Das Geschäft mit der Sicherheit: Wer überwacht die Wächter?

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Sicherheitspersonal in einer Landeserstaufnahmeeinrichtung.

Sieben Milliarden Euro Jahresumsatz, 235.000 Mitarbeiter, 15.000 unbesetzte Stellen - das Geschäft mit der Sicherheit in Deutschland boomt. Der attraktive Markt lockt jedoch auch schwarze Schafe an.

Der einzige Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband privater Sicherheitsdienstleister, der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW), fordert darum einen Wechsel der staatlichen Aufsicht und eine spürbare Erhöhung der Zugangsbarrieren zum Gewerbe. Gewalttätige Neonazis als Wachmänner, terrorverdächtige Islamisten als Ordner im Fußballstadion, Sicherheitsdienste aus Familienclans mit Migrationshintergrund, die zu dubiosen Zwecken Nachwuchs in Flüchtlingsheimen rekrutieren - immer wieder stehen private Sicherheitsfirmen im Verdacht zweifelhafter Leistungen und fragwürdig agierender Mitarbeiter. „Wer kontrolliert diese Unternehmen in NRW?“, wollte der CDU-Landtagsabgeordnete Gregor Golland jüngst in einer Kleinen Anfrage von der Landesregierung in Düsseldorf wissen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass gar nicht bekannt ist, wie viele Sicherheitsdienstleister für die Überwachung von Flüchtlingsunterkünften des Landes aktuell tätig sind. 

Kriminalstatistik

  • Straftaten

    Insgesamt registrierte die Polizei 2014 rund 6,082 Millionen Straftaten, das sind zwei Prozent mehr als 2013. Die Polizei konnte 54,9 Prozent der Fälle aufklären, eine etwas bessere Quote als im Vorjahr. Über ein Viertel der Tatverdächtigen sind „alte Bekannte“, die auch wegen anderer Delikte schon im Visier waren.

  • Tatverdächtige

    Fast jeder fünfte Tatverdächtige ist nicht-deutscher Herkunft. „Das will ich nicht verschweigen“, sagte de Maizière. Allerdings hinke hier das Zahlenwerk, weil auch Touristen Straftaten begehen oder Asylbewerber auffällig werden. „Trotzdem: Die Ausländerkriminalität ist alles in allem betrachtet höher als im Durchschnitt der Bevölkerung.“

  • Schwere Gewaltkriminalität

    Die schwere Gewaltkriminalität mit Körperverletzungen und Raub geht seit 2009 stetig zurück. Auch die Jugendkriminalität sank im Vorjahr um 9,3 Prozent: „Man kann nicht sagen, dass die Jugendlichen immer gewalttätiger werden“, so de Maizière. Allerdings würden junge Menschen Gewalt immer intensiver ausleben.

  • Sexueller Missbrauch

    Die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern, die die Behörden mitbekommen, verringerte sich um 2,4 Prozent. Auch Autodiebstähle und Sachbeschädigungen werden seltener beobachtet. 2014 gab es aber mehr Diebstähle (+2,4 Prozent), Rauschgiftdelikte (+9,2) und Taschendiebstähle (+2,5).

  • Wohnungseinbrüche

    Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist um 1,8 Prozent auf 152 123 gestiegen, so viel wie seit rund 15 Jahren nicht mehr. De Maizière warnte, herumreisende Einbrecherbanden seien nur schwer in den Griff zu bekommen. Bund und Länder würden an neuen Ermittlungskonzepten arbeiten.

  • Hasskriminalität

    Besorgniserregend sei, dass fremdenfeindliche, antisemitische oder rassistisch motivierte Hasskriminalität im Sog von Flüchtlings- und Asyldebatte einen Höchststand erreicht habe. Kirchen, Synagogen und Moscheen werden gezielt angegriffen, auch Unterkünfte von Asylbewerbern und Flüchtlingen: „Das muss gestoppt werden“, sagte de Maizière.

  • Gewalt gegen Polizisten

    Nicht hinnehmen wollen Bund und Länder, dass täglich mehr als zehn Polizisten massiv angegriffen werden. „Das ist erschütternd und zeugt von großer Brutalität und Menschenverachtung dieser Täter“, so der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow.

Nur auf den ersten Blick ist es anlässlich dieses Wildwuchses verwunderlich, dass der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) zur eigenen Sicherheit mehr und effektiver kontrolliert werden möchte. Die Kernforderung: Das Innenministerium muss die Überwachung der Wächter übernehmen. Denn nur in Deutschland und Österreich fallen in Europa private Sicherheitsdienstleister nicht unter die Aufsicht der Innenbehörden.

