Deniz Yücel: Springer-Chef Mathias Döpfner schreibt Dax-Chefs

Der Fall Deniz Yücel: Springer-Chef Döpfner bittet Dax-Chefs um Solidarität

, aktualisiert 17. September 2017, 16:43 Uhr
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Der Vorstandsvorsitzende des Medienunternehmens Axel Springer SE, Mathias Döpfner

von Matthias Kamp, Peter Steinkirchner, Astrid Maier und Jürgen Salz

In einem Brief an die Vorstandsvorsitzenden aller Dax-Konzerne hat Springer-Chef Mathias Döpfner um Unterstützung bei der Freilassung des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel gebeten. Hier Auszüge aus dem Schreiben.

Springer-CEO Mathias Döpfner hat sich in einem ungewöhnlichen Schreiben an die Chefs aller Dax-Konzerne gewandt. Döpfner wirbt in dem persönlich an die Vorstandsvorsitzenden gerichteten Brief um Solidarität für die in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu sowie den Menschenrechtler Peter Steudtner. Yücel arbeitete vor seiner Verhaftung als Korrespondent für die WeltN24-Gruppe, die zum Springer-Konzern gehört.

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In dem Brief will der Springer-Vorstand die Unternehmen dafür gewinnen, in türkischen Medien Anzeigen zu schalten und sich so gegen die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu positionieren. "Die Botschaft soll einfach und deutlich sein: Rechtsstaatlichkeit, die Wahrung von Grundrechten und Pressefreiheit sind essentiell für den Standort Türkei. Fehlen diese demokratischen Grundlagen, leidet die Wirtschaft", schreibt Döpfner an die führenden Manager Deutschlands.

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Döpfner wolle mit der Aktion die Bemühungen der Bundesregierung um eine Freilassung der Inhaftierten unterstützen, schreibt er in dem Brief weiter. Er argumentiert, dass wirtschaftlicher Druck auf die Türkei wirke. "Das hat die Reaktion der türkischen Regierung auf den verschärften Reisehinweis von Außenminister Gabriel gezeigt", heißt es in dem Schreiben. Die Anzeige werde dabei "kein Statement gegen die Türkei. Sondern eines für die Werte, die wirtschaftlichen Erfolg ermöglichen.“ In einem Entwurf der Anzeige an "Liebe Bürgerinnen und Bürger der Türkei" heißt es zudem: "Wir fordern die türkische Justiz deshalb auf, zu Unrecht Inhaftierte freizulassen." Um Boykotte soll es bei der Aktion aber offenbar nicht gehen.

Der Springer-Konzern nimmt am Sonntag erstmals schriftlich Stellung zu dem Schreiben: "Die Axel Springer SE setzt sich ein für die Freilassung des WELT-Korrespondenten Deniz Yücel und die der weiteren deutschen politischen Gefangenen in der Türkei. Deniz Yücel ist ungewollt die Symbolfigur für die Abkehr der Türkei von freiheitlichen und demokratischen Werten geworden." Springer bestätigt, dass die Axel Springer SE derzeit plane, gemeinsam mit anderen deutschen Unternehmen eine Anzeige in türkischen Medien zu veröffentlichen. Von einigen dieser Unternehmen gäbe es bereits positive Resonanz.

Weiter heißt es: "Die Bundesregierung unterstützt diese Initiative, und wir hoffen sehr, dass genügend deutsche Unternehmen, deren Erfolg auf freiheitlichen Werten beruht, die Anzeige inhaltlich unterstützen. Die Anzeige richtet sich nicht gegen die Türkei oder die türkischen Bürger." Die Botschaft sei einfach, klar und deutlich: Rechtsstaatlichkeit, die Wahrung von Grundrechten und Pressefreiheit sind essentiell für den Wirtschaftsstandort Türkei. Fehlen diese demokratischen Grundlagen, leide die Wirtschaft.

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Das Echo bei den Konzernen auf den Brief ist nach Recherchen der WirtschaftsWoche bisher gemischt. Vor allem Unternehmen, die Beschäftigte in der Türkei haben, sind zögerlich. Beim Münchner Versicherer Allianz etwa heißt es, man habe den Brief erhalten, werde sich aber nicht an der Kampagne beteiligen. Die Allianz hat große Unternehmensaktivitäten in der Türkei. "Wir wollen unsere Mitarbeiter nicht in Gefahr bringen", heißt es aus dem Unternehmen. Der Konzern aus München ist der größte Versicherer des Landes. Vor vier Jahren hatte die Allianz den Finanzdienstleister Yapi Kredi Sorga übernommen.

Beim Münchner Rückversicherer Munich Re sei man noch "bei der Meinungsbildung", heißt es. Sobald man entschieden habe, ob man sich an der Springer-Kampagne beteiligt, werde man dies Döpfner mitteilen. Bei einem weiteren Dax-Unternehmen zeigte man sich zudem über die Art des Vorgehens überrascht. In der Regel würde bei solchen Aktionen "vorgefühlt". Dies habe Döpfner nicht getan. Es sei "schwierig, sich als deutsche Wirtschaft in die Angelegenheit einzumischen". Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Man wolle die Bitte eingehend prüfen.

Deniz Yücel ist seit Anfang des Jahres in der Türkei inhaftiert. Er arbeitete dort als Korrespondent. Die Dolmetscherin und Journalistin Mesale Tolu wurde Ende April verhaftet, mit ihr im Gefängnis ist auch ihr zweijähriger Sohn. Peter Steudtner, der als Dokumentarfilmer arbeitet, wurde im Juli von der Polizei festgenommen. Die türkische Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft ihnen vor, Terroristen zu sein oder Terrorismus zu unterstützen. Die Bundesregierung sowie die EU setzen sich für die Freilassung der drei Inhaftierten ein.

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