Code-Sharing mit Alitalia: Air Berlins Abwehrkampf gegen die Behörden

Code-Sharing mit Alitalia: Air Berlins Abwehrkampf gegen die Behörden

von Rüdiger Kiani-Kreß

Durch die Kooperation mit Alitalia wehrt sich Air Berlin auch gegen das Verbot von Gemeinschaftsflüge mit Etihad. Kein Wunder, denn die Auflage ist unausgegoren – und schadet dem Falschen.

Auf den ersten Blick hat die Kooperation von Air Berlin mit Alitalia wenig Überraschendes. Beide Linien gehören in den Einflussbereich der Fluglinie Etihad aus Abu Dhabi. Da lag es nahe, dass die beiden Quasi-Töchter der arabischen Staatslinie auch kooperieren.

Tatsächlich aber ist die Zusammenarbeit der beiden angeschlagenen europäischen Linien – neben rechtlichen Schritten – der erste sichtbare Teil im Abwehrkampf der Berliner gegen die aktuellen Einschränkungen durch die deutschen Behörden. Dank der Code-Share genannten Angebote können die Partner zusätzlich eine dreistellige Zahl von Flügen des Partners als ihre eigene Verbindung verkaufen.

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Das sorgt für volle Flieger und – weil der Ticketumsatz durch zusätzliche Passagiere für Mehreinnahmen fast ohne Extra-Kosten sorgt – auch für deutliche höhere Gewinne. Das können beide Linien angesichts ihrer Verluste in dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr gut brauchen.

Air Berlin sogar noch etwas mehr als Alitalia: Denn das Bundesverkehrsministerium unter Alexander Dobrindt hatte vorige Woche dem Gespann Air Berlin / Etihad nach drei Jahren das Recht zu solchen Gemeinschaftsflügen auf einem Teil der Strecken entzogen.

Code-Share-Flüge Etihad verliert Flug-Vereinbarungen mit Air Berlin

Nur noch die Pflicht statt der Kür: Etihad darf künftig nur noch mit eigenen Maschinen Ziele in Deutschland anfliegen. Die Luftfahrt-Aufsichtsbehörde hat Code-Share-Flüge mit Air Berlin nicht mehr genehmigt.

Airbus A380 in Etihad-Farben: Die Araber dürfen künftig nur noch München, Frankfurt und Düsseldorf anfliegen. Quelle: REUTERS


Hinter der Auflage steckt zwar eigentlich eine sinnvolle Idee. Die Behörde möchte – nicht zuletzt auf Druck von Konkurrenten wie Lufthansa, Condor oder Air France – den zu großen Einfluss von Etihad bei Air Berlin eindämmen und verhindern, dass die deutsche Linie dank üppiger Finanzhilfen aus dem Ölstaat den heimischen Fluglinien die Preise weiter verdirbt.

Schnellschuss aus der Politik

Doch was immer sich Dobrindt mit seinem Schnellschuss auch gedacht hat: Es klingt ähnlich unausgegoren wie seine angekündigten Pläne zur Pkw-Maut. Es ist rechtlich nicht nur ein wenig ungewöhnlich, wenn nicht gar laienhaft, eine Art Gewohnheitsrecht quasi über Nacht zu kassieren.

CSU-Politiker Dobrindt will Etihad treffen, mit seinem Plan erreicht er am Ende wahrscheinlich das Gegenteil: Seine Auflage entzieht den angeschlagenen Berlinern bis zu zehn Millionen Euro Gewinn pro Jahr. Das behindert die ohnehin stockende Sanierung der Linie und macht sie wahrscheinlich noch abhängiger von weiteren Etihad-Finanzhilfen als bisher. „Wenn man Air Berlin das Licht abdrehen wollte, ist das ein guter Weg“, ätzt ein Manager eines Konkurrenten.

Alitalia ist nur ein Notbehelf

Denn die Code-Shares mit Etihad bringen Air Berlin noch etwas mehr als die Vereinbarung mit Alitalia. Zum einen sorgen sie für Mehreinnahmen. Zum anderen machen sie die deutsche Tochter ein Stück wertvoller für Etihad. Denn die Gemeinschaftsflüge sind eine große Hilfe für Etihad, in Europa schnell ein ähnlich großes Streckennetz anbieten zu können wie Konkurrent Emirates aus Dubai.


Doch dieser Plan verliert angesichts anhaltender Verluste an Wert. Laut Insidern muss sich der Etihad-Chef von seinen Eigentümern zunehmend fragen lassen, was genau denn die Perspektive bei Air Berlin ist und wie lange er noch Geld verbrennen will.

Sollte Air Berlin weiterhin so viel finanzielle Unterstützung brauchen, wird Etihad den Geldfluss irgendwann stoppen. Für die Staatslinie ist Alitalia am Ende nicht weniger attraktiv. Deren Drehkreuze Mailand und Rom liegen näher an Abu Dhabi. Das erspart Passagiere aus Asien längere Umwege. In dem Fall droht das Ende von Air Berlin.

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Das würde nicht nur ein paar Tausend Jobs vor allem in Deutschland kosten. Es würde auch den von Air Berlin und ihren arabischen Finanzhilfen bedrängten heimischen Fluglinien nicht helfen. Denn die lukrativen Routen der Berliner dürften sich andere Airlines wie Easyjet und Ryanair unter den Nagel reißen und am Ende für einen noch härteren Wettbewerb sorgen. Das sorgt dann wiederum bei der Lufthansa für mehr Druck, weniger Flugverbindungen und Jobverluste.

Gegen einen solchen Schritt ist ordnungspolitisch natürlich nichts einzuwenden. Doch ob das Dobrindts Absicht ist, darf bezweifelt werden.

Sollte er hingegen die Airline-Jobs in Deutschland und auch seiner bayrischen Heimat halten wollen, hätte er andere Wege: Hierzu zählen nicht Auflagen im Flugbetrieb, sondern ein Verbot direkter Finanzhilfen und Anreize für eine finanzielle Selbständigkeit von Air Berlin.

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