Deutsche Bahn: Die Baustellen des Rüdiger Grube

Deutsche Bahn: Die Baustellen des Rüdiger Grube

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Bahn-Chef Rüdiger Grube auf einer Baustelle

von Christian Schlesiger und Reinhold Böhmer

Weniger Gewinne durch die Fernbusse, defizitäre Güterzüge, eine Schelte von den Wirtschaftsprüfern: Nach sechs Jahren an der Konzernspitze muss Rüdiger Grube die Deutsche Bahn wieder auf Kurs bringen. Neue Züge und Strecken sowie eine geänderte Strategie im Fernverkehr sollen mehr Wettbewerbsfähigkeit bringen.

Es sollte einer dieser Termine werden, die Rüdiger Grube so gerne wahrnimmt. Small Talk hier, Small Talk da, kleine Scherze, gute Stimmung. Der Chef der Deutschen Bahn tingelte auf der Tourismusbörse in Berlin über den konzerneigenen Messestand. „Will jemand eine Currywurst“, fragt er die Mitarbeiter.

Einer von ihnen ist Felix Pauli. Er kam 2005 gleich nach dem Wirtschaftsstudium zur Bahn und leitet heute eine Abteilung der Vertriebssparte. Er liebt es, Bahn zu fahren, ist aber unzufrieden. „Wie sieht denn nun die neue Fernverkehrsstrategie aus“, fragt er seinen obersten Chef. Dazu dürfe er noch nichts sagen, antwortet Grube. „Wir würden uns freuen, wenn wir endlich aus der defensiven Haltung auf Angriff schalten würden“, entgegnet Pauli. Darauf scheint Grube nur gewartet zu haben. „Machen wir“, sagt er, „volle Pulle.“

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Das Geschäftsjahr 2014 der Deutschen Bahn

  • Das Geschäftsjahr 2014...

    Das Geschäftsjahr 2014 der Deutschen Bahn im Vergleich zum Vorjahr und zur Konzernplanung.

    Quelle: PwC, Deutsche Bahn

  • Schienenpersonenverkehr

    2014: 79,8 Milliarden Personenkilometer

    Veränderung zu...

    2013: -0,7 Prozent

    Plan: -2,3 Prozent

    Quelle: PWC, Deutsche Bahn

  • Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr

    2014: 102,8 Milliarden Tonnenkilometer

    Veränderung zu...

    2013: -1,4 Prozent

    Plan: -2,8 Prozent

  • Umsatz

    2014: 39,7 Milliarden Euro

    Veränderung zu...

    2013: +1,5 Prozent

    Plan: k. A.

  • Eigenkapitalquote

    2014: 26 Prozent

    Veränderung zu...

    2013: -7,8 Prozent

    Plan: -15 Prozent

  • Operativer Gewinn nach Zinsen, vor Steuern

    2014: 1,3 Milliarden Euro

    Veränderung zu...

    2013: -7,8 Prozent

    Plan: -6,2 Prozent

Der Geist, den Grube vor wenigen Tagen aus der Flasche zu lassen versprach, kommt einem Befreiungsschlag gleich und ist das wichtigste Projekt seiner bisherigen sechsjährigen Amtszeit. Wenn am kommenden Mittwoch der Aufsichtsrat zur regulären Frühjahrssitzung zusammenkommt, will Grube dem Gremium endlich die lang erwartete neue Strategie für den Schienenpersonenfernverkehr vorstellen. Kern: ICEs und Intercitys sollen angreifen und der Konkurrenz der Fernbusse Paroli bieten, neue Züge, zusätzliche Verbindungen und kürzere Takte die Attraktivität des Angebots auf langen Strecken deutlich heben. Grube will dafür sorgen, dass in Deutschland wieder positiv über den Staatskonzern geredet wird.

Der Erfolg des Projektes ist für den Bahn-Chef elementar und entscheidet darüber, ob die Politiker den Vertrag des 63-Jährigen 2017 verlängern werden. Denn seit Grube 2009 die Herrschaft über die rund 300.000 Eisenbahner übernahm, hat sich das Geschäft unterm Strich deutlich eingetrübt und im vergangenen Jahr eine bedenkliche Entwicklung genommen. Das zeigen interne Unterlagen der Bahn für den Aufsichtsrat, die der WirtschaftsWoche vorliegen:

  • Galt das Geschäft mit den ICEs und Intercitys zu Grubes Amtsantritt als sichere Bank und ertragreiches Wachstumsfeld, hat sich die Perspektive in den vergangenen 24 Monaten grundlegend gedreht. Schuld daran ist der Erfolg der Fernbusse und Mitfahrzentralen. Der ließ im vergangenen Jahr nicht nur den Umsatz der Fernverkehrssparte gegenüber dem Vorjahr und gegenüber der Konzernplanung sinken. Vor allem brach deren operatives Ergebnis nach Zinsen und vor Steuern ein, um gut ein Drittel auf 212 Millionen Euro. Auch im Januar war keine Besserung in Sicht, wie Bahn-interne Unterlagen zeigen.
  • Mit dem Gewinneinbruch ging eine gewaltige Vernichtung von Unternehmenswert einher. Hätte die Bahn ihre Fernverkehrssparte im vergangenen Jahr verkaufen wollen, hätte sie dafür nach vertraulichen Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) 2,6 Milliarden Euro weniger eingenommen als im Vorjahr.

Operatives Ergebnis ausgewählter Sparten der Deutschen Bahn nach Zinsen

  • Schienenpersonenfernverkehr

    2014: 212 Millionen Euro

    Veränderung zu...

    2013: -35 Prozent

    Plan: -43 Prozent

    Quelle: PWC, Deutsche Bahn

  • Schienenpersonennahverkehr

    2014: 794 Millionen Euro

    Veränderung zu...

    2013: +8 Prozent

    Plan: -6 Prozent

  • Schienengüterverkehr

    2014: -41 Millionen Euro

    Veränderung zu...

    2013: -28 Prozent

    Plan: k. A.

  • Schienennetz

    2014: 208 Millionen Euro

    Veränderung zu...

    2013: -22 Prozent

    Plan: k. A.

  • Personenbahnhöfe

    2014: 195 Millionen Euro

    Veränderung zu...

    2013: +8 Prozent

    Plan: k. A.

  • Auch 2014 ist es der Bahn nicht gelungen, ihre Güterzüge mit Gewinn zu betreiben, im Gegenteil. Der Verlust nach Zinsen und Steuern nahm auf 41 Millionen Euro zu, fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • In seltener Direktheit musste Grube eine Schelte von PwC einstecken, über die der Aufsichtsrat am kommenden Mittwoch diskutieren wird. Die Wirtschaftsprüfer monieren, dass die Bahn entgegen sonstiger Gepflogenheiten keine Mittelfristplanung vorgelegt habe, und warnen indirekt vor weiteren Verlusten beim Unternehmenswert.

Vor diesem Hintergrund weiß Grube, dass er liefern und aus dem Tief herauskommen muss. „Wir starten eine große Angebotsoffensive“, kündigte er gegenüber der WirtschaftsWoche am Rande der Tourismusmesse ITB an. „Wir wollen mehr Reisende denn je auf die Schiene holen.“

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