Deutsche Bahn: In knapp vier Stunden von München nach Berlin

Deutsche Bahn: Die Baustellen des Rüdiger Grube

In knapp vier Stunden von München nach Berlin

Obwohl der Konzern die Details wie einen Schatz hütet, lassen sich Grundzüge der Strategie, die im Konzernumfeld kursieren, umreißen. So setze Grube nicht auf einen Hauruck-Kurs, sondern auf einen „Zeitstrahl“, heißt es. Ziel sei es, sukzessive ein Konzept umzusetzen, das noch in 10 bis 20 Jahren Bestand habe.

Grubes wichtigste Neuerung: Die neue Hochgeschwindigkeitsschnellstrecke zwischen Berlin und München, die beide Städte spätestens 2018 in knapp vier Stunden verbindet, wird als neue Nord-Süd-Magistrale in den Fahrplan integriert. Die Verbindung bietet dem Luftverkehr Paroli und ermöglicht ganz neue Optionen über den Umsteigebahnhof in Erfurt. Fahrgäste aus den Regionen Dresden und Frankfurt kommen zügiger nach Berlin und München. Schnellzüge sollen stündlich im Zeitfenster von etwa zehn Minuten in Erfurt einfahren, sodass Reisende von einem in den anderen ICE umsteigen können.

Neue Züge der Deutschen Bahn

  • ICx: Der Komfortable

    Die neuen ICx von Siemens erhalten eine Beleuchtung, die sich an Zeit und Außenstimmung anpasst. Zudem erlauben sie die Mitnahme von Rädern. Die ersten der 130 bestellten Züge kommen 2017. Investition: 5,3 Milliarden Euro. Pro Jahr liefert Siemens 20 Stück. Ein rund 200 Meter langer Zug besteht beim ICx aus sieben statt acht Wagen wie beim ICE. Das senkt Kosten und bringt mehr Sitzplätze. Siemens baut zwei Modelle: 345 und 202 Meter lang, Höchsttempo 249 und 230 Kilometer pro Stunde.

  • IC Dostock: Der Schlichte

    Die Doppelstockzüge von Bombardier kommen vor allem auf Nebenstrecken zum Einsatz. Anders als im Nahverkehr, wo sie bereits als Regionalexpress unterwegs sind, erhalten die 44 bestellten Dostocks das blaue Velours-Ambiente eines Intercity. Investition: 660 Millionen Euro. Es gibt keinen Schnickschnack: Sitzreihen und Toiletten sind enger, kein Bordrestaurant, stattdessen mobiler Gastro-Service. Betriebliche Vorteile: Die Züge sind in der Länge variabel und gelten als extrem verlässlich.

Gleichzeitig will Grube offenbar auch einzelne Verbindungen künftig häufiger bedienen. Die Bahn erwirtschaftet 25 Prozent des Umsatzes im Fernverkehr auf den Strecken von und nach Berlin, also etwa von und nach Hamburg oder Köln. Vor allem die Route Berlin–Ruhrgebiet gilt als ertragreiche Rosinenstrecke. Hier würde die Bahn gern mehr Züge losschicken, ließ Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg bereits durchblicken, am liebsten im Halbstundentakt, zumindest an stark frequentierten Tagen wie Freitag.

Regionen sollen besser bedient werden

Auch zusätzliche Sprinterzüge sind im Gespräch, die heute schon mit wenigen Stopps zwischen Berlin und Frankfurt, Köln und Hamburg sowie Hamburg und Frankfurt verkehren. Jeweilige Fahrzeit: rund 3,5 Stunden. Die Zeitersparnis von je knapp einer halben Stunde lässt sich die Bahn mit 11,50 Euro pro Fahrt bezahlen. Allerdings sind die Bahnhöfe in Köln, Frankfurt und Hamburg schon jetzt so frequentiert, dass sie nicht mehr viel zusätzlichen Verkehr und beliebige Abfahrtzeiten zulassen.

Das Herzstück der neuen Strategie aber liegt offenbar darin, dass die Bahn die Regionen außerhalb der großen Städte besser einbinden will. „Wir werden keine Bahnstrecken aufgeben“, sagte Grube vor Kurzem der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Wir entwickeln ein Konzept für einen anderen, keineswegs ausgedünnten Verkehr in der Fläche.“ Personenverkehrschef Homburg deutete bereits an, dass es ihm vor allem darum gehe, Verkehre intelligent zu vernetzen.

Hochgeschwindigkeitsstrecken der Deutschen Bahn

Bestehende und geplante Hochgeschwindigkeitsstrecken der Deutschen Bahn (Für eine vergrößerte Ansicht bitte klicken).

Vorbild könnte der Intercity von Bremen nach Norddeich Mole sein. Der vereint seit 2013 Fern- und Nahverkehr in Niedersachsen. Das heißt, Pendler können mit ihrem Nahverkehrsticket ohne Aufpreis in den Intercity steigen. Das Land erspart sich auf diese Weise, bei der Bahn Regionalverkehr zu bestellen, und überweist das Geld für das neue Angebot der Fernverkehrssparte. Im Gegenzug verbessert dies die Auslastung der Züge auf Nebenstrecken.

Mehr Haltestellen auf der Strecken Stuttgart-Zürich

Offenbar schwebt Grube und seinem Personenverkehrschef Homburg vor, diese sogenannte Mischfinanzierung deutschlandweit zu versuchen. So erhöht die Bahn von 2016 an zwischen Stuttgart und Zürich den Intercity-Takt von zwei auf eine Stunde und hält auf der 150 Kilometer langen Teilstrecke zwischen Stuttgart und Tuttlingen an zusätzlichen Orten. Das Land Baden-Württemberg verzichtet im Gegenzug auf die bisher verkehrende regionale Gäubahn und finanziert dafür die Intercity-Züge mit rund vier Euro pro Zugkilometer.

Wie der Erfolg der Fernbusse den Marktwert des Schienenpersonenfernverkehrs der Deutschen Bahn vermindert

Wie der Erfolg der Fernbusse den Marktwert des Schienenpersonenfernverkehrs der Deutschen Bahn vermindert (Für eine vergrößerte Ansicht bitte klicken).

Somit dürfen die Pendler aus Kleinstädten wie Böblingen, Horb und Rottweil künftig zuschlagfrei den Intercity benutzen. Von dem Konzept soll der neue Cheflobbyist der Bahn, Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU), die Landesregierungen überzeugen. Grube hatte die Personalie gegen heftigen Widerstand in Politik und Aufsichtsrat durchgesetzt und offenbar lange im Voraus geplant, dass er für diesen Job einen Polit-Profi wie Pofalla braucht.

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