Das Geschäft mit Umzügen: Wo der Wohnungswechsel die Kasse klingeln lässt

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Das Geschäft mit Umzügen: Wo der Wohnungswechsel die Kasse klingeln lässt

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Jeder Vierte holt sich beim Umzug professionelle Hilfe ins Haus.

von Sebastian Schaal

Neun Millionen Deutsche ziehen jedes Jahr um, dabei geben sie 6,9 Milliarden Euro aus. Vom Geschäft mit Umzügen profitieren nicht nur Möbelpacker – sondern auch junge Start-ups.

Auf der Treppe zwischen dem zweiten und dritten Stock passiert es: Der Boden des Umzugskartons gibt nach, Teller und Tassen – obwohl sorgfältig in Zeitungspapier eingewickelt – überstehen das Unglück nicht. Auch wenn es nicht Omas Erbstücke sind, der Ärger mitten im Umzugsstress sitzt tief.

Abhilfe für dieses Problem verspricht Oliver Mund. Der 34-jährige Unternehmer vermietet zusammen mit seinem Geschäftspartner Vasily Wenzel grüne Umzugskisten aus Kunststoff. „Der Boden von Pappkisten ist nicht belastbar und die Griffe können reißen. Bei Regen oder sogar in feuchten Kellern werden sie durchlässig“, sagt Mund. Seine „Turtle-Boxen“, so auch der Name des Start-ups, seien langlebig, stapelbar und vor allem stabil.

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Fakten aus der Umzugsstudie

  • Planung

    „Zwei von fünf Personen wollen ihren nächsten Umzug besser planen als den zurückliegenden.“

    Quelle: Umzugsstudie 2014 der Umzug AG

  • Anzahl der Personen

    „Jeweils ein gutes Drittel der Umziehenden zieht entweder allein oder zu zweit um.“

  • Wohnung oder Haus?

    „Sieben von zehn der Befragten wohnen derzeit in einer Wohnung, jeder fünfte bewohnt ein Haus.“

  • Miete oder Eigentum?

    „Von den Umzugsplanern wollen 14 Prozent aus der Miete in Eigentum ziehen.“

  • Jahreszeit

    „Wer umgezogen ist, hat das überwiegend im Februar und März getan.“

  • Baumarktbesuche

    „Tendenziell nimmt die Zahl der Baumarktbesuche nach dem Umzug zu. In den folgenden drei Monaten nach dem Einzug gibt jeder Zweite an, zwischen dreimal und zehnmal einen Baumarkt aufzusuchen.“

  • Umzugswagen

    „„Sehr gut“ sind 29 Prozent mit der Reservierung und Anmietung eines geeigneten Umzugswagens zufrieden. Die Note „gut“ vergaben hier immerhin 46 Prozent.“

  • Anbieterwechsel

    „In punkto Anbieterkündigung veranlasst durch den Ortswechsel liegen Energieanbieter an der Spitze mit Strom (37 Prozent) und Gas (19 Prozent).“

  • Umzugsfirmen

    „59 Prozent wählen Suchmaschinen für die Suche nach geeigneten Umzugsfirmen. 42 Prozent wurden auf diesem Weg auch fündig. Ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis steht ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt von den Möglichkeiten, mit dem Umzugsunternehmen persönlich in Kontakt treten zu können.“

  • Handwerker

    „Befragt nach dem nächsten Umzug sieht ein Drittel vor, die anfallenden Renovierungsarbeiten von fachmännischer Hilfe erledigen zu lassen.“

  • Hausrat

    „Das zu transportierende Umzugsgut wird im Vorfeld kritischen Prüfungen unterzogen. 44 Prozent sehen den Wohnungswechsel als ideale Gelegenheit an, den eigenen Hausrat umfassend zu entrümpeln. Teilweise entrümpelt haben weitere 44 Prozent. Lediglich sechs Prozent verzichten ganz darauf.“

  • Finanzierung

    „Umzugsplaner gehen bei den nachfolgenden Investitionen zu 17 Prozent von einer Kreditaufnahme aus, um die Ausgaben in der neuen Wohnung zu finanzieren.“

Für eine Box verlangen die beiden Jung-Unternehmer 1,75 Euro pro Woche, mit längerer Mietdauer oder größeren Mengen sinkt dieser Betrag. Damit liegt der Preis für die grünen Kunststoffboxen nur knapp über dem für Standard-Kartons aus brauner Pappe – hier werden im Schnitt rund 1,50 Euro fällig.

