Deutsche Bahn: Mit Grubes Radikalkur geht's ans Eingemachte

Deutsche Bahn: Mit Grubes Radikalkur geht's ans Eingemachte

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Die drei Ziele des Deutsche Bahn Chef Rüdiger Grube: Verschlankung, Managementumbau und Einsparungen.

von Christian Schlesiger

Vorstandschef Rüdiger Grube will die Deutsche Bahn verschlanken und so beweglicher machen. Ein Börsengang des Staatskonzerns ist final vom Tisch.

Utz-Hellmuth Felcht ist bekannt für flapsige Sprüche. Auf einer Mitarbeiterversammlung Mitte Juni in der Bolle Meierei, einem historischen Veranstaltungskeller im Berliner Bezirk Alt-Moabit, beantwortete der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn die Frage von Konzernlenker Rüdiger Grube, ob der Börsengang noch ein Thema sei: Nein – und das sei auch für die Vorstandsmitglieder eine gute Nachricht, denn unter dem Druck von Investoren gäbe es den einen oder anderen von ihnen möglicherweise nicht mehr. Die mehreren Hundert Mitarbeiter staunten.

Felchts Botschaft klang wie eine Ohrfeige für Grube: zwar als Scherz eingeleitet, aber in seiner Kritik unverhohlen. Doch tatsächlich hatten Grube und Felcht zu diesem Zeitpunkt schon gemeinsam einen Konzernumbau beschlossen. Der Dreiklang: Verschlankung, Managementumbau, Einsparungen. So will die Bahn von der Defensive in die Offensive kommen. Und das Thema Börsengang soll endgültig ad acta gelegt werden.

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Neue Züge der Deutschen Bahn

  • ICx: Der Komfortable

    Die neuen ICx von Siemens erhalten eine Beleuchtung, die sich an Zeit und Außenstimmung anpasst. Zudem erlauben sie die Mitnahme von Rädern. Die ersten der 130 bestellten Züge kommen 2017. Investition: 5,3 Milliarden Euro. Pro Jahr liefert Siemens 20 Stück. Ein rund 200 Meter langer Zug besteht beim ICx aus sieben statt acht Wagen wie beim ICE. Das senkt Kosten und bringt mehr Sitzplätze. Siemens baut zwei Modelle: 345 und 202 Meter lang, Höchsttempo 249 und 230 Kilometer pro Stunde.

  • IC Dostock: Der Schlichte

    Die Doppelstockzüge von Bombardier kommen vor allem auf Nebenstrecken zum Einsatz. Anders als im Nahverkehr, wo sie bereits als Regionalexpress unterwegs sind, erhalten die 44 bestellten Dostocks das blaue Velours-Ambiente eines Intercity. Investition: 660 Millionen Euro. Es gibt keinen Schnickschnack: Sitzreihen und Toiletten sind enger, kein Bordrestaurant, stattdessen mobiler Gastro-Service. Betriebliche Vorteile: Die Züge sind in der Länge variabel und gelten als extrem verlässlich.

Grube arbeitet nun an den Details, die er Ende Juli der Öffentlichkeit und „unmittelbar davor“ den Führungskräften präsentieren werde, heißt es in einem Schreiben an die Top-Entscheider im Konzern. Auch eine Sondersitzung des Aufsichtsrats wird angesetzt. Denn der Umbau geht ans Eingemachte.

Wichtigster Punkt: Grube will die separate Aktiengesellschaft Deutsche Bahn Mobility Logistics (DBML), die den Personen- und Güterverkehr sowie das Logistikgeschäft bündelt und einst zu einem Viertel an die Börse gebracht werden sollte, in den Bahn-Konzern integrieren. Künftig könnte die Deutsche Bahn also aus einer Holding bestehen, unter der mehrere Sparten nebeneinander agieren.

Angst vor der Mitfahrzentrale

Das spart teure Doppelfunktionen ein. Grube ist Vorstandschef der Deutschen Bahn und der DBML. Beide Aktiengesellschaften halten mehrere Aufsichtsratssitzungen pro Jahr ab – mit unterschiedlicher Besetzung. Das lähmt und kostet Geld. Insgesamt könnte die Integration Millionen sparen, weil Ausgaben für Aufsichtsräte, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsberichte wegfallen.

