Deutsche Post: Schwere Vorwürfe gegen DHL in Südamerika

Deutsche Post: Schwere Vorwürfe gegen DHL in Südamerika

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DHL-Angestellte während des Streiks in Deutschland. Ihre Kollegen in Südamerika machen dem Konzern heftige Vorwürfe.

Abgehörte Gespräche, verfälschte Umfragen und Kündigungen wegen eines Streiks. In einem Bericht kritisiert die internationale Transportgewerkschaft ITF die Arbeitsbedingungen bei DHL in Südamerika.

Als Valentina Pacheco den Job im DHL-Lager bekam, konnte sie ihr Glück kaum fassen. "Ich dachte, das ist eine großer Konzern, in dem man sich eine Karriere aufbauen kann, in dem man gute Chancen hat", sagt sie im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. "Das war eine riesengroße Enttäuschung."

Valentina heißt eigentlich anders. Doch sie arbeitet noch immer bei DHL und will ihren Job schützen. Ihre Geschichte ist eines der vielen Schicksale, die die internationale Transportgewerkschaft ITF in einem Bericht über die Arbeitsbedingungen bei der Deutschen Post DHL in Südamerika schildert.

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Was die Post mit ihrer Strategie 2020 erreichen will

  • Bessere Umweltbilanz

    Auch der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß soll verringert werden: Bis 2020 will die Post ihre Energie-Effizenz um 30 Prozent verbessern. Vor kurzem kaufte der Dax-Konzern zum Beispiel den deutschen Elektroauto-Entwickler Streetscooter auf.

  • Erste Wahl für Aktionäre

    Die Aktie Gelb soll weiter steigen: Post-Chef Frank Appel möchte zur ersten Wahl für Anleger werden. Zwischen 40 und 60 Prozent des Nettogewinns sollen die Aktionäre jährlich als Dividende ausgeschüttet bekommen.

  • Glückliche Kunden

    Auch die Kundenzufriedenheit soll steigen - auf über 80 Prozent. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche beschwerten sich allerdings vor allem deutsche Großkunden zuletzt über die Briefzustellung.

  • Mehr Gewinn

    Der Gewinn ist die wichtigste Ziellinie in der Strategie 2020: Bis zum Ablauf der Frist will Appel fünf Milliarden Euro Plus machen. Dazu müsste er pro Jahr den Gewinn um acht Prozent steigern. Die Brief- und Paketsparte, die ihren Umsatz vor allem in Deutschland macht, soll drei Prozent Gewinnsteigerung pro Jahr dazu beisteuern - das Expressgeschäft, die Logistik- und Speditionssparten müssen zehn Prozent mehr im Jahr verdienen.

    Kein anderer Dax-Konzern hat so konkrete und zugleich so ehrgeizige Ziele.

  • Wachstum in Schwellenländern

    In Deutschland hat der durch den Onlinehandel ausgelöste Paketboom die Deutsche Post weit nach vorne getrieben. Jetzt will der Bonner Konzern diesen Effekt auch in den Schwellenländern mitnehmen: Bis 2020 soll sich der Marktanteil in diesen Regionen von 22 auf 30 Prozent erhöhen. Der Fokus liegt dabei auf Brasilien, Indien, China, Russland und Mexiko.

  • Zufriedene Mitarbeiter

    Auch bei den Mitarbeitern möchte die Post die erste Wahl sein. Ziel des Vorstand ist es, in den Mitarbeiterbefragung eine Zustimmungsquote von über 80 Prozent zu erlangen. Zuletzt lag die Quote bei ungefähr 70 Prozent.

In dem Bericht, der heute veröffentlicht wird und der WirtschaftsWoche bereits vorab vorlag, erhebt die internationale Gewerkschaft schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Post DHL. Der Bonner Konzern soll in Chile, Panama und Kolumbien systematisch Arbeitsrechte der Angestellten verletzt und Gewerkschaftsarbeit verhindert haben. Es zeichne sich "ein Bild von Unternehmen, die mit illegalen Methoden oder am Rande des Gesetzes alles daran setzen, die gewerkschaftliche Organisierung ihrer Belegschaften zu verhindern", heißt es in dem Bericht. Das deute "auf ein Problem in der Unternehmenskultur hin, das bis in die DHL-Spitze reicht."

Damit gerät die Deutsche Post DHL als einer der größten Arbeitgeber der Branche in die Kritik. Rund 500.000 Angestellte hat der Konzern, in Südamerika arbeiten davon nach Unternehmensangaben etwa sieben Prozent. Die Vorwürfe rufen Erinnerungen an den Streik in Deutschland statt, bei dem auch die Gewerkschaft Verdi das Vorgehen der Post stark kritisierte. Die Post hatte unter anderem Beamte und ausländische Hilfsarbeiter eingesetzt, um die Auswirkungen des Streiks abzumindern.

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Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe der internationalen Gewerkschaft. Alle Mitarbeiter hätten weltweit das Recht, einer Gewerkschaft ihrer Wahl beizutreten, hieß es aus der Konzernzentrale. "Außerdem respektieren wir das Recht auf Tarifverhandlungen", erklärte ein Sprecher. Das Unternehmen fördere einen "konstruktiven Dialog zwischen Beschäftigten und Führungskräften."

Valentina Pacheco sieht das anders. "Sie kämpfen gegen Mitarbeiter", sagt die Chilenin und erzählt sie von einem Streik vor zwei Jahren. Ihre Gewerkschaft, das "Sindicato Número 1 DHL Express", wollte höhere Löhne durchsetzen und eine Nachtschichtzulage. Auf einen Vorschlag zur Änderung des gemeinsamen Vertrags sei die Unternehmensleitung nicht eingegangen. Daraufhin seien die Mitarbeiter in den Streik getreten, heißt es in dem Bericht der ITF.

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