hält er für überwindbar.

WirtschaftsWoche: Herr Schwenker, Berater haben deutlich an Ansehen verloren. Sie haben die Finanz- und Wirtschaftskrise weder kommen sehen noch verhindern können, ist damit ihr Allwissenheitsnimbus endgültig futsch?

Burkhard Schwenker: Der Allwissenheitsanspruch ist ohnehin Quatsch. Wer behauptet, er könne und wisse alles, macht sich unglaubwürdig. Diese Form von Arroganz verbietet sich für unser Haus sowieso, weil sie nicht mit unseren Grundwerten vereinbar ist. Ich gebe Ihnen insofern recht, als unser Geschäft anspruchsvoller geworden ist: Es gibt keine allgemeingültigen Lösungen mehr, aktuelle Fragestellungen lassen sich nicht mit den Konzepten von gestern beantworten. Die Komplexität der globalisierten Welt hat dazu geführt, dass die alten Methoden nicht mehr funktionieren.

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Zum Beispiel?

Das aus den USA übernommene Shareholder-Value-Prinzip...

...also die Annahme, dass das Streben nach einer hohen Rendite alle anderen Probleme von allein löst...

...hat sich als Irrweg erwiesen. Die individuelle Gier zum Leitmotiv zu erheben bringt uns nicht weiter. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass das langfristig orientierte europäische Managementmodell und das Setzen auf industrielle Kompetenz dem amerikanischen Beispiel überlegen sind.

Im Moment wirkt Europa mit seinen Streitereien über den richtigen Weg aus der Euro-Krise aber eher konfus und schwach.

In diesen Bereichen ist das Fachwissen von Beratern besonders häufig gefragt (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

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Trotzdem bleiben unsere industrielle Kompetenz und unsere Art, Unternehmen zu führen, echte europäische Stärken. Die Euro-Krise ist zuerst ein politisches Thema, und da ist nach der letzten Krise einiges versäumt worden. Meiner Meinung nach wäre es zum Beispiel nötig gewesen, die Finanzmärkte stärker zu regulieren. Aber vor allem brauchen wir jetzt den Schritt zu einer integrierten Wirtschafts- und Finanzpolitik und Entscheidungen darüber, wer unter welchen Bedingungen in die Euro-Gemeinschaft eintreten kann und wer beim Verstoß gegen diese Bedingungen sanktioniert oder eben ausgeschlossen werden muss.

Sie meinen Griechenland?

Für den Euro-Raum wäre das kein Problem, für Griechenland selbst natürlich schon.

Und als Nächstes wird dann auf das Ausscheiden Spaniens und Italien spekuliert?

Ich finde es moralisch verwerflich, auf den Niedergang eines Landes zu spekulieren – es geht doch um Menschen! Abgesehen davon glaube ich nicht an die Domino-Theorie. Spanien und Italien haben das Potenzial für eine industrielle Basis und einen starken Mittelstand. Beide können ihre Probleme in den Griff bekommen. Aber das wird sicher noch ein gutes Jahr dauern. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass Europa letztlich gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird.

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