Datenschutz-Verstöße: Wie Unternehmen ihre Kunden bespitzeln

Datenschutz-Verstöße: Wie Unternehmen ihre Kunden bespitzeln

von Jan Willmroth

Europcar hat Kunden ohne deren Wissen per Satellit verfolgt. Der Autovermieter ist nur das jüngste Beispiel: Längst wissen Unternehmen mehr über ihre Kunden, als denen lieb ist. Wenn es ums Datensammeln geht, werden sie zunehmend kreativ.

Wer bei Europcar bis vor kurzem einen teuren Wagen à la S-Klasse mietete, wurde verfolgt. Seit mindestens acht Jahren. Die Autovermietung mit Sitz in Hamburg hatte 1300 hochwertige Karossen mit Ortungssystemen ausgestattet. Offiziell habe das Unternehmen seine Autos damit vor Diebstählen schützen wollen, erklärte Europcar. Unangenehmer Nebeneffekt: Ohne Anlass und ohne das Wissen der Kunden ortete eine Firma aus Schleswig-Holstein im Auftrag des Unternehmens alle 48 Stunden, wo sich ein Wagen befand.

Dafür muss Europcar nun Strafe zahlen: Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar verkündete am Dienstag ein Bußgeld von 54.000 Euro. Mit der Ortung sei es dem Autovermieter möglich gewesen, Bewegungsprofile seiner Kunden zu erstellen, kritisierte Caspars Behörde. "Die heimliche Ortung von Mietfahrzeugen und die heimliche Kontrolle der Mieter stellen einen schweren Eingriff  in deren Persönlichkeitsrecht dar", begründete Caspar das Bußgeld.

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Kreativ den Kunden bespitzeln

Mit diesem Fall hat Europcar vorgemacht, wie Unternehmen heutzutage Kundendaten sammeln. Und das mit einer "rein defensiven Maßnahme", wie die Mietwagenfirma beteuert. Angesichts immer neuer Möglichkeiten, ihre Kunden zu überwachen, werden Konzerne zunehmend kreativ. Denn die Daten sind wertvoll, seien es Bewegungsprofile bei Autovermietungen, Einkaufsprofile von Payback-Kunden oder Surfprofile von Internetnutzern.

Oder persönliche Vorlieben, auf die British Airways nun aus ist. Die Fluglinie will künftig bei Google nach Fotos ihrer Fluggäste suchen, damit ihre Mitarbeiter sie am Flughafen direkt ansprechen können. British Airways machte daraus kein Geheimnis: Das Programm ist Teil der Initiative "Know me", mit der das Unternehmen die "Kundenerfahrung persönlicher machen will". So will die Fluggesellschaft auch die Daten über Kunden und deren Flüge auswerten, um sich etwa für zu späte Flüge zu entschuldigen, wenn ein Kunde nochmal mit der Airline fliegt. "Das ist erst der Anfang - dises System bietet Tausende neue Möglichkeiten für die Zukunft", verkündete Jo Boswell, Leiter der Kundenanalyse bei British Airways.

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Schon Ende des Jahres will die Fluglinie rund 4.500 Nachrichten mit Kundeninformationen auf die iPads ihrer Service-Mitarbeiter schicken oder die Kollegen an den Check-In-Schaltern über das Computersystem informieren. Datenschützer kritisierten das Vorhaben. Die Bloggerin Emma Carr wunderte sich im Namen der Organisation "Big Brother Watch", warum British Airways seine Kunden nicht einfach um mehr Informationen bittet und es ihnen selbst überlässt, was sie preisgeben. Die Kritik: Der Kunde habe in Fällen wie diesem keine Ahnung, welche Daten ein Unternehmen über ihn sammelt.

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