Grube will zudem die Bahn wettbewerbsfähiger machen. Dazu dürften die einzelnen Sparten mehr Verantwortung bekommen, um schneller auf Veränderungen im Markt reagieren zu können. Genau das unterblieb etwa nach dem Erfolg der Fernbusse.

Die wichtigsten Baustellen der Bahn 2015

  • S-Bahn Berlin

    Von Mitte Januar bis Anfang Mai wird auf der Nord-Süd-Verbindung der Oberbau, die Leit- und Sicherungstechnik und der Tunnel unter die Lupe genommen. In dieser Zeit ist die Strecke zwischen Gesundbrunnen und Yorkstraße gesperrt. Von Ende August bis Ende November wird außerdem eine Brückenkonstruktion am erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof saniert. Fernzüge halten dann im unteren Teil des Kreuzungsbahnhofs.

  • Hannover-Göttingen

    Mitte Mai sollen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwölf Weichen erneuert werden. Während der Bauzeit wird die Strecke gesperrt. Der Fernverkehr wird von Hannover über die alte Strecke nach Göttingen umgeleitet. Das dauert 30 Minuten länger.

  • Köln-Frankfurt

    Von Mitte April bis Mitte Mai werden auf der ICE-Strecke 44 Kilometer Schienenstrang ausgewechselt. Dazu wird die Strecke durch den Westerwald an vier Wochenenden gesperrt. Die Züge werden dann am Rhein entlang fahren. Die Fahrzeit verlängert sich um 60 Minuten.

  • Köln-Aachen

    Die Strecke bekommt von Ende Juni bis Mitte August auf 22 Kilometern neue Gleise. Fernzüge fahren einen Umweg über Venlo und brauchen dafür 45 Minuten länger. Auf der Route Köln-Siegen werden im gleichen Zeitraum 35 Kilometer Gleise renoviert. Davon sind in der Bauzeit 77 Nahverkehrszüge betroffen, die durch Busse ersetzt werden.

  • Mannheim-Stuttgart

    Von Mitte September bis Ende Oktober werden auf der Schnelltrasse Gleise und Weichen ausgetauscht. Dafür wird die Strecke zwischen Kraichtal und Stuttgart-Zuffenhausen zeitweise gesperrt. Die Umleitung über die alte Strecke kostet 40 Minuten Fahrzeit.

  • Nürnberg-Ansbach

    Von Anfang März bis April wird ein zehn Kilometer langer Streckenabschnitt saniert. Zeitweise ist eine Sperrung nötig. Die Fernzüge der Linie Nürnberg-Karlsruhe werden über Treuchtlingen umgeleitet. Das dauert 40 Minuten länger als sonst.

  • München-Ingolstadt

    Auf dieser Route wird voraussichtlich noch bis August 2015 die Schienentechnik erneuert, damit Züge künftig dort mit Tempo 200 fahren können. Dabei muss ein alter Damm saniert, Gleise erneuert und neue Signalkabel verlegt werden. Ein Teil der Fernzüge muss über Augsburg umgeleitet werden. Das führt zu einer 30 Minuten längeren Fahrzeit.

In der Folge sank der operative Gewinn im ICE-Geschäft 2014 um ein Drittel auf 212 Millionen Euro. Im Konzern geht zudem die Angst vor der französischen Mitfahrzentrale Blablacar um, die in ihrem Heimatmarkt der Staatsbahn SNCF zusetzt. Im April kaufte Blablacar den deutschen Konkurrenten Carpooling.

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Für die neue Struktur setzt Grube auch auf neue Manager. Logistikchef Karl-Friedrich Rausch geht zum Jahresende in den Ruhestand, Personalchef Ulrich Weber könnte später folgen. Als Wackelkandidat gilt Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg, der neben Problemen im Fernverkehr auch den Verlust von Großaufträgen im Nahverkehr zu verantworten hat. Auch die Zukunft von Heike Hanagarth im Vorstand ist unsicher. Ihr Technikressort ist relativ klein.

Das dritte Element in Grubes Agenda sind Einsparungen in der Verwaltung am Potsdamer Platz, damit verbunden dürfte auch ein Stellenabbau sein. Die Maßnahmen sollen bis 2019 allein 620 Millionen Euro bringen. In der Hauspostille „DB Welt“ rief er die Mitarbeiter im Mai schon zur „Jagd nach Bürokratiemonstern“ auf.

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