Deutsche Bahn: Letzter Ausweg: Perlenverkauf

Deutsche Bahn: Letzter Ausweg: Perlenverkauf

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn steckt in einer tiefen Krise. Frisches Geld soll der Teilverkauf erfolgreicher Sparten bringen. Wie der Plan aussehen könnte.

Bahnchef Rüdiger Grube muss viel erklären in diesen Tagen. Dem Aufsichtsrat präsentiert er am Dienstag eine mega-schlechte Bilanz. Der Umbau des Staatskonzerns und Probleme im Güterverkehr haben das Unternehmen 2015 erstmals seit zwölf Jahren in die roten Zahlen gedrückt.

Nun will Grube einerseits sparen, zum Beispiel bei der Güterbahn DB Cargo, bei der 3500 Jobs und 500 Verladestationen auf der Kippe stehen. Anderseits muss Grube Milliarden investieren, um den Konzern wieder fit für die Zukunft zu machen. Das Geld für Investitionen soll zum Großteil über den Teilverkauf der Auslandstochter DB Arriva und der Spedition DB Schenker hereinkommen.

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Doch über die Details hüllte sich der Konzern bislang in Schweigen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche könnten die Verkaufspläne wie folgt aussehen:

Deutsche Bahn schließt mehrere Güterbahnhöfe 3500 Jobs bei der Bahn stehen auf der Kippe

Die Deutsche Bahn will ein Drittel ihrer Verladestellen im Güterverkehr streichen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Liste. In der Folge sollen rund 3500 Stellen in Deutschland wegfallen.

Eine Lokomotive von Railion von DB Logistics rangiert am Güterbahnhof in Kornwestheim. Quelle: dpa

Arriva und Schenker Logistics sollen jeweils zunächst in Paketen von 20 bis 25 Prozent verkauft werden. Der Teilverkauf erfolgt über den Kapitalmarkt. So soll die Auslandstochter Arriva über die London Stock Exchange veräußert werden, die Speditionstochter würde über die Deutsche Börse gehandelt. Ein Verkauf an Kleinaktionäre gilt jedoch als ausgeschlossen. Geplant sind Paketverkäufe an strategische Investoren. Die Pakete sollen jeweils so groß sein, dass die jeweiligen Unternehmen in wichtigen Aktienindices landen: Arriva im FTSE 250, Schenker im MDax.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche soll der Teilverkauf an Hedgefonds ausgeschlossen sein. Die würden nur versuchen, zu viel Einfluss auf die Strategie der Unternehmen auszuüben, heißt es aus Bahn-Kreisen. Zudem würden sich beide Unternehmen nicht in Krisensituationen befinden – das wäre ein typisches Betätigungsfeld von Hedgefonds. Darüber hinaus plant der Konzernvorstand, mit der Zeit weitere Pakete von Arriva und Schenker zu veräußern. Die Deutsche Bahn werde aber mittel- und langfristig die Mehrheit behalten.

In den Aufsichtsratsgremien stößt das auf ein geteiltes Echo. Es gibt nicht wenige, die sich einen Komplettverkauf vorstellen können. Vor allem die Auslandstochter Arriva gilt als lukrativer Verkauf. Der Verkehrskonzern, der im europäischen Ausland Bus- und Nahverkehrsbahnen betreibt und seit Jahren Gewinne einfährt, ist in den vergangenen Jahren erfolgreich gewachsen.

Ende 2015 gewann die Bahn-Tochter zum Beispiel einen Zehn-Milliarden-Euro-Vertrag über eine Laufzeit von neun Jahren. Das sind mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Als die Deutsche Bahn 2010 Arriva für knapp drei Milliarden Euro kaufte, lag der Jahresumsatz von Arriva bei etwas mehr als drei Milliarden Euro. Ein Komplettverkauf würde viele Milliarden Euro einbringen.

Die wichtigsten Firmenübernahmen der deutschen Bahn

  • Stinnes/Schenker

    Sparte: Spedition

    Deutschland 2002

    Wert: 2500 Mio. Euro

  • BAX Global

    Sparte: Spedition

    USA 2006

    Wert: 1300 Mio. Euro

  • EWS

    Sparte: Schienenverkehr

    Großbritannien 2007

    Wert: 370 Mio. Euro

  • Transfesa

    Sparte: Schienenverkehr

    Spanien 2007

    Wert: 130 Mio. Euro

  • Spain-Tir

    Sparte: Personenverkehr

    Spanien 2007

    Wert: 150 Mio. Euro

  • Laing Rail

    Sparte: Spedition

    Großbritannien 2008

    Wert: 170 Mio. Euro

  • Romtrans

    Sparte: Spedition

    Rumänien 2009

    Wert: 100 Mio. Euro

  • PCC Logistik

    Sparte: Schienenverkehr

    Polen 2009

    Wert: 450 Mio. Euro

  • Arriva

    Sparte: Personenverkehr

    Großbritannien 2010

    Wert: 3000 Mio. Euro

    Quelle: Deutsche Bahn

Auch bei Schenker fordern einige einen Komplettverkauf, aber aus anderen Gründen. Zwar erwirtschaftet der Logistiker ebenfalls Gewinne, allerdings auf niedrigem Niveau. Die Speditionssparte der Deutschen Bahn steht international unter hohem Wettbewerbsdruck.

Der Logistiker wäre deshalb wohl nicht sehr viel wert. Vor allem aber hat die Logistiksparte nicht die in sie gesteckten Erwartungen erfüllt. Synergien etwa mit der Güterbahn gibt es so gut wie nicht.

Im Klartext: Schenker Logistics ist für das Kerngeschäft der Deutschen Bahn verzichtbar.

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Kritiker der Deutschen Bahn wie Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel fordern deshalb keine halben Sachen. „Arriva und Schenker Logistics sind im konzerninternen Vergleich der Geschäftsfelder derzeit überdurchschnittlich ertragsträchtig, erwirtschaften jedoch nicht ihre Kapitalkosten und tragen nicht zur Konzernstrategie bei“, sagt Gastel.

Neue Anteilseigner würden die Komplexität des Bahnkonzerns nur erhöhen. „Aus meiner Sicht braucht es eine klare Lösung: Entweder Arriva und Schenker Logistics komplett oder gar nicht veräußern.“

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