Containerhafen: Riesenpleite statt Riesenschiffe

ThemaLogistik

KommentarContainerhafen: Riesenpleite statt Riesenschiffe

von Hermann J. Olbermann

Das passt ja: Während in Hamburg das größte Containerschiff der Welt getauft wird, kündigt der Chef  von Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen seinen Rücktritt an. Eigentlich sollten dort die größten Schiffe festmachen.

Bild vergrößern

Das Containerschiff "CMA CGM Alexander von Humboldt"

Das Projekt galt als die größte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Niedersachsens – der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, Deutschlands einziger Tiefwasserhafen. Hier sollten die größten Containerschiffe festmachen, hier hätten sie keine Probleme mit der Wassertiefe wie auf Weser oder Elbe. Doch die Länder Niedersachsen und Bremen, die Gesellschafter des Jade-Weser-Ports, haben sich verkalkuliert. Zwar bauen die Werften immer größere Containerschiffe, doch von Wilhelmshaven wollen die Reeder nichts wissen. Längst arbeiten die Beschäftigten am Wilhelmshavener Containerterminal kurz. Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Das weltgrößte Containerschiff der Welt, die "Alexander von Humboldt" wurde am Donnerstag in Hamburg getauft – und soll auch künftig Hamburg anlaufen. Ein klares Signal der französischen Reederei CMA CGM für Hamburg und gegen Wilhelmshaven.

Franzosen halten nichts von Wilhelmshaven

Anzeige

Ein ebenso klares Signal setzte wenige Stunden nach der Taufe der Chef des Jade-Weser-Ports: Axel Kluth kündigte an, dass er zum Jahresende den Posten aufgibt. Er forderte mehr Geduld für den Jade-Weser-Port ein. Es dauere eben seine Zeit, bis sich Schifffahrtslinien und Warenströme umorientierten. Doch wie lange wollen die Betroffenen warten? Der Jade-Weser-Port wurde bereits vor rund einem halben Jahr eröffnet. Und nicht nur die Franzosen lassen erkennen, dass sie von Wilhelmshaven wenig halten. Vor der "Humboldt" hatten sie schon ihre beiden anderen Riesencontainerschiffe nach Hamburg geschickt: die "Christoph Colomb" und die "Marco Polo". Das waren im Juli 2012 und im Dezember 2012 die jeweils größten Containerschiffe der Welt.

Weitere Artikel

Und die dänische Reederei Maersk kündigte bereits an, dass sie ihre neuen Mega-Frachter Mitte August auch in Deutschland taufen lassen will – in Bremerhaven und nicht im benachbarten Wilhelmshaven.

Kein schöner Abgang für Jade-Weser-Port-Chef Kluth.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%