Deutsche Post: Sortierer in Aufruhr

Deutsche Post: Sortierer in Aufruhr

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Bescheid zugestellt: Die Netzagentur prüft den Verdacht auf Missbrauch in Briefzentren.

von Christian Schlesiger

Der Logistikkonzern Deutsche Post hat Anteile eines Unternehmens gekauft, das rüde gegen Wettbewerber vorgehen soll.

Das Treffen im Tulip Inn, einem Hotel in der Düsseldorfer Fußballarena, endete für Max Toller mit einer speziellen Offerte. Der Mitarbeiter der Postcon, einer Tochtergesellschaft der holländischen Post TNT, sollte über seinen Arbeitgeber Bericht erstatten, wenn es etwa mit Kunden „Probleme oder andere Schwierigkeiten geben“ würde, habe ihn sein Gegenüber gebeten. Es lockte die Aussicht auf Geld. Der angebliche Auftraggeber: ein Manager des Berliner Unternehmens Compador.

Toller heißt in Wahrheit anders. Doch der Versuch der Einflussnahme ist in einem Gesprächsprotokoll festgehalten, das ein Vertrauensmann der Postcon mit dem angesprochenen Kollegen im Anschluss an das ominöse Treffen anfertigte. Compador bestreitet die Vorwürfe. Das Papier, das der WirtschaftsWoche vorliegt, bringt jedenfalls auch die Deutsche Post in Erklärungsnot: Der Logistikkonzern ist an Compador beteiligt. Das Berliner Unternehmen hat in jüngster Zeit mit zweifelhaften Methoden auf sich aufmerksam gemacht. Post-Konkurrenten schlagen nun Alarm. Die Deutsche Post, so ihr Vorwurf, nutze Compador als Trojanisches Pferd, um Wettbewerb im Briefmarkt auszuhebeln.

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Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Beteiligung der Deutschen Post in Verruf gerät. Vor zwei Jahren beanstandete das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht das Vorgehen von First Mail. Die 100-prozentige Billigtochter der Post hatte versucht, den Konkurrenten der Mutter über Kampfpreise Kunden abzujagen. Die Post hält im Briefgeschäft immer noch einen Marktanteil von 90 Prozent, doch das Sendungsaufkommen sinkt seit Jahren stetig. Der im Juni 2010 gestartete E-Postbrief hat die Planzahlen bislang nicht erreicht.

Nun sieht es so aus, als nutze die Post die Beteiligung Compador als neue Speerspitze gegen Wettbewerber. Im Dezember vergangenen Jahres kaufte sich die Post in das Unternehmen ein: mit 49 Prozent bei der Sparte Compador Technologies GmbH, die Maschinen für das Vorsortieren von Briefen produziert und wartet. Zusätzlich hält der Konzern 26 Prozent an der Schwestergesellschaft Compador Dienstleistungs GmbH, die Briefsendungen bei Großkunden einsammelt und bei der Deutschen Post oder privaten Briefdiensten zur Zustellung abgibt.

Deutsche Post Der Bundesverband Briefdienste erhebt schwere Vorwürfe gegen die Post

Der Bundesverband Briefdienste (BBD), in dem sich private Briefzusteller zusammenschließen, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Post. Der Vorwurf: Die Beteiligungsfirma Compador soll Konkurrenz vom Markt drängen

Logo der Deutschen Post Quelle: dpa

Mit dem Einstieg der Bonner begann eine Serie fragwürdiger Methoden. Postcon etwa war einer der Hauptkunden von Compador. Mit deren Maschinen sortierte die TNT-Tochter die bei Großkunden eingesammelten Briefe. Die meisten Sendungen wurden über Zusteller der Muttergesellschaft TNT und regionale Kooperationspartner ausgeliefert. Einen Teil speiste Postcon in das Zustellnetz der Deutschen Post ein. Der Briefkonzern gewährt für das Vorsortieren der Briefe nach Postleitzahlen gesetzlich festgelegte Rabatte. Das sogenannte Konsolidierungsgeschäft ist für TNT lukrativer als die Briefzustellung in Eigenregie. 2012 erwirtschaftete Postcon einen Gewinn von 14 Millionen Euro.

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