Deutsche Bahn: Lokführergewerkschaft droht mit 100-Stunden-Streik

Deutsche Bahn: Lokführergewerkschaft droht mit 100-Stunden-Streik

Lokführer, Piloten, Sicherheitspersonal: Zug- und Flugpassagiere sind Ausfälle durch Ausstände inzwischen gewohnt. Im Dauerkonflikt mit der Deutschen Bahn lässt die GDL nun schon wieder ihre Muskeln spielen.

Schlechte Nachrichten für Reisende: Der Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn steht vor einer neuen Eskalation. Die GDL stellte dem Konzern ein Ultimatum bis zum kommenden Mittwoch und drohte mit weiteren Rekordstreiks.

„Der nächste Streik wird um die hundert Stunden lang sein“, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS). Auch Flugpassagiere müssen mit neuen Ausfällen rechnen - der Konflikt beim Lufthansa-Konzern ist nach dem jüngsten Pilotenstreik bei der Tochter Germanwings ebenso ungelöst. Die Bahn und die GDL befinden sich seit inzwischen mehr als einem halben Jahr in einem außergewöhnlich komplizierten Tarifkonflikt. Die Gewerkschaft will künftig nicht nur für die Lokführer verhandeln, sondern auch für andere Berufsgruppen. Dies hatte zum Streit auch mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geführt.

Die GDL befürchtet, dass die staatseigene Bahn auf das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte neue Tarifeinheitsgesetz setzt. Demnach sollen kleine Spartengewerkschaften die Interessen ihrer Mitglieder nicht mehr zulasten ganzer Betriebe durchsetzen können. Dem Zeitungsbericht zufolge sandte die GDL der Bahn nun ein sogenanntes Verhandlungsprotokoll mit neun Punkten. Sie wolle nur auf dessen Grundlage weiterverhandeln und verlange, dass die Bahn die Forderungen anerkennt - bis zur Sitzung ihrer Tarifkommission am Mittwoch (18. Februar) um 11 Uhr. Eine GDL-Sprecherin bestätigte das.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Anzeige

Eine Bahn-Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur dagegen: „Die Deutsche Bahn hat keinerlei Verständnis für erneute Streikdrohungen und dafür keinen Anlass geliefert, im Gegenteil: Wir haben Kernforderungen der GDL wie zum Flächentarifvertrag erfüllt.“ So habe das Unternehmen seine Bereitschaft erklärt, alle für die Gewerkschaft relevanten Berufsgruppen in das bestehende Tarifwerk einzufügen. Indes habe die GDL selbst etwa die Lokrangierführer nicht aufnehmen wollen - „mit der Begründung, dass es diese Berufsgruppen bei den Wettbewerbern im Eisenbahnverkehrsmarkt so gar nicht gebe“.

Eine vernünftige Lösung sei ausschließlich am Verhandlungstisch möglich - und nicht durch eine unnötige Verunsicherung der Kunden und Mitarbeiter der Bahn. „Das Papier, von dem hier die Rede ist, werden wir bewerten, wenn es offiziell vorliegt“, hieß es aus dem Konzern weiter. Es sei auch am Sonntag noch nicht bei der Bahn eingegangen. Wenn das Papier nicht bis zur Sitzung der Tarifkommission von allen Seiten unterschrieben worden sei, „werden wir unseren Beschlussgremien die Fortsetzung der Streiks vorschlagen“, schrieb Weselsky dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, Werner Bayreuther, der für die Bahn die Verhandlungen führt. Die GDL könne einen Arbeitskampf binnen eines Tages organisieren. Schon am kommenden Wochenende könnte der Zugverkehr erheblich gestört werden.

Weitere Artikel

Zuletzt hatte die GDL im November zu einem fast hundertstündigen Rekordstreik aufgerufen. Dieser war jedoch nach rund drei Tagen vorzeitig beendet worden. Am vergangenen Mittwoch hatte die Gewerkschaft die Verhandlungen mit der Bahn für gescheitert erklärt. Sie begründete dies damit, dass der Konzern sie verpflichten wolle, sich Tarifverträgen der Konkurrenzgewerkschaft EVG unterzuordnen. Parallel zum Ablauf des GDL-Ultimatums will die EVG am Mittwoch ihre eigenen Bahn-Tarifgespräche fortsetzen. „Solange es Fortschritte am Verhandlungstisch gibt, werden wir nicht zum Arbeitskampf aufrufen. Kommen wir nicht weiter, werden unsere Mitglieder ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen wissen“, sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Die EVG hat bislang nicht gestreikt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%