Deutsche Post: Erwartungen waren zu hoch geschraubt

Deutsche Post: Erwartungen waren zu hoch geschraubt

von Jacqueline Goebel

Die Post hat ihre Gewinne erhöht und ihre Ziele erfüllt. Die Börse reagiert trotzdem enttäuscht: Analysten hatten eine bessere Prognose erwartet. Und im Vorfeld der Tarifverhandlungen bleibt die Stimmung angespannt.

Die um fünf Cent erhöhte Dividende von 0,85 Euro je Aktie konnte die Aktionäre anscheinend nicht glücklich stimmen. Die Post hat ihre Ziele erfüllt hat und ihren operativen Gewinn um 3,5 Prozent auf insgesamt 2,965 Milliarden Euro gesteigert. Auch der Umsatz liegt mit 56,6 Milliarden Euro 3,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Doch die Analysten hatten mehr erwartet – der Börsenkurs sank zwischenzeitlich um bis zu vier Prozent.

Die Erwartungen an die Post sind hoch: Bis 2020 will der Bonner Riese, mittlerweile der größte Logisitikkonzern der Welt, seinen Gewinn auf fünf Milliarden Euro steigern. Dabei will Vorstandschef Frank Appel von dem durch den Onlinehandel ausgelösten Paketboom und dem Wachstum in Schwellenländern profitieren. Kein anderer Dax-Konzern hat so ehrgeizige Langfristziele. Acht Prozent mehr Gewinn pro Jahr muss Appel vorweisen, um seine Vorsätze zu erreichen. Und das heißt: In den kommenden Jahren muss der Konzern beim Gewinnwachstum noch ordentlich nachliefern.

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Was die Post mit ihrer Strategie 2020 erreichen will

  • Bessere Umweltbilanz

    Auch der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß soll verringert werden: Bis 2020 will die Post ihre Energie-Effizenz um 30 Prozent verbessern. Vor kurzem kaufte der Dax-Konzern zum Beispiel den deutschen Elektroauto-Entwickler Streetscooter auf.

  • Erste Wahl für Aktionäre

    Die Aktie Gelb soll weiter steigen: Post-Chef Frank Appel möchte zur ersten Wahl für Anleger werden. Zwischen 40 und 60 Prozent des Nettogewinns sollen die Aktionäre jährlich als Dividende ausgeschüttet bekommen.

  • Glückliche Kunden

    Auch die Kundenzufriedenheit soll steigen - auf über 80 Prozent. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche beschwerten sich allerdings vor allem deutsche Großkunden zuletzt über die Briefzustellung.

  • Mehr Gewinn

    Der Gewinn ist die wichtigste Ziellinie in der Strategie 2020: Bis zum Ablauf der Frist will Appel fünf Milliarden Euro Plus machen. Dazu müsste er pro Jahr den Gewinn um acht Prozent steigern. Die Brief- und Paketsparte, die ihren Umsatz vor allem in Deutschland macht, soll drei Prozent Gewinnsteigerung pro Jahr dazu beisteuern - das Expressgeschäft, die Logistik- und Speditionssparten müssen zehn Prozent mehr im Jahr verdienen.

    Kein anderer Dax-Konzern hat so konkrete und zugleich so ehrgeizige Ziele.

  • Wachstum in Schwellenländern

    In Deutschland hat der durch den Onlinehandel ausgelöste Paketboom die Deutsche Post weit nach vorne getrieben. Jetzt will der Bonner Konzern diesen Effekt auch in den Schwellenländern mitnehmen: Bis 2020 soll sich der Marktanteil in diesen Regionen von 22 auf 30 Prozent erhöhen. Der Fokus liegt dabei auf Brasilien, Indien, China, Russland und Mexiko.

  • Zufriedene Mitarbeiter

    Auch bei den Mitarbeitern möchte die Post die erste Wahl sein. Ziel des Vorstand ist es, in den Mitarbeiterbefragung eine Zustimmungsquote von über 80 Prozent zu erlangen. Zuletzt lag die Quote bei ungefähr 70 Prozent.

