Das Geschäft mit den Leihwagen: Wie Sixt die Autobranche aufmischt

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Das Geschäft mit den Leihwagen: Wie Sixt die Autobranche aufmischt

von Stephan Happel

Dank seiner Werbekampagnen gilt Sixt als frecher Rebell. Diesem Image bleibt die Autovermietung treu, denn inzwischen legt sie sich auch mit Traditionsbranchen an.

Die Fahrer trägt schwarzen Anzug, die Mercedes S-Klasse schwarzen Lack. Wer über den Dienst MyDriver eine Limousine bucht, bekommt sie inklusive Luxus-Versprechen und Chauffeur.

Der Service ist der aktuelle Streich aus dem Hause Sixt. Nach einer einjährigen Sondierungsphase will das Unternehmen nun nicht mehr nur fremde Fahrer vermitteln, sondern auch eigene Chauffeure anstellen. Die sollen ihre Gäste stilvoller und bequemer von A nach B transportieren als herkömmliche Taxis.

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Deutschlands größter Autovermieter mit dem Niedrigpreis-Versprechen spielt Taxi-Unternehmer für Komfort-Liebhaber. Strategiewechsel? Stil-Bruch? Nein. Bloß ein Zeichen dafür, dass Sixt sich wandelt. Und das ist auch gut so.

Das Geschäft von Sixt

  • Das Unternehmen

    Die Sixt SE ist Deutschlands größter Autovermieter sowie einer der größten banken- und herstellerunabhängigen Leasinganbieter. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über mehr als 150.000 Fahrzeuge und rund 2000 Filialen weltweit. Das Unternehmen aus Pullach wurde 1912 gegründet und 1986 an der Börse notiert. Der Vorstandsvorsitzende Erich Sixt ist der Nachkomme des Firmengründers Martin Sixt.

  • Geschäftszahlen

    2013 erwirtschaftete Sixt einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro (2012: 1,5 Milliarden). Gut eine Milliarde Euro sind Erlöse aus dem Mietgeschäft. Knapp 400 Millionen stammen aus dem Leasinggeschäft. Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen 2013 einen Konzernüberschuss von 94,4 Millionen Euro.

  • Autovermietung

    Mit mehr als 30 Prozent Marktanteil ist Sixt in Deutschland Marktführer unter den Autovermietern. Zudem baut das Unternehmen sein Stationsnetz in anderen Teilen der Welt aus. In europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien und Großbritannien ist Sixt mit eigenen Tochter-Unternehmen vertreten. In anderen Ländern kooperiert das Unternehmen mit Partnern und Franchisenehmern. Zurzeit versucht Sixt insbesondere seine Position in den USA zu stärken.

    Die Kernzielgruppe des Geschäftsbereichs Autovermietung sind Geschäfts- und Firmenkunden, zunehmend aber auch Privatkunden und Urlauber. Die klassische Autovermietung hat Sixt mittlerweile um verschiedene Zusatzdienste erweitert.

  • Von Trucks bis Luxus-Wagen

    Transporter, Lieferwagen, LKW, Ferienwagen: Sixt versucht mit speziellen Angeboten alle Bereiche des Mietwagenmarktes abzudecken. Für wohlhabende Kunden hat Sixt auch Limousinen (mit Fahrer) und Oberklasse-Fahrzeuge, Sportwagen und SUVs im Angebot. Während das Unternehmen sonst mit günstigen Preise wirbt, hat die Positionierung als Premiumanbieter für Sixt vor allem im Ausland an Bedeutung gewonnen.

  • Drive Now

    In Kooperation mit BMW betreibt Sixt den Car-Sharing-Anbieter Drive Now. Beide Unternehmen sind zu 50 Prozent beteiligt. Das Angebot gibt es bislang in den deutschen Großstädten Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf und Köln. Laut Sixt haben sich mittlerweile mehr als 280.000 Kunden registriert. Damit gehört Drive Now zu den größten Anbietern in Deutschland.

  • myDriver

    Seit 2013 betreibt Sixt den Chauffeurservice myDriver und verspricht eine Luxus-Alternative zu Taxis und klassischen Limousinen-Services. Anders als bei Taxis wird nicht nach Minuten abgerechnet, sondern ein Festpreis angesetzt. Der soll - je nach Limousinen-Modell - nur knapp über dem Taxis-Preis liegen. Nach einjähriger Sondierungsphase, in der Sixt nur als Vermittler für rund 1000 Vertragspartner agierte, will das Unternehmen jetzt seine eigene Flotte ausbauen.

    Derzeit gibt es myDriver in Berlin, München, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Leipzig, Hannover, Bremen, Nürnberg und Dresden verfügbar. Europäische Städte wie Zürich, Wien und Amsterdam sollen folgen.

  • Leasing

    Abseits des Mietwagenmarktes ist das Leasing-Geschäft das zweite Standbein von Sixt. Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeiten liegt dabei auf Angeboten für Firmen- und Geschäftskunden sowie dem Flottenmanagement. Zudem baut Sixt seine Leasing-Angebote für Privat-Kunden aus.

Aus dem reinen Autovermieter ist ein Konzern geworden, dessen Portfolio den gesamten Automarkt abdeckt. Bis zu zehn Prozent seiner Fahrzeugflotte verkauft Sixt zum Beispiel selbst als Händler weiter. Und mit der Onlineplattform Autohaus24 tritt das Unternehmen als Vermittler zwischen Autohändlern und Käufern auf.

Erfolgsmeldungen auf der Hauptversammlung

Bislang sind das Randgeschäfte. Sein Geld macht das Unternehmen bei der Autovermietung und im Leasinggeschäft - und fährt damit hervorragend.

Auf der heutigen Hauptversammlung konnte sich die Konzernspitze selber auf die Schulter klopfen. Finanziell steht der Konzern gut da.

2013 strich Sixt einen Konzernüberschuss von 94,4 Millionen Euro ein und überraschte damit alle, sogar den Chef selbst. Erich Sixt hatte zuvor tief gestapelt und einen rückläufigen Gewinn angesagt.

Die Eigenkapitalquote liegt bei 28,5 Prozent, der Aktienkurs steigt. Analysten loben die strategische Unternehmensführung.

Ausbau des Limousinenservices Sixt will zum Taxi-Unternehmen werden

Der Limousinenservice des Autovermieters Sixt soll kräftig wachsen. Das Unternehmen will mehrere hundert Fahrer einstellen und Taxis Konkurrenz machen. Los gehen soll es in den deutschen Großstädten.

huGO-BildID: 30243000 ILLUSTRATION - Eine Mitarbeiterin des Autovermieters Sixt übergibt am 14.03.2013 in einer Filiale des Unternehmens in München (Bayern) einer Kundin den Schlüssel für einen Mietwagen. Foto: Andreas Gebert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Wer bei Sixt nach einer Schwäche sucht, findet sie höchstens beim Wachstum. Das ist solide, sagen Optimisten. Pessimisten erklären, es bleibt hinter den Möglichkeiten. Das Umsatzwachstum in den Bereichen Leasing und Vermietung in Deutschland beträgt gerade mal rund ein Prozent.

Beide Märkte sind hart umkämpft. Große, internationale Unternehmen wie Hertz, Avis und Europcar wetteifern um die Gunst der Kunden. Der Preiskampf zwischen den Wettbewerbern drückt auf die Margen. Und das Stationsnetz der Autovermieter ist mittlerweile so dicht, dass eine Ausdehnung ohne Übernahmen nur noch schwer möglich ist.

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