Deutsche Bahn: Neuer Bahnchef Lutz verkündet Trendwende

Deutsche Bahn: Neuer Bahnchef Lutz verkündet Trendwende

, aktualisiert 23. März 2017, 13:46 Uhr
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Der neue Bahnchef Richard Lutz stellt im ICE Betriebswerk Berlin-Rummelsburg die Jahreszahlen 2016 der Deutschen Bahn AG vor.

Im Vorjahr hatte der Staatskonzern noch Verluste verzeichnet. Dank des Sparkurses kommt die Deutsche Bahn nun wieder in die schwarzen Zahlen und vermeldet einen Fahrgastrekord.

Die Bahn sieht sich mit dem neuen Konzernchef Richard Lutz wieder in der Spur und will dieses Jahr sowohl mehr Gewinn als auch besseren Service liefern. "Wir haben die Trendwende geschafft", verkündete Lutz bei der Vorstellung der Bilanz 2016. Danach ist der Staatskonzern mit einem Betriebsgewinn von fast zwei Milliarden Euro aus der Krise gefahren. Nach Zinsen und Steuern blieben gut 700 Millionen Euro nachdem 2015 noch ein Milliarden-Verlust anfiel. Zudem fuhren - angelockt durch Sonderpreise - trotz Fernbus-Konkurrenz so viele Passagiere wie nie mit IC und ICE. Die Pünktlichkeit lag bei fast 80 Prozent und soll 2017 dies übertreffen. Zugleich wird ein Plus beim Betriebsgewinn auf über 2,1 Milliarden Euro von Lutz erwarte. "Wir haben einen sehr ordentlichen Start 2017 hingelegt und dabei den Rückenwind aus 2016 mitgenommen."

Der Aufsichtsrat hatte Lutz gerade erst zum Nachfolger von Rüdiger Grube ernannt, der den Konzern im Streit um seine Vertragsverlängerung verlassen hatte. Der 52-Jährige ist seit 1994 bei der Bahn und seit 2010 Finanzvorstand. Diese Position behält er zunächst.

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Lutz zeigte sich nur zufrieden mit den Geschäftszahlen, er machte auch besseren Service aus und spüre Aufbruchsstimmung im Unternehmen. "Unsere Mitarbeiter haben sich auf die Jagd nach jeder verlorenen Minute gemacht." Dennoch blieben eine Reihe von Baustellen: "Ich verspreche nicht, dass sich jetzt alle Probleme bei der Bahn in Luft auflösen."

Deutsche Bahn Bundesnetzagentur ermittelt gegen Deutsche Bahn

Die Bundesnetzagentur ermittelt wegen irreführender Dienstanweisungen gegen die Deutsche Bahn. Die Behörde bestätigte der WirtschaftsWoche, dass sie ein offizielles Verfahren gegen DB Netz eingeleitet hat.

Quelle: dpa

Dass nicht alles rund läuft bei der Bahn, zeigt zum einen, dass der Umsatz mit 40,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr stagniert hat. Zudem kann die Bahn ihre Investitionen trotz des Gewinns weiter nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Die Schulden würden so auf fast 19 Milliarden Euro steigen, sagte Lutz. Rund zwei Milliarden Euro werde man sich 2017 leihen müssen.

Hauptbaustelle bleibt der Schienengüterverkehr, der auch 2016 nicht aus der Verlustzone kam. Der einstige Monopolist DB Cargo hat mittlerweile einen Marktanteil von nur noch 60 Prozent, baut Tausende Stellen ab und plant ein weiteres Sanierungsprogramm bei der Instandhaltung. Güterbahn und internationale Logistik DB Schenker sollen jetzt wieder einen eigenen Vorstand bekommen, um die Probleme besser angehen zu können. Dafür ist die Chefin der Berlin Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, im Gespräch, die schon früher bei der Güterbahn war. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat zudem noch für die kommenden Monate ein Hilfsprogramm für die gesamte Branche angekündigt, um mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Es gilt als sicher, dass vor allem die Preise für die Schienennutzung gesenkt werden.

Internationales Geschäft stützt

Das internationale Geschäft blieb dagegen eine wichtige Stütze. Die Logistik-Sparte DB Schenker (Lkw, Schiff, Flugzeug) legte zu und soll auch 2017 kräftig wachsen. "Bei DB Schenker zeigen alle Pfeile nach oben", sagte Lutz. Ähnliches gilt für den europäischen Nahverkehr unter der britischen Tochter Arriva. Der Brexit und das schwache Pfund blieben ein Risiko, sagte Lutz.

Richard Lutz Der mächtigste Bahnchef aller Zeiten

Eigentlich sollte Richard Lutz die Bahn nur so lange führen, bis ein Nachfolger gefunden wurde. Nun bleibt der Übergangskandidat dauerhaft Bahnchef. Und seine Machtfülle überstrahlt die seiner Vorgänger.

ARCHIV - Richard Lutz, Vorstand Finanzen und Controlling der Deutschen Bahn, spricht am 19.03.2015 in Berlin bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen 2014. (zu dpa "Besser werden - Was den neuen Bahnchef erwartet" vom 22.03.2017) Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Das Geschäft in Deutschland macht dagegen nicht nur bei der Güterbahn sorgen. Im Regionalverkehr verliert die Bahn Aufträge der Länder für Pendlerzüge an Konkurrenten. Der Fernverkehr kann trotz des Passagierrekords nicht an frühere Gewinne anknüpfen, da die Tickets wegen der Fernbus-Konkurrenz billiger verkauft werden. Zwar wachse der Bus-Verkehr durch das Ausscheiden zahlreicher Unternehmen, darunter der Bahn selbst, nicht mehr, sagte Personenverkehrschef Berthold Huber.

"Der Fernbus bleibt aber ein ernstzunehmender Wettbewerber." Um den Service weiter zu verbessern, kündigte Huber an, dass kostenloses Internet nicht nur in den Fernzügen, sondern künftig auch zunehmend in Regionalzügen angeboten werden sollte.

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