Neun Millionen Deutsche ziehen jedes Jahr um

Nach der Bestellung per Telefon oder Internet werden die Boxen zu einem vereinbarten Termin an der Haustüre abgeliefert und später an der neuen Adresse wieder abgeholt. „Die meisten Kunden sehen es nach einem Umzug sogar positiv, dass sie ein wenig Druck haben, alles schnell wieder auszupacken“, sagt Mund. Gegen Aufpreis wird auch ein Rollgestell passend zu den Boxen mitgeliefert, damit auch das Kistenschleppen der Vergangenheit angehört – vorausgesetzt, es ist keine Treppe im Weg.

Mit Umzügen Geld verdienen zu wollen: Keine schlechte Idee, wie die Zahlen der Umzugsstudie 2014 des Marktanalyseinstituts Umzug AG zeigen. Demnach ziehen über neun Millionen Bundesbürger pro Jahr um. Das entspricht immerhin 14 Prozent der deutschen Bevölkerung über 18 Jahre.

Was ein Wohnungswechsel kostet

  • Direkte Umzugskosten

    862 Euro im Schnitt

    Quelle: Umzugsstudie 2014 der Umzug AG

  • Umzugsnahe Kosten

    1.133 Euro

  • Renovierungsarbeiten in der alten Wohnung

    503 Euro

  • Investitionen in die neue Wohnung

    1.750 Euro

Und die lassen sich ihren Wohnungswechsel einiges kosten: Jährlich geben die Deutschen rund 6,9 Milliarden Euro rund um den Umzug aus – also Renovierungsarbeiten, neue Möbel, den angemieteten Transporter oder professionelle Umzugshelfer.

Die Studie ermittelte folgende Durchschnittskosten für Deutschland: 862 Euro direkte Umzugskosten, 1133 Euro umzugsnahe Ausgaben, 503 Euro für Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung und 1750 Euro für Investitionen, die unmittelbar aus Ausgaben nach dem Einzug abzuleiten sind.

„Nahezu jeder versucht, beim Umzug Kosten einzusparen“, sagt Jorg Mühlenberg von der Umzug AG. Daher ziehen ihm zufolge drei von vier Personen mit privater Hilfe um. Nur rund ein Viertel lässt sich von Umzugsunternehmen helfen. „Wer älter als 40 Jahre ist oder mit mehr als drei Personen umzieht, greift deutlich häufiger auf Umzugsunternehmen zurück“, sagt Mühlenberg.

Freunde sind Umzugshelfer Nummer eins

Bei jüngeren Umzugswilligen fehlt jedoch oft das Geld, um professionelle Packer zu engagieren. 15 Prozent der 30- bis 39-Jährigen geben laut der Studie finanzielle Engpässe während des Umzugs an, acht Prozent der Befragten mussten für die neue Wohnung sogar einen Kredit aufnehmen. 81 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ziehen nur mit Hilfe von Freunden, Bekannten oder Kommilitonen um – und „bezahlen“ mit einer Kiste Bier oder tatkräftiger Beteiligung beim Umzug einer der Helfer.

Gerade bei jungen Leuten könnten die Helfer besonders häufig auf dieses Angebot zurückkommen - denn unter-39-Jährige sind für die Hälfte aller Umzüge verantwortlich. Zum Studienbeginn, nach der Abschlussarbeit oder dem Ablauf eines befristeten Vertrags will oder muss man in eine andere Stadt ziehen.

„Für die Mehrheit der Befragten steht ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis an der ersten Stelle“, sagt Claudia Frese von dem Internetportal MyHammer, das die Umzugsstudie mit initiiert hat. „Die häufigsten Umziehenden sind junge Ein-Personen-Haushalte oder Familien, deren Raumbedarf und Lebensumstände sich durch die Geburt von Kindern verändern.“

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