Deutsche Bahn: Dobrindt drängt Bahn ins Online-Zeitalter

Deutsche Bahn: Dobrindt drängt Bahn ins Online-Zeitalter

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Demnächst soll die Bahn WLAN auch in Nahverkehrszügen anbieten

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn führt in diesem Jahr kostenloses WLAN in der zweiten Klasse ein. Der Schritt ist überfällig. Und er kommt, weil es ein Minister es so wollte.

Die Worte von Bahnchef Rüdiger Grube lassen erahnen, dass es zwischen ihm und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nicht immer harmonisch zugeht. "Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie nicht locker lassen", sagte Grube heute Morgen bei der Vorstellung der Digitalisierungsstrategie der Deutschen Bahn in Berlin. Dankbar dafür, "dass Sie auch unangenehm sein können, wenn es etwa um WLAN im Zug geht".

Die Bahn stellte 150 Ideen "zum Wohle des Kunden" vor. Dazu gehörte die Fortentwicklung des DB Navigators, die Verknüpfung von Zug und Carsharing, WLAN am Bahnhof und digitale Fahrplanunterstützung. Das alles ist nicht revolutionär, das meiste auch schon bekannt. Spannender war deshalb das Bild, das Grube und Dobrindt voneinander zeichneten.

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Denn es muss öfters mal gerauscht haben zwischen den beiden. Ganz offenbar hat es Dobrindt als Vertreter des Bundes geschafft, den hundertprozentigen Staatskonzern in Bewegung zu bringen. Nach der Bundestagswahl 2013 und damals frisch im Amt wurde er noch für seine Thesen belächelt, die Bahn solle endlich funktionierendes WLAN im Zug anbieten. Doch das Thema war draußen. Heute gibt Grube zu, dass die Bahn erst vor zwei Jahren begonnen habe, die Digitalisierung ernst zu nehmen. Der Bahnchef bezeichnete Dobrindt als "Antreiber".

Die wichtigsten Baustellen der Bahn 2015

  • S-Bahn Berlin

    Von Mitte Januar bis Anfang Mai wird auf der Nord-Süd-Verbindung der Oberbau, die Leit- und Sicherungstechnik und der Tunnel unter die Lupe genommen. In dieser Zeit ist die Strecke zwischen Gesundbrunnen und Yorkstraße gesperrt. Von Ende August bis Ende November wird außerdem eine Brückenkonstruktion am erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof saniert. Fernzüge halten dann im unteren Teil des Kreuzungsbahnhofs.

  • Hannover-Göttingen

    Mitte Mai sollen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwölf Weichen erneuert werden. Während der Bauzeit wird die Strecke gesperrt. Der Fernverkehr wird von Hannover über die alte Strecke nach Göttingen umgeleitet. Das dauert 30 Minuten länger.

  • Köln-Frankfurt

    Von Mitte April bis Mitte Mai werden auf der ICE-Strecke 44 Kilometer Schienenstrang ausgewechselt. Dazu wird die Strecke durch den Westerwald an vier Wochenenden gesperrt. Die Züge werden dann am Rhein entlang fahren. Die Fahrzeit verlängert sich um 60 Minuten.

  • Köln-Aachen

    Die Strecke bekommt von Ende Juni bis Mitte August auf 22 Kilometern neue Gleise. Fernzüge fahren einen Umweg über Venlo und brauchen dafür 45 Minuten länger. Auf der Route Köln-Siegen werden im gleichen Zeitraum 35 Kilometer Gleise renoviert. Davon sind in der Bauzeit 77 Nahverkehrszüge betroffen, die durch Busse ersetzt werden.

  • Mannheim-Stuttgart

    Von Mitte September bis Ende Oktober werden auf der Schnelltrasse Gleise und Weichen ausgetauscht. Dafür wird die Strecke zwischen Kraichtal und Stuttgart-Zuffenhausen zeitweise gesperrt. Die Umleitung über die alte Strecke kostet 40 Minuten Fahrzeit.

  • Nürnberg-Ansbach

    Von Anfang März bis April wird ein zehn Kilometer langer Streckenabschnitt saniert. Zeitweise ist eine Sperrung nötig. Die Fernzüge der Linie Nürnberg-Karlsruhe werden über Treuchtlingen umgeleitet. Das dauert 40 Minuten länger als sonst.

  • München-Ingolstadt

    Auf dieser Route wird voraussichtlich noch bis August 2015 die Schienentechnik erneuert, damit Züge künftig dort mit Tempo 200 fahren können. Dabei muss ein alter Damm saniert, Gleise erneuert und neue Signalkabel verlegt werden. Ein Teil der Fernzüge muss über Augsburg umgeleitet werden. Das führt zu einer 30 Minuten längeren Fahrzeit.

Solche Worte lassen tief blicken. Sie sind ein Eingeständnis, dass die Bahn den Trend zu Smartphone und Tablets verschlafen hat. Die Fernbusse waren plötzlich auf der Straße und boten kostenloses WLAN an. Die Bahn zog nach. Dobrindt hatte mit seiner Penetranz, kostenloses WLAN zu fordern, einen guten Riecher.

Und nun soll auch der nächste Schritt kommen: WLAN in Nahverkehrszügen. Dobrindt weiß, dass er das nicht par ordre du mufti umsetzen kann. Er braucht die Länder, die den Nahverkehr bestellen. Die dürften dafür mehr Geld fordern. Dobrindt hingegen weist auf die laufenden Verhandlungen zu den Regionalisierungsmitteln. Irgendwas zwischen sieben und acht Milliarden Euro würden schon dabei rum kommen. "Damit sollte man in der Lage sein, die WLAN-Leistungen zu bezahlen."

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Dobrindt hat bei seinen Themen eine gute Antenne für das Volk. Bei der Maut mögen die Politikbeobachter motzen, die Leute mögen den Verstoß dennoch. Beim WLAN hat er auch so ein Thema entdeckt: Den Hunderttausenden Pendlern gehen die Funklöcher auf den Strecken gehörig auf die Nerven.

Bei der Ausschreibung der neuen Mobilfunkfrequenzen müssen sich die Telekommunikationsunternehmen verpflichten, einen Großteil der Schienenwege mit Mobilfunkempfang hochzurüsten. Die so genannte digitale Dividende, also die Einnahmen aus der Versteigerung, könnte am Ende auch auf das Sympathiekonto des CSU-Politikers einzahlen: Dobrindt, der WLAN-Minister.

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