Deutsche Bahn-Chef: Grube: "Wir stehen pausenlos zu Unrecht am Pranger"

InterviewDeutsche Bahn-Chef: Grube: "Wir stehen pausenlos zu Unrecht am Pranger"

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Bahnchef Rüdiger Grube findet die Idee gut, Vorstands-Boni künftig an die Pünktlichkeit der Züge zu koppeln.

von Christian Schlesiger und Reinhold Böhmer

Der Chef der Deutschen Bahn wehrt sich gegen den Vorwurf schlechter Qualität, hofft auf Milliarden vom Bund und kritisiert die verspätete Auslieferung neuer Züge.

WirtschaftsWoche: Herr Grube, die große Koalition will die Vorstands-Boni künftig an die Pünktlichkeit der Züge koppeln. Fürchten Sie bald ein dickes Loch im Portemonnaie?

Rüdiger Grube: Nein, ich finde die Idee klasse. Reisende erwarten pünktliche Züge und reibungslose Umsteigeverbindungen. Daran lassen wir uns gerne messen. Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Pünktlichkeit lässt sich nur mit einer leistungsfähigen und verlässlichen Infrastruktur mit ausreichend Zügen erreichen. Für die Infrastruktur benötigen wir jedoch deutlich mehr Geld vom Bund als bisher.

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Zur Person

  • Rüdiger Grube

    Grube, 62, ist seit 2009 Chef der Deutschen Bahn. Den Konzernumsatz will er bis 2020 verdoppeln. Wegen der Konjunktur, der Elbeflut und Vorgaben aus Brüssel kommt er diesem Ziel 2013 nicht näher.

Union und SPD haben höhere Investitionen zugesagt. Mit wie viel rechnen Sie?

Wir brauchen 1,2 Milliarden Euro mehr pro Jahr für das bestehende Schienennetz. Ebenfalls zu diesem Ergebnis kommen mehrere Kommissionen. Wir sind keine lästigen Kostgänger, sondern sichern Mobilität. Allein ein Drittel unserer 3397 Stellwerke stammt noch aus Kaiserzeiten. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren. Im Bahnland Japan sind es 19 Jahre. Die haben alle mechanischen und elektromechanischen Stellwerke durch computergesteuerte ersetzt. In Deutschland hingegen bestehen Stellwerke zum Teil aus 130 unterschiedlichen Baumustern.

Zur Finanzierung schlagen Sie einen Schienenfonds außerhalb des Konzerns vor, der das Geld für Bauprojekte unter der Kontrolle von Finanz- und Verkehrsministerium verwaltet. Wollen Sie mit der Trennung light Kritiker mundtot machen?

So ein Quatsch. Wir schaffen absolute Transparenz, indem wir die gesamten Gewinne aus der Infrastruktursparte und einen Teil der Dividende in einen Fonds packen, der beim Bund angesiedelt ist. Aus diesem Fonds fließen die Gelder dann wieder eins zu eins in die Infrastruktur zurück. Natürlich entkräften wir damit auch das Argument der Kritiker, die eine Zerschlagung der Deutschen Bahn fordern. Wir stehen pausenlos zu Unrecht am Pranger, weil wir angeblich so viel Geld in der Netz AG verdienen und damit Terminals in China kaufen. Das ist nachweislich die Unwahrheit. Ich bin froh, dass sich zwei Koalitionäre am Tisch gegenüber sitzen, die sich klar für den integrierten Konzern einsetzen.

Zeigen sich jetzt die teuren Folgen für die Fehler Ihrer Vorgänger, den Konzern an die Börse zu bringen?

Vor fünf Jahren ging man davon aus, dass der Aufwand für die Instandhaltung des Bestandsnetzes über die Jahre abnimmt. Das war eine Fehleinschätzung. Der Bund stellt zwar jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro für Ersatzinvestitionen bereit. Hinzu kommen zwei Milliarden Euro Eigenmittel der Deutschen Bahn. Wegen Inflation steht uns in der Realität aber immer weniger Geld zur Verfügung. Wir haben heute einen Investitionsstau von knapp 30 Milliarden Euro. Ändert sich nichts, wird der Mangel größer.

Auch Brücken gelten als sanierungsreif. Droht bald die erste Brückensperrung wie in diesem Jahr bei den Autobahnen?

Ja, leider sind wir nicht mehr weit davon entfernt. Im Schnitt hält eine Brücke 100 Jahre lang. Fast jede dritte der 25.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland ist aber älter. Bei 1400 Brücken besteht dringender Sanierungsbedarf. Mit der derzeitigen Finanzausstattung schaffen wir pro Jahr aber nur 125 Brücken. Das Geld reicht nicht. Und die Folgen einer Sperrung wären dramatisch. Wir haben das durchgerechnet.

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