Deutsche Bahn: Schienengütersparte tiefer in roten Zahlen als bekannt

exklusivDeutsche Bahn: Schienengütersparte tiefer in roten Zahlen als bekannt

von Reinhold Böhmer und Christian Schlesiger

Der Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn, DB Schenker Rail, hat in den ersten vier Monaten dieses Jahres das geplante Ergebnis weitaus stärker verfehlt als bisher bekannt.

Das berichtet die WirtschaftsWoche in ihrer neuesten Ausgabe unter Berufung auf einen internen Lagebericht des Vorstandes für die Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats am kommenden Mittwoch. Demzufolge fuhr die Sparte von Januar bis April einen Verlust von rund 30 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern Euro ein, geplant war jedoch ein entsprechender Gewinn von gut 45 Millionen Euro, eine Zielverfehlung von 165 Prozent. Unter Berücksichtigung der Zinsen war der operative Verlust damit mindestens so hoch wie im gesamten Nachkrisenjahr 2011, als ein operativer Verlust von rund 54 Millionen Euro angefallen war.

Damit gerät Spartenchef Alexander Hedderich unter Druck, dessen Performance die Staatssekretäre aus dem Verkehrs-, dem Finanz- und dem Wirtschaftsministerium zum Thema der kommenden Aufsichtsratssitzung machen wollen. So hatte sich Hedderich streng vertraulichen internen Eckdaten zufolge, die dem Blatt vorliegen, bereits im vergangenen Jahr schwer verplant. Der operative Gewinn war 2012 mit 1,2 Millionen Euro um 98 Prozent hinter den Planungen zurück geblieben. Dagegen gab Hedderich rund 370 Millionen Euro oder fast 30 Prozent mehr für Investitionen aus als geplant. Dadurch stieg die Verschuldung der Sparte nicht wie geplant von 1,53 Milliarden auf 1,0 Milliarden Euro gesunken, sondern auf 1,8 Milliarden Euro Ende 2012.

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Eine Milliarde Euro Prozessrisiken im Nahverkehr

Die Deutsche Bahn beziffert die Prozessrisiken im Streit mit anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) auf 1,04 Milliarden Euro. Das geht aus dem vertraulichen Lagebericht hervor, den der Vorstand dem Bahn-Aufsichtsrat in der kommenden Woche präsentieren wird. Grund dafür sind rechtliche Auseinandersetzungen, ob die Bahn den EVU im Nahverkehr zu viel für die Nutzung des Schienennetzes und der Bahnhöfe in Rechnung stellt. „EVU im Schienenpersonennahverkehr zahlen die Entgelte zunehmend unter dem Vorbehalt der späteren Rückforderung“, heißt in dem Bericht des Bahn-Vorstandes. Aktuell sehe sich die Bahn mehr als 40 Klagen vor Gericht ausgesetzt, in denen andere Eisenbahnverkehrsunternehmen 60 Millionen Euro von der Bahn zurückverlangen würden.

Bahn gewinnt nur jede dritte Ausschreibung im Nahverkehr

Die Deutsche Bahn hat in den ersten fünf Monaten des Jahres nur noch 36 Prozent der ausgeschriebenen Regionalstrecken in Deutschland gewinnen können. Das geht aus dem vertraulichen Lagebericht hervor, den der Vorstand dem Bahn-Aufsichtsrat in der kommenden Woche präsentieren wird. Der Aufstellung zufolge hat die Bahn damit als Einzelunternehmen zwar die meisten Strecken gewonnen. Allerdings konnten der britische Nahverkehrskonzern National Express sowie Tochterunternehmen der französischen und der niederländischen Staatsbahn zusammen fast die Hälfte der Ausschreibungen für sich entscheiden.

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