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„Mit dem Verband streben wir diesen Zuständigkeitswechsel weg von den Wirtschaftsbehörden an. Damit erhoffen wir uns einen Qualitätssprung“, betont Ernst Steuger, Geschäftsführer der Nürnberger Wach- und Schließgesellschaft und Vorsitzender des BDSW-Arbeitskreises „Schutz von Flüchtlingsunterkünften“, im Gespräch mit „Wirtschaftswoche Online“. Die vom Bundeswirtschaftsministerium eingeleiteten Gesetzesänderungen reichten eindeutig nicht aus.

„Mit einem 40-stündigen Unterrichtungsverfahren an der Industrie- und Handelskammer und einem einfachen Unbedenklichkeitsauszug aus dem Bundeszentralregister darf man im Sicherheitsgewerbe arbeiten. Das ist nicht mehr zeitgemäß und muss um eine mögliche Abfrage durch die Verfassungsschutzbehörden ergänzt werden“, betont Steuger. Der BDSW fordere, den Zugang zum Bewachungsgewerbe erheblich zu verschärfen, um die ungesteuerte Flut von Neugründungen und die spürbar vermehrten Billigstanbieter einzudämmen.

Asylanträge nach Bundesländern 2017

  • Nordrhein-Westfalen

    Nirgendwo sonst wurden so vielen Asylanträge gestellt wie in Nordrhein-Westfalen. In der ersten Jahreshälfte 2017 waren es bisher 32.122 Menschen.

    Hinweis: Alle Daten beziehen sich auf Erst- und Folgeanträge in den Monaten Januar bis Juni 2017.

    Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge / Statista

    Stand: August 2017

  • Bayern

    12.921 Menschen haben in der ersten Hälfte des Jahres 2017 in Bayern einen Asylantrag gestellt.

  • Baden-Württemberg

    In Baden-Württemberg wurden 2017 bisher 11.290 Asylanträge gestellt.

  • Niedersachsen

    In Niedersachsen stellten 10.003 Menschen im Januar bis Juni 2017 einen Antrag auf Asyl.

  • Rheinland-Pfalz

    In Rheinland-Pfalz beantragten 2017 bislang 7.610 Menschen Asyl.

  • Hessen

    In Hessen stellten in den ersten sechs Monaten 2017 7.508 Bewerber einen Asylantrag.

  • Berlin

    In Berlin wurden von Januar bis Juni 2017 5.535 Anträge auf Asyl gestellt.

  • Sachsen

    Bis Mitte 2017 stellten 4.205 Menschen einen Asylantrag in Sachsen.

  • Schleswig-Holstein

    3.346 Asylanträge verzeichnet Schleswig-Holstein für die ersten sechs Monate 2017.

  • Sachsen-Anhalt

    Einen Asylantrag in Sachsen-Anhalt stellten bis Juni 2017 3.304 Menschen.

  • Brandenburg

    Asyl in Brandenburg beantragten in der ersten Jahreshälfte 3.162 Menschen.

  • Thüringen

    In Thüringen wurden in den Monaten Januar bis Juni 2017 3.049 Asylanträge gestellt.

  • Hamburg

    In Hamburg stellten bis Ende Juni 2017 2.633 Menschen einen Antrag auf Asyl.

  • Mecklenburg-Vorpommern

    In Mecklenburg-Vorpommern stellten 2.104 Menschen einen Asylantrag (Januar bis juni 2017).

  • Saarland

    Bis Juni 2017 stellten im Saarland 1.538 Menschen einen Asylantrag.

  • Bremen

    In Bremen beantragten bis Ende Juni 1.192 Menschen Asyl.

  • Unbekannt

    Bei 94 Asylanträgen bis Mitte 2017 ist das Bundesland, in dem der Antrag gestellt wurde, anscheinend unbekannt.

Es bestehe dringender Handlungsbedarf, warnt der Experte, weil private Sicherheitsdienste immer bedeutsamere Aufgaben für die Sicherheit und Ordnung übernähmen - insbesondere in den spezialgesetzlich geregelten Bereichen wie bei der Luftsicherheit, der Bundeswehr, bei kerntechnischen Anlagen sowie im Öffentlichen Personennahverkehr. Einige Zahlen verdeutlichen das: Nach BDSW-Schätzung waren 2014 bundesweit 4000 Unternehmen im Sicherheitsgewerbe gemeldet; im selben Jahr erwirtschafteten deren 214.284 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von rund 5,43 Milliarden Euro.

Nur ein Jahr später wurden 235.000 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz von sieben Milliarden Euro gezählt. Nur wenige Mittelstandsunternehmen sind bundesweit präsent. „Wir gehen davon aus, dass die durchschnittliche Unternehmensgröße bei 100 bis 150 Beschäftigten liegt“, berichtet Ernst Steuger, der seit über 25 Jahren in leitenden Funktionen in der privaten Sicherheitswirtschaft tätig ist. 

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