Chaos bei der Deutschen Bahn: Bahn-Chef bittet Angestellte um Urlaubsaufschub

Chaos bei der Deutschen Bahn: Bahn-Chef bittet Angestellte um Urlaubsaufschub

Die Bahn stellt nach den Zugausfällen in Mainz ihre Personalplanung um. Damit kein neues Chaos entsteht, hat nun der Bahnchef persönlich zum Telefonhörer gegriffen - und Mitarbeiter gebeten, ihren Urlaub zu verschieben.

Der Bund als Eigentümer plant weiterhin keinen Börsengang der Bahn. Die Bemühungen für eine Teilprivatisierung der Transportsparten des Konzerns seien in dieser Legislaturperiode nicht fortgesetzt worden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Es gebe hier nun keine Veränderungen. Mit Blick auf die aktuellen Probleme am Stellwerk in Mainz liege zudem in einer Privatisierung „nicht das Mittel, mit dem man die derzeitige äußerst ungute Lage löst“. Verkehrsministerium und Finanzministerium machten deutlich, dass ein Verzicht auf die jährlich von der Bahn an den Bund auszuschüttende Dividende von rund 500 Millionen Euro nicht ansteht.

Unterdessen hat Bahnchef Rüdiger Grube Mitarbeiter aus dem Stellwerk Mainz persönlich um eine Verschiebung ihres Urlaubs gebeten und damit Empörung bei der Gewerkschaft ausgelöst. Im Interesse der Kunden und des Unternehmens habe Grube eine Handvoll Mainzer Kollegen angerufen und sie gebeten, sich zu überlegen, ob sie nicht ihren Urlaub verschieben könnten, sagte ein Bahn-Sprecher am Mittwoch. "Ausdrücklich sollten sie eine Nacht darüber schlafen." Es habe sich um Kollegen gehandelt, die derzeit im Dienst seien und sich noch nicht im Urlaub befänden, stellte der Sprecher klar.

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Mainzer Bahnchaos FDP fordert Börsengang der Bahn

Die Deutsche Bahn wird zum Wahlkampfthema. Einige halten den einst geplanten Börsengang als Ursache für die Personalprobleme. Andere halten ihn für die Lösung.

Eine elektronische Anzeige bei der Bahn in Mainz Quelle: REUTERS

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG reagierte empört: "Dass Mitarbeiter, die dringend Urlaub brauchten, vom obersten Konzernlenker persönlich angerufen werden, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit", sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. Es gebe Kollegen in Mainz, die seit Dezember keine drei Tage am Stück frei gehabt hätten. "Der Akku ist einfach leer." Die Entscheidung, den Betrieb in Mainz einzuschränken, habe allein die Deutsche Bahn getroffen, weil sie das Stellwerk nunmehr tagsüber mit drei statt bisher zwei Fahrdienstleitern besetzt wissen wollte. Für diese Regelbesetzung aber seien nicht ausreichend Mitarbeiter vorhanden. Mit Urlaub oder Krankheit habe die Situation nichts zu tun. Die Bahn hatte die Einschränkungen mit ungewöhnlich vielen Krankmeldungen während der Urlaubszeit begründet.

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In Mainz musste wegen des Personalmangels im Stellwerk der Zugbetrieb erheblich eingeschränkt werden. Trotz geplanter Verbesserungen in den kommenden Tagen hat die Bahn Normalbetrieb erst wieder für Ende August in Aussicht gestellt. Grube selbst hatte seinen Urlaub abgebrochen und will am Mittwoch mit Managern und Arbeitnehmervertretern über eine Lösung sprechen. Die Gewerkschaft hat das Management nach Frankfurt zu einem Treffen geladen, um über Personalengpässe und Überalterung der Belegschaft im ganzen Konzern zu sprechen.
Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nannte die Vorgänge in Mainz ein „Debakel, das nicht mehr passieren darf.“ Er wehrte sich gegen den Vorwurf, es gebe bei der Bahn keine Personalplanung. Man nehme den demografischen Wandel ernst, was sich in 20.000 Neueinstellungen in den vergangenen Jahren zeige. Allein im ersten Halbjahr 2013 habe die Bahn 2000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen.

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