Deutsche Post: Kartellverdacht belastet Post-Hauptversammlung

Deutsche Post: Kartellverdacht belastet Post-Hauptversammlung

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Gebäude der Deutschen Post

von Nele Hansen

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Post präsentierte Konzernchef Appel gute Zahlen. Doch es droht Ärger: Das Kartellamt prüft, ob der Konzern Preisdumping betreibt. Erhärtet sich der Verdacht, ist der Aktienkurs in Gefahr.

Eigentlich geht es dem gelben Riesen aus Bonn gut. Die Umsätze  der Deutschen Post gingen zwar um ein knappes Prozent zurück, doch der operative Gewinn stieg um mehr als sieben Prozent auf über 2,8 Milliarden Euro, das Konzernjahresergebnis lag mit 2,09 Milliarden Euro 27,5 Prozent über dem Vorjahr, und die Deutschen verschicken so viele Pakete wie nie zuvor.  

Auf der Hauptversammlung hat Postchef Frank Appel die Aktionäre des Unternehmens deshalb auf höhere Gewinne und mehr Wachstum in den kommenden Jahren eingestimmt. Den Anteilseignern stellte Appel eine höhere Ausschüttung in Aussicht, ohne aber konkrete Zahlen zu nennen.

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In den kommenden Jahren will die Post weiter wachsen. „Wir sind bereit für den nächsten Schritt“, sagte Appel in Frankfurt. Im Fokus steht dabei vor allem der Ausbau der Logistik und die internationale Expansion des Paketgeschäftes. „Wir haben uns viel für die Zukunft vorgenommen“, betonte Appel mit Blick auf die Strategie des Unternehmens bis 2020.

Post in der Kritik

Trotz der guten Zahlen und den rosigen Zukunftsaussichten droht dem Konzern Ärger. Denn seit mehr als einem Jahr prüft das Bundeskartellamt, ob die Preisgestaltung für das Großkundengeschäft mit vielen Dax-Konzernen, vor allem Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen oder Banken, rechtens ist. Etwa 85 Prozent des Briefgeschäfts entfallen auf Geschäftskunden, rund zehn Prozent macht Branchenkenner zu Folge das Geschäft mit den befragten Großkunden aus.

„Wir untersuchen derzeit eingehend die Tarifgestaltung der Deutschen Post gegen bestimmten Großkunden. Hier haben wir klare Anhaltspunkte dafür, dass Wettbewerber durch sogenannte Preis-Kosten-Scheren, also letztlich Dumpingpreise behindert werden“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt vergangene Woche in der FAZ. Die Post wollte sich dazu nicht äußern.

Sollten sich die Gerüchte über Dumping-Preise für bestimmte Großkunden bewahrheiten, könnte der Logistiker zu höheren Preisen gezwungen werden und dürfte in der Folge Marktanteile verlieren, schrieb Analyst Jochen Rothenbacher von der Investmentbank Equinet in einer Studie vom vergangenen Montag. Das könnte den Aktienkurs belasten.

Außerdem drohen Strafzahlungen, vor allem weil die Europäische Kommission bereits 2002 entschieden hatte, dass die  Post im Paketbereich zu niedrige Preise verlangt hat.

Postwettbewerber kritisieren, dass die Post mit Dumpingpreisen versucht, Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. Eine Möglichkeit sei es, Werbekostenzuschüsse zu gewähren, indem Versender erlauben, dass Werbung auf ihren Briefen steht und so die Beförderung günstiger anbietet, heißt es aus der Branche.

Preisdumping Kartellamt ermittelt gegen Deutsche Post

Die Deutsche Post soll im Briefgeschäft mit Großkunden die Preise gedrückt haben. Das Kartellamt ermittelt. Immer wieder gerät der Konzern in Konflikt mit den Behörden.

Hat die Deutsche Post ihre Brief-Preise über das erlaubte Maß hinaus gedrückt? Das Kartellamt untersucht die Vorwürfe. Quelle: dpa

Post-Konkurrenten wie Francotyp Postalia mit ihrer Tochter Freesort oder die Pin Mail sammeln Briefe bei Großkunden ein, sortieren sie nach Zustellbezirken und liefern sie bei der Post ab, weil sie kein eigenes flächendeckendes Zustellnetz betreiben. Die Post gewährt daraufhin Rabatte auf das Porto, sogenannte Teilleistungsrabatte.

„Die Freesort als Konsolidierer bekommt maximal 40 Prozent Teilleistungsrabatt, wenn wir entsprechend vorsortierte Sendungen bei der DPAG zur Zustellung einliefern“, sagt Monika Plum, Leiterin Geschäftsentwicklung bei der Muttergesellschaft Francotyp-Postalia.

Dabei stellen die Post-Wettbewerber  immer wieder im Markt fest, dass sie Aufträge  nicht bekommen oder verlieren, obwohl sie attraktive Konditionen anbieten.

„Unseren Kunden Vodafone haben wir vor knapp vier Jahren von heute auf morgen verloren, trotz eines Preises, der am Markt nach meiner Auffassung in Rahmen der genehmigten Teilleistungsrabatte nicht zu unterbieten war. Vielleicht ist es ja auch Zufall, dass dem Vernehmen nach die Post auf einmal Telefonkarten von Vodafone nutzte und die Briefe befördert“, sagt Pin Mail- Vorstandschef Axel Stirl.

„Wir würden es daher begrüßen, wenn es eine Vorlagepflicht von Großkundenverträgen der Deutschen Post und ihrer Tochterunternehmen bei der Bundesnetzagentur geben würde“, sagte Plum.

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Streit um die Paketkästen

Während ein Verfahren demnächst zum Abschluss kommt, droht auf der Paketfront schon weiterer Ärger. Mitte Mai hatte die Post angefangen, Paketkästen für Privatkunden zu vertreiben, die sie sich in die Vorgärten stellen können. Allerdings kann nur die Deutsche Post ihre Pakete abliefern, Wettbewerber wie Hermes oder UPS bleiben außen vor. Aus Sicherheitsgründen – argumentiert die Post. Hermes-Chef Hanjo Schneider  sprach sich bereits für eine branchenübergreifende Lösung aus. Der Branchenverband BIEK, in dem die Postwettbewerber organisiert sind,  erwägt daher, das Kartellamt einzuschalten.

„Die Beschränkung der Paketkästen der Post auf DHL-Sendungen widerspricht eklatant dem Kundeninteresse. Der Kunde will auch nicht verschiedene Briefkästen für Sendungen unterschiedlicher Briefdienste vorhalten, sondern hat einen einzigen Briefkasten für alle Sendungen. Was beim Briefkasten klappt, kann beim Paketkasten nicht anders sein. Die Post missbraucht ihre marktbeherrschende Stellung, wenn sie den Kunden zwingt, sich auf einen einzigen Paketdienst festzulegen. Dies kann weder aus kartellrechtlicher noch aus Sicht der Postregulierung hingenommen werden“, sagt BIEK-Geschäftsführer Marten Bosselmann.

Mit Material von dpa

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