Das trifft auch das Deutschland-Geschäft: Um ihre Ziele einzuhalten, muss die Post in Deutschland im Brief- und Paketbereich sparen, vor allem was die Lohnkosten angeht. Die Gewerkschaften sind deshalb beunruhigt – und lassen kurz vor den anstehenden Tarifverhandlungen  immer öfter das Wort Streik fallen.

Post sorgt sich um Speditionssparte

Rund 1,3 Milliarden Euro Gewinn steuerte die entsprechende Sparte „PeP“ (Post – eCommerce – Parcel) bei. Damit ist sie auch im Vergleich zum Express und Logistikgeschäft noch immer der größte Gewinnbringer für die Post. Gerade die Speditionssparte macht der Post Sorgen: Seit Jahren kämpft der Unternehmensbereich mit einem Sanierungsprogramm und der Umstellung der Datenverarbeitungs-Systeme, die den Gewinn auch in diesem Jahr wieder belastet haben. Immerhin: Bis 2016 soll das das Programm wirken und der Bereich wieder Gewinne abwerfen.

Wie sich Umsatz und Gewinn verteilen

  • PEP (Post, eCommerce, Parcel)

    Umsatz: 15,7 Milliarden Euro (28 Prozent des Konzernumsatzes)

    Gewinn: 1,3 Milliarden Euro (44 Prozent des Konzerngewinns)

    Stand: Gesamtjahr2014; Quelle: Unternehmen, eigene Berechnungen

  • Express

    Umsatz: 12,5 Milliarden Euro (22 Prozent des Konzernumsatzes)

    Gewinn: 1,3 Milliarden Euro (44 Prozent des Konzerngewinns)

  • Global Freight

    Umsatz: 14,9 Milliarden Euro (26 Prozent des Konzernumsatzes)

    Gewinn: 293 Millionen Euro (10 Prozent des Konzerngewinns)

  • Supply Chain

    Umsatz: 10,74 Milliarden Euro (26 Prozent des Konzernumsatzes)

    Gewinn: 465 Millionen Euro (16 Prozent des Konzerngewinns)

  • Konzern

    Umsatz: 56,6 Milliarden Euro

    Gewinn: 2,97 Milliarden Euro

Doch das heikelste Problem im kommenden Jahren wird ein anderes sein: Die Deutsche Post steuert auf einen Tarifkonflikt zu, der in einem Vollstreik münden könnte. Damit die Brief- und Paketsparte auch in Zukunft weiter zu den Gewinnbringern gehört, will die Deutsche Post das Lohnniveau senken. Das gilt vor allem für den Paketbereich, in dem Wettbewerber wie Hermes, DPD und GLS mit ihren oft weitaus schlechter bezahlten Paketboten den Konkurrenzdruck erhöhen. Die Gegenmaßnahme der Post ist der Grund für den Zorn der Gewerkschaften: Sie gründete neue Tochterunternehmen, bei denen die Zusteller statt nach dem für die Branche ungewöhnlich hohen Haustarif nach dem Logistiktarif bezahlt werden sollen.

Weit mehr als 4000 Mitarbeiter haben die Verträge bei den neuen Delivery-Tochterunternehmen mittlerweile unterschrieben, bestätigte Post-Vorstand Appel auf der Bilanzpressekonferenz. Doch nur rund 500 der Paketboten haben neu bei der Post angeheuert, die anderen Delivery-Angestellten waren bereits vorher befristet bei der Post beschäftigt und ergriffen die Chance auf einen unbefristeten Vertrag.

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Doch ob das reicht, um das ausgegebene Ziel von drei Prozent mehr Gewinn im Jahr in der PeP-Sparte zu erreichen, bleibt offen. Für das kommende Jahr jedenfalls scheint die Post skeptisch: Keine Steigerung, nur ein in etwa gleichbleibendes Ergebnis von 1,3 Milliarden Euro prognostiziert der Konzern. Die anderen Sparten hingegen sollen 2,1 bis 2,25 Milliarden Euro einbringen.

Eine verhaltene Prognose – ganz im Gegensatz zu den Langfristzielen der Strategie 2020.

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