Dachser gegen Nagel: Der Kampf der Lebensmittel-Versorger

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Dachser gegen Nagel: Der Kampf der Lebensmittel-Versorger

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Bisher teilten sich die beiden Logistiker Dachser und Nagel Lebensmittelzulieferung an die Cash & Carry-Märkte der Metro. Nun übernimmt Branchenführer Nagel die Zulieferung für gekühlte, sowie ungekühlte Lebensmittel und schnappt Konkurrent Dachser damit einen Auftrag im Volumen von 15 Millionen Euro pro Jahr weg.

von Nele Hansen

Die Transportunternehmen Dachser und Nagel sind die größten Rivalen um die Vorherrschaft in einem der wichtigsten Geschäfte für das tägliche Leben: der Versorgung mit Lebensmitteln. Im Kampf um die Versorgung des Landes setzen sie auf ganz unterschiedliche Strategien.

Wenn das Dunkelblau der Halle sich langsam vom Dunkelblau des Nachthimmels abhebt, wenn die Vögel zu zwitschern beginnen und die meisten Menschen sich noch einmal gemütlich in ihren Betten umdrehen, erwacht der Betrieb am Metro-Stammsitz im Düsseldorfer Norden. Langsam rollt eine Lkw-Karawane auf den Hof: darunter blaue Sattelzüge mit gelber Schrift und weiße mit blauer Schrift. Die Trucks bringen Wurst, Milch oder Müsli in die Märkte der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

Demnächst gehört das an sechs Tagen in der Woche immer gleiche Ritual der Vergangenheit an: Dann werden nur noch die weiß-blauen Lkws des Transportunternehmens Nagel-Group aus Versmold die Cash & Carry-Märkte der Metro mit Lebensmitteln beliefern. Die gelb-blauen Laster vom Konkurrenten Dachser aus Kempten im Allgäu müssen draußen bleiben.

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Kampf der Systeme

Damit ist eine der größten Schlachten der deutschen Lebensmittellogistik entschieden: Branchenführer Nagel hat seinem größten Konkurrenten Dachser einen Auftrag im Volumen von 15 Millionen Euro im Jahr weggeschnappt: Ab August übernehmen die Westfalen auch den Transport ungekühlter Lebensmittel für den Handelskonzern – neben Milch, Käse und Wurst, wie bisher schon, liefert Nagel dann auch Nudeln, Müsli und Gewürze an die zu Metro gehörenden Cash & Carry-Märkte, die Real-Supermärkte und die Lebensmittelabteilungen von Galeria Kaufhof.

Der Kampf um die Versorgung des Landes mit dem täglich Notwendigen ist auch ein Kampf der Systeme: Zwei Familienunternehmen, eines aus dem Norden und eines aus dem Süden, mit unterschiedlichen Größen, Strukturen und Philosophien prallen im gleichen Segment aufeinander. Dachser erwirtschaftete 2013 fast fünf Milliarden Euro Umsatz, davon 620 Millionen in der Lebensmittellogistik. Die Nagel-Gruppe macht ausschließlich Lebensmittellogistik und kommt damit auf knapp 1,7 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Dachser und Nagel im Vergleich

  • Sprecher der Geschäftsführung

    Dachser: Bernhard Simon

    Nagel: Bernhard Heinrich

    Quelle: Unternehmen

  • Strategie

    Dachser: Partnernetzwerk (in der Lebensmittellogistik)

    Nagel: Eigene Niederlassungen

  • Geschäftsführung

    Dachser: Familienmitglied

    Nagel: In fremden Händen

  • Flotte

    Dachser: 160 eigene Lkws

    Nagel: 1500 eigene Lkws

  • Umsatz

    Dachser: 4,99 Milliarden Euro

    Nagel: 1,67 Milliarden Euro

  • Gewinnmarge

    Dachser: 2-3 Prozent (geschätzt)

    Nagel: 1,50 Prozent

  • Mitarbeiter

    Dachser: 24.900

    Nagel: 11.000

Die Rivalen der Autobahn unterscheiden sich nicht nur in der Größe. Bei Dachser hat immer noch die Familie das Sagen, bei Nagel machen angestellte Manager den Job. Nagel unterhält einen eigenen Fuhrpark und europaweit eigene Niederlassungen, Dachser ist Mitglied eines europäisches Netzwerkes für Lebensmittellogistik und lässt Subunternehmer für sich fahren.

Beide wollen Marktführer in Europa werden. Die Entscheidung über den Metro-Auftrag gibt dem Wettbewerb eine neue Dimension: „Bei dem Metro-Auftrag geht es um ein sehr großes Volumen“, sagt Logistikexperte Wolf-Rüdiger Bretzke von der Unternehmensberatung Barkawi in München. Schließlich gehen so große Volumina nicht jeden Tag über den Tresen.

Angefangen hat der Wettkampf Allgäu gegen Westfalen schon mit der Gründung der beiden Logistiker in den Dreißigerjahren. Während Thomas Dachser Allgäuer Käse ins Rheinland transportierte und auf dem Rückweg Industriegüter aus dem Rheinland in den Süden brachte, baute Kurt Nagel seine Spedition auf, um die schon seit dem 19. Jahrhundert in ganz Deutschland beliebten Versmolder Wurstwaren in den Süden zu schaffen. Auf dem Rückweg nahmen sie unter anderem Kohle aus dem Ruhrgebiet mit in den Nordwesten.

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