Deutsche Bahn: Rüdiger Grube setzt auf Eigengewächse – und Pofalla

Deutsche Bahn: Rüdiger Grube setzt auf Eigengewächse – und Pofalla

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Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn.

von Christian Schlesiger

Bahnchef Rüdiger Grube verkleinert den Vorstand und will den Konzern schlagkräftiger und wendiger machen. Dabei setzt er auch auf unkonventionelle Personalien. Das liefert einen Hinweis auf Grubes weitere Pläne.

Die lange erwarteten Veränderungen bei der Deutschen Bahn bekommen langsam Konturen. Bahnchef Rüdiger Grube will Ende Juli seine konkreten Pläne für einen radikalen Konzernumbau vorstellen – und dabei auch neue Leute in den Vorstand holen. Wer kommt und geht, steht nun so gut wie fest.

Große Überraschungen bleiben aus. Bei den operativen Geschäftsbereichen setzt Grube auf erfahrene Eisenbahner aus den eigenen Reihen. So soll der derzeitige Fernverkehrschef Berthold Huber in den Vorstand aufrücken und dort mit einem Super-Ressort ausgestattet werden. Er ersetzt den glücklosen Ulrich Homburg und verantwortet künftig den gesamten Personenverkehr, also Nah- und Fernverkehr. Zudem erhält er die Verantwortung für den schwächelnden Schienengüterverkehr.

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Huber steigt damit zum wichtigsten Mann hinter Grube auf. Der 51-Jährige begann seine Karriere als Unternehmensberater, arbeitet aber schon seit 1997 für die Deutsche Bahn. Seit Ende 2010 leitet er die Sparte Fernverkehr. Huber ist einer der Hauptautoren der neuen Fernverkehrsstrategie der Bahn. Das Konzept sieht vor, die Fernverkehrsverbindungen auch in mittelgroße Städte ab 100.000 Einwohner deutlich auszubauen.

Huber ist ein Mann ohne Allüren, der einen guten Ruf genießt. Er gilt als teamorientiert, kreativ und unkonventionell. Als der Deutschen Bahn vor ein paar Jahren Züge fehlten, holte er sich kurzerhand ein paar Züge in der Schweiz und ließ sie renovieren. Auf Huber lastet nun der größte Druck. Denn all seine drei Bereiche haben Probleme: Der Nahverkehr verliert Marktanteile, der Fernverkehr stagniert und der Schienengüterverkehr hat die Gewinnschwelle noch immer nicht erreicht. Alle Sparten brauchen neue und frische Ideen.

Interessant ist der erweiterte Verantwortungsbereich für Finanzvorstand Richard Lutz. Auch er kann gut mit Menschen. Wegbegleiter schätzen seine offene, kumpelhafte Art. Wie Huber ist auch er schon lange Eisenbahner, bereits seit 1994. Doch seine Aufgaben beschränkten sich bei der Deutschen Bahn bislang auf die Themen Finanzen und Controlling.

Das Geschäftsjahr 2014 der Deutschen Bahn

  • Das Geschäftsjahr 2014...

    Das Geschäftsjahr 2014 der Deutschen Bahn im Vergleich zum Vorjahr und zur Konzernplanung.

    Quelle: PwC, Deutsche Bahn

  • Schienenpersonenverkehr

    2014: 79,8 Milliarden Personenkilometer

    Veränderung zu...

    2013: -0,7 Prozent

    Plan: -2,3 Prozent

    Quelle: PWC, Deutsche Bahn

  • Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr

    2014: 102,8 Milliarden Tonnenkilometer

    Veränderung zu...

    2013: -1,4 Prozent

    Plan: -2,8 Prozent

  • Umsatz

    2014: 39,7 Milliarden Euro

    Veränderung zu...

    2013: +1,5 Prozent

    Plan: k. A.

  • Eigenkapitalquote

    2014: 26 Prozent

    Veränderung zu...

    2013: -7,8 Prozent

    Plan: -15 Prozent

  • Operativer Gewinn nach Zinsen, vor Steuern

    2014: 1,3 Milliarden Euro

    Veränderung zu...

    2013: -7,8 Prozent

    Plan: -6,2 Prozent

Lutz übernimmt nun zusätzlich die Logistik-Sparte von Karl-Friedrich Rausch, der in den Ruhestand wechselt. Dass Lutz künftig auch einen operativen Bereich verantwortet, kann zweierlei bedeuten. Zum einen kann er sich so als Macher beweisen, der künftig auch andere Ressorts übernehmen könnte. Zum anderen könnte dies ein Indiz dafür sein, dass Konzernchef Grube den Logistikbereich Schenker langfristig loswerden möchte. Die Sparte mit Sitz in Essen gehört seit 2002 der Deutschen Bahn. Sie hat erhebliche Renditeprobleme und  führt schon lange ein Eigenleben. Lutz könnte damit beauftragt sein, einen Käufer zu finden.

Bleiben werden Volker Kefer und Ulrich Weber. Kefer leitet den Infrastrukturbereich der Bahn. Sein Meisterstück - die Schlichtung beim Bahnhofsbau Stuttgart 21 – hat er mit Bravour gemeistert. Er könnte möglicherweise den Technikbereich von Vorständin Heike Hanagarth übernehmen, die ihren Rücktritt erklärt hat. Hanagarth sind zwar keine größeren Fehler unterlaufen. Den Produktionsprozess beim neuen Prestigezug ICx von Siemens, den die Bahn unter ihrer Ägide scharf kontrolliert und begleitet hat, läuft nach Fahrplan.

Hanagarth ist es aber nicht gelungen, im Konzern sichtbar Profil zu gewinnen. Infrastrukturvorstand Kefer wäre kein Unbekannter im Technikbereich. Er leitete das Geschäft bis 2013 neben den Infrastrukturgesellschaften.

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Weber bleibt vorerst Personalvorstand. Er hat den Konflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL erfolgreich beendet. Es heißt aber, dass für ihn eine Nachfolgerin gesucht werde.

Prominentester Neuzugang im Vorstand der Deutschen Bahn ist Ronald Pofalla. Der CDU-Politiker arbeitet seit Januar dieses Jahres als Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen. Pofalla übernimmt darüber hinaus das Rechts-Ressort von Gerd Becht, der aus dem Unternehmen ausscheidet.

Grube dürfte Pofalla vor allem aus freundschaftlicher Verbundenheit in den Vorstand holen. Bechts Vertrag läuft bis 2017. Für das vorzeitige Ausscheiden gibt es keinen betrieblichen Grund. Die Bilanz von Becht ist exzellent: Er hat den Bereich Datenschutz, Recht und Compliance zu einer profitablen Sparte ausgebaut. Unter ihm verklagte die Bahn zahlreiche Kartellunternehmen, die dem Konzern hohen Schaden zugefügt hatten. Die Einnahmen für die Bahn gehen in den dreistelligen Millionenbereich.

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